Eine Nacht, vier Länder – und die Vorfreude auf Freiheit. Von Zakopane ziehen wir los, durch Slowakei und Ungarn, bis wir in Rumänien an einem abgelegenen Stausee ankommen. Ein Reisebericht voller Eindrücke – und unsere ersten Erfahrungen beim Wildcampen. Unterwegs heißt es: Strecke machen, Grenzenüberquerungen meistern, Natur genießen – und beim Abendlicht am Wasser den Tag Ausklingen lassen.
Eine Nacht, 4 Länder und eine Portion Schlemmerwurst
Schluss mit Zakopane – Start ins Wildcamping-Abenteuer
Zakopane, später Abend. Wir sind müde, richtig müde. Der Tag in Auschwitz hing uns noch nach – körperlich und im Kopf. Gegen neun fielen wir ins Bett. Ich dachte: endlich Ruhe. Doch um eins tuckerte plötzlich ein Auto neben uns, und ich war hellwach.
In diesem Moment wusste ich: Ich will dahin, wo man einfach stehen kann, ohne ständig nach Schildern oder Genehmigungen zu suchen. Über Rumänien hatte ich viel gehört: Camper willkommen, solange man Natur und Platz respektiert. Keine Parkplatzlotterie wie in den Alpen, kein „Darf man hier überhaupt?“. Einfach hinstellen, Füße hoch, fertig.
Dazu kam die Erinnerung an gestern, den Freitag: Zakopane im Dauerstau. Schrittgeschwindigkeit durch die Stadt, das Gefühl, die Stoßstange des Vordermanns besser kennenzulernen als die Landschaft. So wollte ich nicht ins Wochenende starten. Also: Bruch mit Zakopane – vielleicht irgendwann mal in Ruhe besuchen, aber jetzt nichts wie raus. Ziel: Rumänien.

Nachtfahrt mit Nervenkitzel – die 3-Meter-Brücke von Łysa Polana
Der bekannteste Grenzübergang bei Zakopane ist Łysa Polana – Tatranská Javorina. Dort geht’s über eine schmale Brücke über den Fluss Białka/Belá. Einspurig, Höhenbegrenzung drei Meter. Von der slowakischen Seite klar ausgeschildert, von der polnischen Seite kaum erkennbar – ideal also für einen kleinen Adrenalinkick im Camper.
Wir selbst passierten genau hier mitten in der Nacht. Pius verschwand im Schlafsitz-Modus, ich startete den Motor. Keine Stunde später standen wir vor dem Grenzübergang. Also anhalten, aussteigen, Maß nehmen – drei Meter. Passt. Gerade so. Hoffentlich hatte ich mich nicht vermessen.
Ein paar Kilometer weiter: Tankstelle. Ein Kaffee, eine Schlemmerwurst mit pikanter Soße – das Red Bull der Landstraße. Danach rollten wir weiter, bis wir gegen halb vier eine geschlossene Tankstelle fanden. Ruhiger Parkplatz, leicht beleuchtet, irgendwo dudelte noch Musik aus einem Automaten. Perfekt für ein paar Stunden Schlaf, bis um halb acht die Sonne durchs Fenster blinzelte.
Etwas weiter östlich gäbe es noch den Übergang Jurgów – Podspády. Auch dort quert man die Białka, aber ohne Höhenlimit. Für Camper die entspanntere Variante – doch uns reichte der Nervenkitzel von Łysa Polana.

👉 Hinweis am Wegesrand
Mit dem Camper über die Grenze von Polen in die Slowakei
Kurz gesagt: Łysa Polana – direkter, enger, riskanter. Jurgów – Podspády – unspektakulär, dafür stressfreier.

