Dieser Beitrag beantwortet die zentrale Frage, die sich viele vor ihrer Reise stellen: Wie sicher ist Rumänien – besonders mit dem Wohnmobil? Statt Mythen oder Schönfärberei findest du hier eine sachliche Einordnung zu Kriminalität, Einbruchrisiko, Wildcampen, Straßenverhältnissen, Polizei, Gesundheitsversorgung und Naturgefahren. Du erfährst, wo reale Risiken liegen – und wo Vorurteile überholt sind.
Rumänien – zwischen Faszination und Unsicherheit
Rumänien löst bei vielen Menschen zwei sehr unterschiedliche Reaktionen aus: auf der einen Seite Faszination – wegen der wilden Landschaften, der Karpaten, der historischen Städte und der Weite, die man in Mitteleuropa kaum noch findet – und auf der anderen Seite Unsicherheit, gespeist aus alten Bildern, Schlagzeilen und Vorurteilen, die sich hartnäckig halten, obwohl sie mit der heutigen Realität oft nur noch wenig zu tun haben.
Gerade wenn es mit dem Wohnmobil Richtung Osteuropa geht, tauchen Fragen auf: Ist das sicher? Wie ist die Kriminalität? Kann ich dort frei stehen? Wie reagieren Polizei und Behörden? Ist das etwas für Familien? Und was ist mit Bären?
Zeit für eine nüchterne Einordnung.
Kriminalität – realistisch eingeordnet
In Städten wie Brașov, Sibiu, Cluj-Napoca oder Bukarest bewegst du dich grundsätzlich sicher. Gewaltkriminalität gegenüber Touristen ist selten. Wie in anderen europäischen Metropolen gibt es jedoch typische Gelegenheitsdelikte:
- Taschendiebstähle in belebten Bereichen
- überteuerte Taxiangebote ohne korrektes Taxameter
- Diebstahl offen sichtbarer Wertgegenstände
Das unterscheidet sich kaum von Rom, Barcelona oder Berlin. Entscheidend ist die Einordnung: Rumänien ist kein Land mit gezielter Camper-Kriminalität und keine Region mit systematischen „Wohnmobil-Banden“. Probleme entstehen – wie überall in Europa – in erster Linie durch Gelegenheit.
Im internationalen Vergleich zeigt der Numbeo Crime Index eine etwas geringere wahrgenommene Kriminalität in Rumänien (ca. 32,8 – „Low“) als in Deutschland (ca. 38,4 – „Moderate“). Auch auf Stadtebene liegen Bukarest (ca. 28–29) und Sibiu (ca. 26,9) im niedrigen Bereich, während Berlin mit etwa 44,5 höher eingestuft wird. Insgesamt bewegen sich sowohl Deutschland als auch Rumänien im europäischen Vergleich auf einem moderaten bis niedrigen Kriminalitätsniveau, wobei Rumänien in der Wahrnehmung leicht sicherer erscheint. Quellen: Numbeo Crime Index 2026; Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Deutschland.
Wohnmobil & Einbruch – wie real ist das Risiko in Rumänien?
Ein Wohnmobil ist in Rumänien nicht grundsätzlich unsicherer als in vielen Regionen Süd- oder Westeuropas. Besonders in ländlichen Gegenden berichten viele von einem entspannten Sicherheitsgefühl.
Wie überall gilt jedoch: Stadt ist nicht gleich Land. In Großstädten oder touristischen Hotspots ist Aufmerksamkeit wichtiger als im abgelegenen Tal am Fluss. Einbrüche passieren statistisch eher:
- auf Autobahnparkplätzen
- in Ballungsräumen
- auf stark frequentierten, anonymen Stellplätzen
Nicht tief im Wald.
Sinnvoll sind einfache Maßnahmen:
- keine Wertsachen sichtbar liegen lassen
- Fahrräder und Außeninventar sichern
- bei längerer Abwesenheit beleuchtete oder bewachte Parkplätze nutzen
- nicht unnötig versteckt, aber auch nicht provozierend exponiert stehen
- Fenster, Dachluken und Aufbautüren konsequent verschließen
- eine einfache Alarmanlage oder ein zusätzliches Türsicherungssystem nutzen
Eine Alarmanlage kann aber abschreckend wirken. Oft reicht es schon, potenziellen Gelegenheitstätern zu signalisieren, dass ein Fahrzeug nicht leicht zugänglich ist.
Rumänien ist kein Einbruchs-Hotspot. Aber ein Camper bleibt ein Fahrzeug mit Wert – und Sicherheit entsteht nicht durch Angst, sondern durch kluge Platzwahl und normales Verantwortungsbewusstsein.
