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Mit dem Wohnmobil durch Rumänien: Von Abrămuț nach Hunedoara

Eine Etappe von A nach B, Überführungsfahrt, dachten wir – und lagen daneben. Zwischen Abrămuț und Hunedoara tauchen mitten in der Landschaft die glitzernden Roma-Paläste von Huedin auf: silbern beblecht, mit mehr Türmchen als so manche Burg. Kurz darauf wird’s endgültig kurios – im Tal von Hațeg lebten echte Dinosaurier, nur eben in der Sparausführung. Inselverzwergung nennt sich das: Aus riesigen Langhalssauriern wurden hier Exemplare kaum größer als ein Pony. Dazu eine ruhige Nacht wild am Fluss Strei, ein Schäfer mit seiner Herde – und ganz praktisch die Frage, wo man die E-Vignette kauft, ohne den Vermittler zu subventionieren. Nicht nur das Ziel war das Spannende an diesem Tag, sondern auch der Weg dorthin.

Wildcampen am Fluss Strei in Rumänien

Unser heutiges Ziel mit dem Wohnmobil war der Fluss Strei nahe der Stadt Hunedoara. Nach einer Fahrt durch vier Ländern und vielen Kilometern war das hier unser erster Platz in Rumänien, an dem wir wirklich frei standen – direkt am Wasser, ohne Campingplatz, ohne Nachbarschaft, ganz alleine.

Die heutige Etappe war mehr als nur eine Strecke auf der Karte – sie war ein Einstieg in ein Land, das sich nicht in Highlights erklären lässt. Wer Rumänien in seiner ganzen Vielfalt entdecken möchte, findet hier einen Überblick über Regionen, Kontraste und Reiseideen.

Ein neuer Reisetag in Rumänien

Wohnmobil, Feld, Wolle und Kaffee

Während halb Europa noch im Bett liegt oder sich durchs Frühstücksbuffet kämpft, stehe ich vor unserem Wohnmobil und versuche mit ein paar Dehnübungen so etwas wie Sport zu simulieren. Meine Knochen knacken dabei wie ein altes Fachwerkhaus – Sonntag eben.

Hinter mir tut sich etwas. Kein Rasenmäher, kein Frühschoppenchor, sondern eine Schafsherde, die gemächlich über das abgeerntete Feld zieht. Goldenes Stoppelfeld, weiße Wolle – das wirkt fast wie der Beginn eines Gedichts, wäre es nicht Sonntagmorgen um sechs.

Natürlich greife ich sofort zur Kamera. Klick. Noch ein Klick. Der Schäfer bemerkt mich sofort. Er schaut nicht böse, eher so, als frage er sich: Was macht der komische Typ da am Feldrand – Yoga oder Vogelscheuche? Wir laufen uns entgegen, nicken, gestikulieren – und dann das große Ja: Ich darf ihn fotografieren. Klick. Fertig. Ein Gesicht, in das der Sonntag direkt eingraviert ist – rau, echt, ein bisschen so, als hätte er das Feld selbst mit bloßen Händen geerntet.

Porträt eines rumänischen Schäfers bei Abramut in Rumänien, seine Herde zieht am frühen Morgen am Camper vorbei – Szene einer Wohnmobilreise
Ein Moment der Begegnung: Der rumänische Schäfer erlaubt ein Porträt, während im Hintergrund seine Herde über das Feld zieht. Eine Szene voller Authentizität.

Wildcampen mit dem Wohnmobil in Rumänien – unsere Morgenroutine

Dann treibt er seine Herde weiter über das Feld, als sei das alles das Normalste der Welt. Ich bleibe mit meinem kleinen „National Geographic“-Moment zurück. Zeit, Pius aus dem Schlaf zu reißen – was er mit der Begeisterung eines Teenagers am Sonntagmorgen aufnimmt. Wir gönnen uns ein ausführliches Frühstück, Camperleben deluxe: Brot, Aufschnitt, Nutella, heißer Kaffee und die ersten Sonnenstrahlen als Gesellschaft.

So beginnt für uns ein typischer Morgen auf unserer Wohnmobilreise durch Rumänien – mit Begegnungen, die zwischen Parzellen und Stromkästen vermutlich nie entstehen würden, sondern eher beim Wildcampen in freier Natur. Nach der Morgenstärkung geht’s ans Aufräumen, oder sagen wir: das, was unterwegs als ‚auf Vordermann bringen‘ durchgeht. Wer das Bild vom Wohnmobilheck nach den ersten 1.500 Kilometern gesehen hat, weiß: Die Realität hat da längst ihre Spuren hinterlassen. Aber immerhin – alles verstaut, nichts fällt raus, und wir sind startklar. Apropos startklar: Wie unsere große Osteuropa-Reise überhaupt begann, könnt ihr hier nachlesen.