Vignettenroulette bei Bretejovce – Tunnel rein, Kasse raus
Am Morgen ging es weiter Richtung Autobahn bei Bretejovce. Erst das Schild: „E-Vignette Euro durchgestrichen“ – frei befahrbar. Juhu! Dann ein Tunnel. Und direkt danach: „E-Vignette Euro“. Huch. Also doch nicht frei. Und ich hatte keine.
Herzschlag kurz auf Rennpuls, innere Bilder von Strafzetteln in der Größe slowakischer Tapetenrollen. Doch Glück gehabt: Keine 500 Meter später eine Tankstelle – als hätte sie nur auf mein schlechtes Gewissen gewartet. Erste slowakische E-Vignette gekauft.
Das Ganze war überraschend simpel: kein Aufkleben, kein Kratzen, kein Gefummel mit Scheibenreiniger. Einfach Kennzeichen registrieren – fertig. Für mich Neuland, aber genial. Nächste Abfahrt runter, gewendet, wieder rauf – und schon lief’s entspannt weiter Richtung
Košice: Pools im Asphalt und Gratis-Bandscheibentest
Kurz danach Košice. Auf der Karte versprach die Straße Autobahnkomfort. In echt: Stadtverkehr auf einer Piste, die auch als Teststrecke für Stoßdämpfer hätte durchgehen können. Vorher noch Asphalt wie glattgebügelte Servietten, jetzt Schlaglöcher in Poolgröße.
Und zwar nicht Planschbecken im Vorgartenformat, sondern diese Riesendinger aus dem Baumarkt: anderthalb Meter Durchmesser, dreißig Zentimeter tief. Einmal rein, einmal raus – und der Camper fühlt sich wie ein Trampolin. Abenteuer gratis, Bandscheibentest inklusive.
Kaum waren wir aus der Stadt raus, glättete sich der Asphalt wieder, als wollte Košice nur kurz fragen: „Meint ihr das mit Rumänien wirklich ernst?“

Ungarn im Schnelldurchlauf – Vignette, bitte nur zum Mitnehmen
An der ungarischen Grenze: wieder das Spiel mit der Vignette. Die Dame am Schalter versuchte es dreimal mit der 10-Tages-Version. Dreimal nein. Wir wollten ja nur durch. Am Ende zahlten wir 25 Euro. Tipp: E-Vignette vorher online kaufen – spart Zeit, Nerven und mindestens eine Runde Biergeld.
Dann ein Rutsch durch Ungarn. Kilometer um Kilometer, ohne große Verzögerung.
Mittags standen wir am rumänischen Grenzübergang. Etwas mehr Formalitäten, ein paar Fragen – aber alles entspannt. Keine zehn Minuten später waren wir durch.

👉 Hinweis am Wegesrand
Vignetten-Tipp Slowakei & Ungarn
Wenn du über die Slowakei und weiter nach Ungarn fährst, lohnt sich der Online-Kauf der e-Vignetten. So sparst du Geld, Zeit und Nerven.
Beide Portale funktionieren gleich: Fahrzeugkennzeichen eingeben, Gültigkeit auswählen, online bezahlen – sofort gültig. Bei der Kennzeichen-Eingabe: In beiden Portalen ohne Leerzeichen und Bindestriche eingeben (z. B. „SPNMU123“ statt „SPN-MU-123“).
Tipp für Wohnmobilfahrer in Ungarn
Wohnmobile bis 3,5 t Gesamtgewicht (Klasse M1/M1G, Feld S.1 max. 7 Sitze) gehören in die Kategorie D1.
Ungarn: 24-Stunden-Vignette → 5.320 HUF ≈ 13,50 € (Stand 2025)
Drittanbieter: teils über 24 € → ca. 11 € mehr
Bei den Vignetten lohnt es sich genau hinzusehen. Sowohl in der Slowakei als auch in Ungarn gilt: Eine Tagesvignette läuft nicht volle 24 Stunden ab Kauf, sondern immer nur bis 23:59 Uhr desselben Kalendertages. Wer also morgens um 10:15 Uhr bucht, fährt abends nicht bis 10:15 Uhr des Folgetages, sondern muss pünktlich um Mitternacht fertig sein (also eine Sekunde davor 😉).
Rumänien ruft – erste Meter, andere Welt
Wir folgten der E48, verließen bald die Autobahn Richtung Târcea. Noch ein kurzer Stopp auf einem Rastplatz: Müll wegbringen (ging problemlos) und eine kleine Notdurft-Pause. Danach war sofort klar: Hier tickt das Leben anders. Schlichter, einfacher, stärker geprägt von Selbstversorgung. Schon am Straßenrand sah man Menschen, die Obst, Gemüse oder Honig verkauften – direkt aus dem eigenen Garten.
Müllsack statt Campingstuhl – unser Einzug am See
Keine zehn Minuten nach der Grenze entdeckte ich im Rückspiegel einen kleinen See. Navi: rechts abbiegen. Feldweg. Egal. Wir fuhren rein, fanden ein verstecktes Plätzchen – leider inklusive Müllhaufen.