Wildcampen in Rumänien – Risiko oder Freiheit?
Rumänien ist eines der wenigen Länder Europas, in denen freies Stehen vielerorts toleriert wird – außerhalb von Schutzgebieten und ausdrücklich verbotenen Zonen. Gerade im Apuseni-Gebirge, entlang der Transfăgărășan oder in der Region um Sibiu findest du zahlreiche naturnahe Plätze, an Flüssen, auf Wiesen oder am Waldrand.
Das reale Risiko beim Wildcampen ist dabei in der Regel nicht Kriminalität. Es sind vielmehr Faktoren, die mit Natur und Infrastruktur zu tun haben:
- Einsamkeit ohne Mobilfunkempfang
- schlechte oder steile Zufahrtswege
- plötzliche Wetterumschwünge in den Bergen
- und Wildtiere
Was viele unterschätzen: Die Rumänen selbst sind sehr gern draußen unterwegs. Sobald es wärmer wird und der Sommer beginnt, werden Seen, Flussufer und Waldlichtungen zu beliebten Treffpunkten. Besonders an Wochenenden kann es dort deutlich voller werden. Viele Einheimische sind mit Wohnwagen unterwegs oder verbringen mit Familie und Freunden ganze Tage beim Grillen und Picknicken am Wasser. Rumänien ist kein leeres Land – die Menschen nutzen ihre Natur intensiv.
Wer unter der Woche abgelegen steht, hat oft seine Ruhe. Wer am Wochenende an einem schönen See parkt, sollte damit rechnen, dass auch Einheimische diesen Platz schätzen. Insgesamt gilt jedoch: Wer respektvoll parkt, keinen Müll hinterlässt und sich umsichtig verhält, steht in ländlichen Regionen oft sicherer als mitten in einer Großstadt.
Gefahr Natur – Wildtiere in Rumänien
Rumänien verfügt über eine der größten Braunbärenpopulationen Europas – besonders in den Karpaten entlang der Transfăgărășan. Der tragische Vorfall im Sommer 2024 macht deutlich: Gefährlich ist nicht das Tier, sondern falsches Verhalten. Ein 25-jähriger Tourist hielt an, stieg aus und näherte sich dem Bären bis auf sehr kurze Distanz – so nah, dass er sich direkt in dessen Reaktionsradius begab. Der Bär griff an, schleifte ihn einen steilen Hang hinunter; der Mann starb später an seinen Verletzungen, das Tier wurde anschließend erschossen.
Das war kein zufälliger Waldangriff, sondern eine massive Fehleinschätzung. Ein ausgewachsener Karpaten-Braunbär wiegt meist 150 bis 250 Kilogramm, einzelne Tiere deutlich mehr, und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 50–60 km/h. Träge wirken sie nur – sie sind es nicht.
Im Bärengebiet gilt deshalb: im Fahrzeug bleiben, nicht füttern, nicht aussteigen, mindestens 50–100 Meter Abstand halten, keine Essensreste hinterlassen und niemals für ein Foto Distanz unterschreiten. Begegnet dir ein Bär zu Fuß: ruhig bleiben, nicht rennen, nicht schreien, langsam Distanz vergrößern und dem Tier Raum geben.
Zusätzlich relevant sind Hirtenhunde, die ihre Herden konsequent verteidigen – hier helfen Ruhe und Abstand. Auch Wildschweine oder frei laufende Hunde können vorkommen; ernsthafte Zwischenfälle sind insgesamt selten. Entscheidend ist Respekt: Natur ist Lebensraum, keine Selfie-Kulisse.
Straßenverhältnisse – das echte Risiko
In Siebenbürgen wartet man an der Ampel, bis sie grün wird. In der Walachei schaut man, ob tatsächlich ein Auto kommt. So lautet eine Anekdote, die man in Rumänien öfter hört – und sie ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Regionale Unterschiede im Fahrstil sind spürbar. Während in Siebenbürgen meist eher regelkonform gefahren wird, gilt der Stil im stärker balkanisch geprägten Süden als temperamentvoller.
Das bedeutet nicht, dass Chaos herrscht. Aber man sollte sich mental darauf einstellen, dass im Straßenverkehr nicht alles so berechenbar abläuft wie in Deutschland. Auf Landstraßen wird zügig überholt, und es kann jederzeit etwas auftauchen, womit man nicht rechnet: ein Pferdekarren, freilaufende Hunde, Wildtiere in der Dämmerung oder plötzlich unebene Abschnitte. Aufmerksamkeit ist hier wichtiger als das starre Vertrauen auf Vorfahrtsregeln.