Heck unseres VW Grand California nach 1.500 Kilometern durch Rumänien – dreckig, echt, unterwegs
Staubig, mit geöffneter Dachluke und ausgerollter Markise steht unser Grand California nach 1.500 km in Rumänien – die originale Nummerntafel zur Sicherheit unkenntlich gemacht.

Unser Ziel: Transsilvanien. Sonntag oder nicht – wir wollen Dracula besuchen. Oder besser gesagt: die Burg Corvin in Hunedoara. Aber bevor wir auf gotische Mauern stoßen, warten erst mal rumänische Straßen, die eher nach Teststrecke für Stoßdämpfer aussehen, und Verkehrsschilder, die anscheinend im Sonderangebot gemischt wurden. Sonntagsspaziergang für Anfänger ist das jedenfalls nicht.

Von Abramut nach Hunedoara – mit dem Wohnmobil ins Dracula-Land

Nach unserem Schäfer-Idyll und kleinem Wildcamping-Abenteuer in Abramut rollten wir also los. Ziel: Hunedoara, die Burg Corvin. Google Maps versprach uns etwas über 4 Stunden Fahrt. Rumänische Realität übersetzt das ungefähr so: „Du fährst, solange dein Rücken durchhält, und dann nochmal so lange, bis dein Beifahrer die Eiswürfel rationieren will.“ Denn es ist erst Anfang August, die Sonne hat schon früh Kraft, und es zeichnet sich ab, dass es wieder ein sehr heißer Tag werden wird

Erster Halt: Marghita. Eine kleine Stadt, die uns vor allem durch kalte Getränke, Eis am Stiel und die wichtigste Errungenschaft des Tages in Erinnerung bleiben wird: Eiswürfel im Tiefkühlfach. Ein Luxus, der auf Camperreisen ungefähr so wichtig ist wie Strom oder Internet. Optisch machte Marghita den Eindruck, als wäre die große Frühjahrsputzaktion ein paar Jahre in Folge ausgefallen – nicht blitzblank, aber eben auch kein Schmuckkästchen.

Der Barcău-Stausee und die A3 – Rumäniens zähe Jahrhundert-Autobahn

Danach änderte sich die Landschaft. Erst endlose Felder, karg und weit, als hätte hier jemand die Landwirtschaft auf Pause gedrückt. Dann sanfte Hügel, die aussahen wie eine überdimensionale Modelleisenbahnplatte. Und schließlich der Barcău-Stausee mit der im Bau befindlichen Autobahnbrücke: Betonpfeiler, Fahrbahnen – alles da, und trotzdem fehlt noch einiges. Klar zu erkennen ist aber, dass es einmal eine der wichtigsten Verkehrsachsen des Landes wird.

Die Brücke gehört zum Viadukt Suplacu de Barcău, rund 1,8 Kilometer lang und Teil der geplanten Autobahn A3, der Autostrada Transilvania. Diese soll auf etwa 600 Kilometern Bukarest mit der ungarischen Grenze verbinden. Schon seit den frühen 2000er Jahren wird hier gebaut, Verträge wurden mehrfach vergeben und wieder gestoppt – die Pfeiler standen jahrelang unvollendet in der Landschaft. Erst in den letzten Jahren kam wieder Bewegung in das Projekt, das für Rumänien zu einem Symbol für ehrgeizige, aber zähe Infrastrukturprojekte geworden ist.

Im Bau befindliche Autobahnbrücke über den Barcău-Stausee in Rumänien bei strahlendem Sonnenschein
Die neue Autobahnbrücke über den Barcău-Stausee – beeindruckende Dimensionen, aber noch weit entfernt von der Eröffnung.

Die Roma-Paläste von Huedin – das Dachmekka von Transsilvanien

Spätestens in Huedin mussten wir uns die Augen reiben. Beim Reinfahren staunten wir nicht schlecht: Häuser wie Paläste, Dächer wie Zuckerbäckerträume, alles verspielt, golden, reich verziert. Manche wirkten verlassen, andere wie Dauerbaustellen. Es war eine wilde Mischung zwischen „Disneyland in der Provinz“ und „Prunkvilla mit Bauruine“. Kaum zu übersehen, aber wir fragten uns, wer da eigentlich wohnt – oder ob überhaupt jemand wohnt. Ein Foto war Pflicht.