Also kurzer Arbeitseinsatz: Handschuhe übergestreift, Mülltüten raus, und eine Stunde später sah es wieder ordentlich aus. Danach Markise raus, Tisch aufstellen – und kochen. Scampi mit Spaghetti, diesmal aufgepimpt mit Schinkenspeck und Oliven. Wer sagt, Camper-Essen muss langweilig sein?

Wenn die Verdunklung im Cockpit den Notruf auslöst
Als wir die Frontscheiben mit den Thermomatten abdunkelten – Rumänien kann auch im Spätnachmittag erstaunlich warm sein –, rutschte Pius aus Versehen an die rote SOS-Taste im Dachhimmel. Ein leises Klick, kurze Stille, und plötzlich sprach eine Stimme in unseren Camper hinein, so glasklar, als säße jemand hinter dem Beifahrersitz.
Für einen Moment waren wir beide wie angewurzelt – wer redet da, und warum weiß er, wo wir stehen? Sekunden später wurde klar: Fehlauslösung. Entwarnung. Wir erklärten der Dame am anderen Ende, dass wir weder abgestürzt noch verschwunden, sondern nur ungeschickt mit der Matte hantiert hatten. Ein kurzes Lachen, ein freundliches „Alles gut, schönen Abend noch“ – und schon war die Leitung wieder stumm. Wenn wir bis dahin Zweifel hatten, ob die Notfalltechnik im Grand California wirklich funktioniert: Ja, tut sie. Und wie.
Der erste Test: Mondaufgang, Grillenkonzert und Camper-Zauber
Der Abend war ruhig und warm, der perfekte Kontrast zu einer Nacht, die in Polen begann und uns über vier Länder bis hierher führte. Zum ersten Mal konnte ich testen, ob das Rumänien – Wildcampen – Versprechen hält: frei stehen, Natur respektieren, einfach genießen.
Später ein Rascheln im Schilf – klang wie Wind, war aber nur Vögel, die sich zur Nachtruhe niederließen. Kurz darauf Stille. Und dann, fast wie bestellt: der Mond ging auf. Direkt im Blick, wenn ich aus den hinteren Fenstern schaute. Fenster angekippt, Grillen zirpten – und ich schlief irgendwann mit einem Lächeln ein.
Unterm Strich: Wir waren gegen eins in Zakopane gestartet, mittags in Rumänien angekommen, hatten unterwegs noch geschlafen, ein paar Stopps eingelegt und am Ende rund 500 Kilometer zurückgelegt. Für die nächste Etappe unserer Osteuropareise – der Weg ist das Ziel – passte das perfekt: ein ordentliches Stück Strecke geschafft, ein Stück Rumänien erlebt und der Beweis, dass das Versprechen gehalten wird.

Der See selbst – der Acumularea Crestur, ein kleiner Stausee unweit von Târcea im Westen Rumäniens – war eigentlich fest in Anglerhand. Kein touristischer Hotspot, sondern das Wohnzimmer der örtlichen Petrijünger. Mit unserem kleinen Fleckchen Erde hatten wir schlicht Glück, noch einen Platz zwischen Ruten und Klappstühlen zu ergattern. Weniger schön: Am Ufer lag auch einiges herum, das wohl nicht wieder den Weg zurück ins Auto gefunden hatte – in Osteuropa kein seltener Anblick. Aber egal: unser Stellplatz war Gold wert.

Und dann dieser Moment: Der Mond kletterte langsam über den See, als hätte er sich extra einen Termin im Kalender freigehalten, nur um uns zu begrüßen. Das Fenster stand angekippt, Grillen gaben ihr Konzert – und wir wussten: Unser Reise hatte gerade einen weiteren Zauber entfaltet – und am nächsten Tag wartete schon der nächste Höhepunkt: ein Platz am Fluss Strei, wo Natur und Ruhe ein neues Wildcamping – Kapitel aufschlugen.



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