Wenn man statistisch ehrlich ist, dann ist in Rumänien nicht die Kriminalität das größte Sicherheitsrisiko, sondern der Straßenverkehr.
Meine persönliche Erfahrung: Ich hatte bislang keine ernsthaften Probleme. Im Gegenteil – viele Straßen sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Hauptverbindungen und zahlreiche Landstraßen befinden sich heute in einem Zustand, den man so vielleicht nicht erwarten würde.
Wichtig ist jedoch eines: Wenn eine asphaltierte Straße plötzlich in einen Feld- oder Waldweg übergeht und sich nach 100 Metern nicht verbessert, sollte man ernsthaft über Umkehren nachdenken – besonders ohne Allradantrieb. Ich habe diese Erfahrung auf der Strecke von Hateg nach Maglavit gemacht. Seitdem weiß ich: Nicht jeder Routenvorschlag von Google Maps ist eine gute Idee.
Autobahnen sind modern ausgebaut, aber längst nicht flächendeckend vorhanden. Wer längere Strecken plant, sollte Zeitpuffer einrechnen und defensiv fahren. Aufmerksamkeit und vorausschauendes Verhalten sind hier wichtiger als jede Alarmanlage am Fahrzeug.
Wichtig ist außerdem die digitale Vignette, die sogenannte Rovinieta. Sie muss vor oder unmittelbar nach der Einreise online gekauft werden und wird elektronisch über das Kennzeichen kontrolliert. Wer hier unachtsam ist, riskiert unnötige Bußgelder. Alle Details dazu findest du im separaten Beitrag: Rumänien Vignette: Was du wissen musst, bevor es teuer wird.
Korruption in Rumänien – noch ein Thema?
Rumänien hat in den letzten 15 Jahren spürbar aufgeholt, auch was Transparenz und Verwaltung betrifft. Die Zeiten offener Straßenkorruption, bei der Touristen bei Verkehrskontrollen „bar“ etwas regeln sollten, sind weitgehend vorbei. Als Reisender wirst du in der Regel keinerlei Probleme in dieser Richtung erleben. Ja, es gibt auf politischer Ebene weiterhin Diskussionen über strukturelle Korruption – wie in vielen anderen europäischen Ländern auch. Nein, du wirst nicht an jeder Straßenecke „abgezogen“. Für Wohnmobilreisende spielt Korruption im Alltag faktisch keine relevante Rolle.
Polizei – wie reagieren Behörden?
Die Polizei in Rumänien ist sichtbar, aber in der Regel sachlich und professionell. Verkehrskontrollen sind normal und dienen meist Routineprüfungen. Entscheidend ist, selbst ruhig und vorbereitet zu bleiben.
Wichtig ist:
- Fahrzeugpapiere griffbereit haben
- gültige Rovinieta (Vignette) nachweisen können
- keine Diskussionen auf Basis von Halbwissen beginnen
Rumänien ist EU-Mitglied, rechtsstaatliche Standards gelten. Der europaweite Notruf ist 112.
Ich hatte selbst einmal eine Situation, in der ich Unterstützung brauchte. Der Notruf funktionierte problemlos, ich wurde sogar bis zur Leitstelle in Frankfurt am Main durchgestellt, konnte mein Anliegen schildern, und die rumänische Polizei vor Ort reagierte ruhig, strukturiert und professionell. Die Erfahrung war durchweg positiv und hat mein Vertrauen in die Abläufe deutlich gestärkt.
Wer respektvoll auftritt und vorbereitet ist, wird in Rumänien in aller Regel ebenso respektvoll behandelt.
Gesundheit & ärztliche Versorgung
Das rumänische Gesundheitssystem entspricht grundsätzlich europäischen Standards, unterscheidet sich jedoch regional in Ausstattung und Komfort. Staatliche Krankenhäuser gewährleisten die Grundversorgung, während viele Reisende bei Bedarf private Zentren wie MedLife, Regina Maria, Sanador oder Medsana in größeren Städten nutzen. Dort erhält man häufig kurzfristig einen Termin, oft auch bei englischsprachigen Ärzten. Die Kosten für eine fachärztliche Untersuchung liegen meist zwischen 150 und 300 Ron.
Wichtig ist, neben der Rechnung auch einen medizinischen Bericht („Raport Medical“) ausstellen zu lassen, um Erstattungen bei der eigenen Versicherung geltend machen zu können. Vor der Reise sollte geprüft werden, welche Leistungen die eigene Krankenversicherung übernimmt; eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung ist empfehlenswert.