Roma-Haus in Huedin mit silbern glänzendem Dach und reich verzierter Fassade – Detailansicht von vorne
Ein typisches Beispiel aus Huedin: Dieses Roma-Haus besticht durch ein silberfarbenes Dach, aufwendige Türmchen und eine kunstvoll verzierte Fassade – Symbol für Stolz und Stil (Foto aus dem Wohnmobil).

Und diese Dächer haben Geschichte. Gebaut wurden die meisten dieser Paläste von Roma-Familien, die in den 1990ern oder 2000ern durch Auslandsarbeit oder Handel zu Geld kamen. Statt Aktien oder Sparbuch wird auf Sichtbarkeit gesetzt – und zwar in Dachform. Jeder Giebel, jede Spitze sollte größer, auffälliger, glänzender sein als die vom Nachbarn. Früher glänzte es gern kupfern – die absolute Goldkette fürs Haus. Heute sind es mehrstufige, überbordend verspielte Konstruktionen, die aussehen, als hätte Versailles ein Praktikum bei IKEA absolviert.

Unfertiges Roma-Haus in Huedin mit rotem Dach, silbernen Giebeln und reich verzierten Türmchen

Das Problem: Nicht jedes Projekt wurde jemals fertig. Unten bleibt der Rohbau grau, oben thront das Zuckerbäcker-Dach, als hätte es das Haus überholt. In der Nachbarschaft sorgen diese Bauwerke bis heute für Diskussionen – für die einen sind sie Symbole von Stolz und Aufstieg, für die anderen reine Bausünden. Für uns Durchreisende wirkt es jedenfalls wie eine Architektur-Olympiade ohne Schiedsrichter: gewonnen hat der, dessen Dach am weitesten in den Himmel ragt.

Von Landstraße zu Luxusbelag – E-Vignette in Rumänien muss sein

Bevor wir uns mit dem Wohnmobil auf die rumänische Autobahn wagten, war klar: Ohne E-Vignette kein Asphaltvergnügen. Und weil wir keine Lust auf Knöllchen hatten, hielten wir brav an und regelten das digital. Also: tollvignettes.com, Paypal gezückt, 20,99 € bezahlt – natürlich mit ordentlicher Servicegebühr, versteht sich. Bürokratie deluxe eben.

Aber hey – dafür kam die Bestätigung direkt per Mail. Zack, genehmigt, freigeschaltet, Vollgas (na ja, Campermaßstab). Ehrlich gesagt war das die schnellste Verwaltungsangelegenheit seit langem. Fast schon verdächtig effizient. Wenn du weißt, was ich meine.

Und so rollten wir auf dem nächsten Abschnitt tatsächlich auf echter, glatter, liniengezogener Autobahn dahin. Komfortabel, fast ungewohnt – und ein bisschen wie auf einer Teststrecke für Wohnmobil-Träume.

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Rumänien – Vignette nicht nur für die Autobahn

Wer in Rumänien mit dem Wohnmobil unterwegs ist, braucht unbedingt eine elektronische Vignette (Rovinieta). Sie muss vor Fahrtantritt gekauft und aktiviert werden – sonst drohen hohe Strafen.

Stand 2026 beginnt die rumänische E-Vignette (Rovinieta) für Pkw und Wohnmobile bis 3,5 t bei etwa ab 3,50 Euro für einen Tag. Für längere Aufenthalte gibt es entsprechend günstigere Staffelungen, etwa für 10 Tage oder 30 Tage. Da sich Preise und Fahrzeugklassen unterscheiden können, haben wir die aktuellen Tarife, Laufzeiten und Besonderheiten in einem separaten Beitrag zur Rumänien-Vignette zusammengefasst.

Wir hatten die Vignette online über tollvignettes.com gekauft. Aber Achtung: Hier werden Vignetten für mehrere Länder angeboten – es ist dafür auch teurer. Es wurde allein eine Servicegebühr in Höhe von 9,49 € fällig. Eine offizielle Verkaufsstelle ist roviniete.ro. Hier bekommst den Kauf zum fairen Preis. Meine Erfahrung zeigt jedoch vor allem eines: Ein kurzer Preisvergleich lohnt sich, um unnötige Aufschläge zu vermeiden.