Alleinreisende – speziell Frauen
Viele alleinreisende Frauen berichten aus Rumänien von positiven Erfahrungen, besonders in ländlichen Regionen und kleineren Städten. Die Menschen gelten als offen, neugierig und hilfsbereit – nicht aufdringlich.
In Großstädten gilt dasselbe Maß an Aufmerksamkeit wie überall in Europa: belebte Plätze sind sicherer als dunkle Nebenstraßen, Wertsachen gehören nicht offen sichtbar getragen, und gesunder Menschenverstand bleibt der beste Begleiter.
Rumänien ist für Solo-Reisende nicht „gefährlicher“ als andere südeuropäische Staaten. Wer bewusst reist, Situationen einschätzen kann und sich nicht unnötig exponiert, wird das Land in der Regel als entspannt und sicher erleben.
Familien mit Kindern
Rumänien ist überraschend familienfreundlich: wenig Massentourismus, viel Natur und offene, neugierige Menschen schaffen ein entspanntes Umfeld, in dem Kinder willkommen sind. Statt überfüllter Freizeitparks gibt es Wälder, Flüsse, Berge und weite Landschaften zum Entdecken. Das größere Risiko für Kinder ist dabei nicht Kriminalität, sondern die Nähe zu Tieren – etwa frei laufende Hunde oder Weidetiere – sowie ungesicherte Naturbereiche wie steile Hänge, Flussufer oder Bergstraßen. Mit normaler Aufsicht und Aufmerksamkeit lässt sich das Land jedoch sehr gut als Familie bereisen.

👉 Hinweis am Wegesrand
4 Tipps für sichere Wohnmobiltouren in Rumänien
1. Vor der Einreise:
- Rovinieta (digitale Vignette) online buchen
- Fahrzeugpapiere griffbereit
- Auslandskrankenversicherung prüfen
- Grüne Versicherungskarte mitführen
- Impfstatus überprüfen (empfohlen: Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt ggf. Hepatitis B, FSME, Tollwut)
2. Beim Freistehen:
- Abstand zu Straßen und Tierwechseln
- Keine Essensreste draußen lagern
- Wochenendaufkommen am Schwarzen Meer, Seen und Flüssen berücksichtigen
- Zufahrtswege auf Regen- und Bodenverhältnisse prüfen
3. In Städten:
- Beleuchtete oder bewachte Parkplätze nutzen
- Wertsachen nicht sichtbar lagern
- Keine unnötige Präsentation teurer Technik
4. Im Bärengebiet:
- Im Fahrzeug bleiben
- Mindestens 50–100 m Abstand
- Nicht füttern
- Keine Selfie-Annäherung
Wichtige Kontakte für den Notfall in Rumänien
Im Ernstfall gilt europaweit der Notruf 112. Weitere offizielle Informationen findest du bei der Deutschen Botschaft in Bukarest sowie bei der Rumänischen Botschaft in Berlin.
Fazit: Wie sicher ist Rumänien? – Zwischen Mythos und Realität
Rumänien ist kein unsicheres Land – aber es ist auch kein Freizeitpark, in dem jede Situation automatisch kontrolliert und abgesichert ist. Die größten Risiken entstehen nicht durch organisierte Banden, sondern durch Unvernunft, durch den Straßenverkehr und durch die Kraft der Natur. Wer das Land mit Respekt, Aufmerksamkeit und gesundem Menschenverstand bereist, wird in der Regel feststellen, dass die Realität deutlich entspannter ist als viele der alten Mythen.
Ganz persönlich: Ich habe mich in Rumänien durchgehend sicher gefühlt. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ein Stellplatz „gefährlich“ sein könnte – weder in Städten noch beim Freistehen in der Natur. Dieses unterschwellige Misstrauen, das man in manchen Regionen Westeuropas manchmal mitdenkt, hatte ich dort nicht. Im Gegenteil: Mein Eindruck war eher, dass ich mich stellenweise entspannter und sicherer bewegt habe als in manchen Teilen Deutschlands. Das ist meine persönliche Erfahrung – und sie hat mein Bild von Rumänien nachhaltig verändert.
Rumänien mit dem Wohnmobil selbst erleben – aber nicht allein?
Genau deshalb fahre ich diese Routen selbst – und biete sie in kleinen Gruppen an. Wer Rumänien strukturiert, sicher und mit Ortskenntnis erleben möchte, findet hier alle Informationen zur geführten Wohnmobilreise durch Rumänien.
Hinterlasse einen Kommentar