Wichtig:

  • Die Vignette ist auf allen Nationalstraßen (nicht nur Autobahnen) Pflicht.
  • Gilt nicht innerorts (also innerhalb von Städten und Gemeinden).
  • Kontrolle erfolgt elektronisch per Kennzeichenerfassung.
  • Neben der Vignette können noch Brückenmautgebühren anfallen (z. B. Donauquerungen)

Noch ein Hinweis
Sollten sich die Preise für die Vignette inzwischen geändert haben oder habt ihr neue Infos zu Besonderheiten beim Kauf (z. B. Verkaufsstellen, Online-Portale, Kontrolle), schreibt das gern unten in die Kommentare. So bleibt der Beitrag aktuell und alle profitieren davon.

Ich bin selbst davon ausgegangen, dass die Vignette nur auf Autobahnen gilt – ein Irrtum. Warum das in Rumänien schnell teuer wird, habe ich im Beitrag zur Rumänien-Vignette ausführlich erklärt.

Vor den Toren der Transsilvanischen Alpen

Nach einem Tank- und Müllstopp am Ortsausgang ging es weiter Richtung Süden – über Cluj-Napoca, Florești, Turda und Aiud/Straßburg am Mureș. Und mit jedem Kilometer wurde das Panorama dramatischer.

Vor uns erhoben sich die Transsilvanischen Alpen. Kein gemütliches Mittelgebirge wie der Harz, sondern eine massive Wand aus Stein und Wald – düster, steil, eindrucksvoll. Die Straße schien direkt in die Felsen zu laufen, und hinter jedem Hang hätte problemlos ein Burgturm auftauchen können. Dracula wäre vermutlich begeistert gewesen.

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Ein Kaffee für unterwegs

Reisen, recherchieren, fotografieren, schreiben – hinter Hinterm Horizont rechts steckt einiges an Zeit und Arbeit. Ich würde mich freuen, wenn du meine Arbeit unterstützt. Das kannst du ganz einfach tun, indem du mir einen Kaffee ausgibst. Klick einfach auf die Kaffeetasse.

Wildcampen mit dem Wohnmobil in Rumänien – Abendstimmung am Fluss Strei bei Bacia

Gegen halb sechs am Abend erreichten wir unseren neuen Übernachtungsplatz. Wildcampen mit dem Wohnmobil in Rumänien bedeutet hier: Natur pur am Fluss Strei, nahe Bacia. Der Weg dorthin war etwas holprig und bot gratis 3-Meter-Astkontakt für die Dachkante – aber alles in allem befahrbar, solange du den Camper nicht wie einen Sportwagen behandelt.

Schon beim Aussteigen lag dieses besondere Gefühl von Freiheit in der Luft, das du nur beim Freistehen spürst. Keine Nachbarn, keine Stellplatzordnung, nur Wasserrauschen und Abendsonne – genau das, was für uns Wildcamping ausmacht.

Luftaufnahme über dem Camper am Fluss Strei bei Bacia, mit deutlich sichtbarer Uferzone
Minimalistisch und naturnah: Unser Camper steht direkt am Wasser. Zwei Stühle, ein Tisch, viel Grün – aus der Luft betrachtet, wirkt der Platz fast einsam und idyllisch – Wildcampen am Fluss Strei
Camper am Fluss Strei bei Bacia – Luftaufnahme in der Abendstimmung mit Blick auf Hügel und Dorf
Der Fluss Strei windet sich durch die Landschaft bei Bacia – unser Camper mittendrin, die Sonne steht tief, das Dorf im Hintergrund leuchtet warm im Licht des nahenden Sonnenuntergangs

Wildcampen mit dem Wohnmobil am Fluss Strei bei Bacia

Ich setzte mich an den Rand des Flusses, ließ die Beine ins Wasser baumeln, während sich mein Sohn mit voller Kraft gegen die Strömung warf und den Fluss mit jeder Faser seines Körpers genoss – eben eine echte Wasserratte. Dabei streifte er wohl über ein paar Steine und zog sich eine kleine Verletzung am Oberkörper zu. Halb so wild: ein bisschen Desinfektion, ein Pflaster drauf, und unser Abenteuer geht weiter.

Als die letzten Badegäste verschwanden, kehrte eine beeindruckende Stille ein. Kein Auto, kein Generator, kein Windrad. Nur wir, der Fluss und die Nacht. Wir zogen uns in den Camper zurück, hörten das Rauschen des Flusses und schliefen ein.

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Das Strei-Tal und das Land der Saurier

Der Strei ist ein rund 93 Kilometer langer Fluss im Westen Siebenbürgens. Er entspringt in den Șureanu-Bergen und mündet bei Simeria in den Mureș – ein eher unscheinbares Gewässer. Sein Tal aber führt in eine der erstaunlichsten Landschaften Rumäniens: das Țara Hațegului, seit 2015 UNESCO Global Geopark.

Zwerge und Riesen – das Tal von Hațeg

Vor rund 70 Millionen Jahren war das Hațeg-Becken eine Insel im Kreidemeer – und Inseln machen mit ihren Bewohnern etwas Seltsames. Die pflanzenfressenden Langhals-Saurier schrumpften hier zu Zwergen: Magyarosaurus, ein Verwandter gewaltiger Sauropoden, wurde kaum größer als ein Pony. Doch Vorsicht mit dem Kuschelbild – über allem stand ein Gigant: Hatzegopteryx, ein Flugsaurier mit bis zu zehn Metern Spannweite, einer der größten, die je geflogen sind. Er jagte die kleinen Dinosaurier am Boden. Zwerge und Riesen auf derselben Insel – genau das macht Hațeg für die Wissenschaft weltberühmt.

Wo kannst du die Saurier sehen?

Im Städtchen Hațeg zeigt das Besucherzentrum des Dinosaurier-Geoparks (Universität Bukarest, Str. Libertății 9A) ein lebensgroßes Modell des Balaur bondoc, eines gefiederten Raubsauriers mit – ausnahmsweise – rumänischem statt lateinischem Namen („bondoc“ heißt so viel wie stämmig, gedrungen).

Eintritt frei, laut Betreiber täglich 9–17 Uhr. Im Dorf Sânpetru, ein paar Kilometer weiter, gibt es zudem die „Casa Dinozaurilor Pitici“ – das Haus der Zwergdinosaurier – mit versteinerten Dino-Eiern und Repliken. Mehr Infos und Anfahrt auf der offiziellen Geopark-Seite hateggeoparc.ro (auf Rumänisch/Englisch). Öffnungszeiten kleiner lokaler Einrichtungen ändern sich schon mal – vor dem Besuch kurz prüfen.

Erforscht und gedeutet hat das alles ausgerechnet ein einheimischer Adliger: der Paläontologe Baron Franz Nopcsa. Auf dem Gut seiner Familie in Sânpetru wurden 1895 die ersten Saurierknochen gefunden – und Nopcsa erkannte als Erster, dass die Tiere hier durch das Inselleben zu Zwergen geworden waren. Eine für seine Zeit verblüffende Idee.

Im selben Hațeg-Land liegt Ulpia Traiana Sarmizegetusa, einst Hauptstadt der römischen Provinz Dakien und heute ein bedeutendes archäologisches Freilichtgelände. (Kleiner, aber feiner Unterschied: Zum UNESCO-Welterbe gehört die dakische Sarmizegetusa Regia in den Orăștie-Bergen – nicht die römische Ulpia Traiana. Zwei Städte, fast derselbe Name.) Und der Fluss teilt seinen Namen mit dem Dorf Strei, dessen Kirche aus dem späten 13. Jahrhundert mit ihren byzantinisch geprägten Fresken zu den ältesten mittelalterlichen Bauwerken der Region zählt.

Ein stilles Wasser – mit ziemlich spektakulärer Nachbarschaft.

Ein Tag der Ruhe – außen. Und Arbeit – innen.

Am nächsten Morgen wachten wir spät auf – kein Wecker, keine Menschenseele, kein Geräusch. Es war schnell klar: Wir bleiben hier. Ich nutzte die Zeit, um in aller Ruhe den Beitrag über das KZ Auschwitz-Birkenau fertigzustellen. Keine leichte Aufgabe. Die Bilder, die Worte, das Sortieren – das war kein kleiner Text, das war ein kompletter Arbeitstag. Und einer, der mich selbst mehr berührt hat, als ich es vorher gedacht hätte.

Die aufgehende Sonne über dem Fluss Strei bei Bacia, Rumänien – glitzerndes Wasser, stille Natur
Früh am Morgen: Die Sonne steigt langsam über den Hügeln auf, das Wasser des Strei funkelt im Gegenlicht – ein ruhiger Moment in der wilden Natur Rumäniens

Draußen lag der Fluss Strei still und unbeeindruckt, drinnen klapperte nur die Tastatur. Und irgendwo zwischen Absatz und Bildunterschrift schoben sich schon die Gedanken an die nächste Etappe dazwischen: die mächtige Burg Corvin in Hunedoara, wo Vlad der Pfähler – besser bekannt als Dracula – einst gefangen gewesen sein soll. Da konnten wir uns ein kleines Grinsen nicht verkneifen und suchten vorsorglich schon mal nach Knoblauch im Camper 😉. Ein Ziel voller Geschichte, Mythen und steinerner Wucht, das wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten

Draußen floss der Strei ruhig dahin – in mir war es alles andere als ruhig.

Pius hingegen wurde kreativ auf andere Weise: Er errichtete mit viel Elan eine kleine Staumauer im Fluss, probierte verschiedene Techniken, um das Wasser zu lenken – vermutlich der stillste Wasserbauversuch östlich der Alpen – und sicher einer der unterhaltsamsten.

Mittags gab’s ein erweitertes Frühstück: weiße Bohnen in Tomatensauce, dazu Brot mit gebratener Paprika, Tomatenmark, kräftig gewürzt – und Spiegelei obendrauf. Kulinarisches Campinglevel: Balkan-Bistro mit Aussicht.

Mittagessen am Fluss Strei mit Campingtisch, zwei Stühlen und grünem Sonnenschirm in Rumänien
Zwei Campingstühle, ein gedeckter Tisch mit Spiegelei und Bohnen, daneben ein aufgespannter Sonnenschirm – so idyllisch kann Lunch am Fluss Strei in Rumänien sein. Natur und Ruhe pur.

Der Rest des Tages verging mit Gammeln, Planschen, Abstand gewinnen. Kein Lärm, keine Termine – Starlink Mini war da, aber wir haben’s einfach mal ignoriert. Nur Natur, Fokus – und das beruhigende Gefühl, am richtigen Ort zu sein in Rumänien.

Am Abend war dann klar: Morgen werden wir Burg Corvin erobern. Ausgeschlafen, abgekühlt, vorbereitet. Hunedoara kann kommen.

Und während wir so am Ufer saßen, Markise ausgerollt, der Tisch draußen, der Sonnenschirm aufgeklappt, kein Mensch weit und breit – da war es genau das: der Platz, den ich mir immer gewünscht hatte. Absolut naturnah, direkt am Wasser, ohne Vorschriften, ohne Campingplatzetikette. Freiheit pur. Einfach wunderschön.

Am nächsten Morgen sollte es dann mit dem Wohnmobil wirklich nach Hunedoara gehen – zur Burg Corvin in Rumänien. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Wildcampen in Rumänien – Koordinaten

Ruhig am Fluss Strei in Siebenbürgen

Für alle, die den Platz selbst ansteuern möchten: Koordinaten 45.815126, 23.036510. Direkt am Fluss, ruhig gelegen, mit etwas holpriger Zufahrt – aber ideal für eine entspannte Nacht in der Natur. Perfekt für alle, die Ruhe suchen und ein Stück echtes Rumänien erleben wollen.

Habt ihr selbst schon in Rumänien mit dem Wohnmobil übernachtet?

Teilt eure schönsten Plätze, Tipps und Erfahrungen unten in den Kommentaren – vielleicht entsteht hier eine kleine Sammlung, von der alle profitieren können.

Wildcampen in Rumänien

Für uns ist Wildcampen in Rumänien längst nicht mehr nur dieser eine Platz am Strei. Wir standen inzwischen direkt an der Donau bei Maglavit, am Schwarzen Meer, an der Turda-Schlucht, nahe der Jugendstilstadt Oradea und am Stausee Crestur bei Abrămuț. Jeder dieser Plätze war völlig anders – vom Flussufer über Berge bis zur Schwarzmeerküste.

Trotzdem haben wir überall eine ähnliche Erfahrung gemacht: Wer seinen Platz vernünftig auswählt, niemanden stört und sich respektvoll verhält, kann in Rumänien erstaunlich entspannt frei stehen. Mittlerweile kann ich sagen: Einen guten Platz findet man eigentlich immer – und genau diese Freiheit gehört für mich zu den schönsten Seiten einer Reise mit dem Wohnmobil durch Rumänien.

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