Ein spontaner Frühlingsausflug führte uns an die Zschopau zur Burg Kriebstein – eine Ritterburg wie aus dem Bilderbuch…
Aufbruch ins Blaue
Es gibt Tage, da braucht man einfach nur Sonne, einen gepackten Camper – und eine Idee. An einem solchen Tag im März 2025 haben wir – Papa (Mario) und Sohn (Pius) – kurzerhand alles stehen und liegen gelassen und sind losgefahren. Einfach raus, dem Alltag entfliehen, etwas Neues entdecken. Unser Ziel: die märchenhafte Burg Kriebstein in Sachsen.
Mit unserem VW Grand California wollten wir nicht nur ein Stück Geschichte erkunden, sondern auch ein paar unvergessliche Vater-Sohn-Momente sammeln. Und wie so oft beginnt das Abenteuer genau dann, wenn man es am wenigsten plant… Der Weg ist das Ziel.
Am vorletzten Märzwochenende 2025 haben wir spontan beschlossen, zur Burg Kriebstein aufzubrechen. Das Wetter meinte es gut mit uns: strahlender Sonnenschein und frühlingshafte 16 Grad. Der Camper war schnell gepackt, die Einkäufe erledigt – wobei der volle Kühlschrank eher nach einer Weltreise aussah. Geplant waren aber nur ein paar Tage – vielleicht vier bis sechs.
Am frühen Nachmittag ging’s los: Vom südlichen Brandenburg aus fuhren wir Richtung Sachsen. Über die A13 und A4 führte uns die Route bis nahe Chemnitz. Bei Mittweida verließen wir die Autobahn und machten einen kurzen Stopp bei der bekannten Restaurant zur der goldenen Möwe. Nach rund einer Stunde und vierzig Minuten erreichten wir schließlich unser Ziel: die Burg Kriebstein.
Ankommen & erste Entdeckungen
Direkt vor der Burg gibt es einen Parkplatz – und dort erwartete uns eine nette Überraschung. Zwei junge Männer winkten uns heran und überreichten uns ihren noch gültigen Parkschein (bis zum nächsten Tag, 13 Uhr). Sie waren gerade im Aufbruch, und wir sparten damit 6 Euro – danke nochmal an die beiden! Der Parkplatz bietet ausreichend Platz, und so machten wir uns gleich auf, die Umgebung zu erkunden.
Pius war sofort fasziniert von dem großen Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite – heute eine verlassene, eingezäunte Ruine mit dem Schild „Betreten verboten“. Unser Camper stand mit direktem Blick auf diesen Lost Place – einst sicherlich ein repräsentativer Wohnsitz, nun eine stumme Zeugin vergangener Zeiten.

Es handelt sich um die Villa Linquenda, die ehemalige Fabrikantenvilla der Papierfabrikanten Kübler & Niethammer, die direkt an der Kriebsteiner Papierfabrik lag. „Linquenda“ – das bedeutet auf Latein etwa „die zu Verlassende“. Und genau so wirkte sie: verwunschen, dem Verfall preisgegeben, von der Geschichte gestreift. Seit 2004 steht sie leer. Unter Denkmalschutz – aber längst nicht mehr unter Aufsicht.
Ein Haus, das Fragen stellt, ohne Antworten zu geben. Und gleichzeitig ein skurriler, beinahe filmreifer Auftakt für unser kleines Abenteuer.
Zwischen Burg, Brücke und Talsperre
Unser Spaziergang führte uns an der eindrucksvollen Burg Kriebstein vorbei, über eine kleine Fußgängerbrücke über die Zschopau. Das Wehr dort reguliert den Wasserstand und Abfluss des Flusses. Die Burg selbst thront auf einem markanten Felssporn aus Granulit – einem besonders widerstandsfähigen Gestein, das hauptsächlich aus Feldspat und Quarz besteht und die Landschaft rund um die Burg prägt.
Die Eroberung der Burg war leider nicht möglich – nicht etwa, weil unsere Streitmacht zu klein gewesen wäre, sondern weil die Tore erst am 1. April wieder geöffnet werden.

Kleiner Einschub für alle, die es ganz genau wissen wollen
Die Burg Kriebstein ist nicht etwa ein historisches Filmset oder eine Mittelalter-Attrappe für Instagram – auch wenn sie genauso aussieht. Nein, sie ist echt. Richtig alt. Richtig sächsisch. Und sie thront ziemlich fotogen auf einem Felsen über der Zschopau, als hätte ein Landschaftsarchitekt damals gesagt: „Na wenn schon Ritterburg, dann aber mit Aussicht.“
Innen gibt’s gotische Räume, eine Folterkammer (natürlich!) und sogar Führungen – alles von April bis Oktober.
Und wer keine Lust auf Geschichte, Führungen oder Folterinstrumente hat, stellt sich einfach mit einem Eis ans Burgtor und tut so, als hätte er den Ort gerade eben selbst entdeckt – ganz ohne Wanderkarte, ohne Navi, einfach mit Instinkt und Abenteuergeist.
Hashtag: #Erster/mit/Eis.
Wir wanderten weiter in Richtung Talsperre Kriebstein. Die Staumauer ist 28 Meter hoch, der See etwa 9 Kilometer lang. Die Talsperre – oder auch Kriebsteinsee – ist die größte an der Zschopau und ein beliebtes Ausflugsziel, das im Sommer zum Baden einlädt.

Unerwartete Begegnung am Wegesrand
Manchmal sind es nicht die Burgen oder Aussichtspunkte, die einem in Erinnerung bleiben – sondern Horst.
Horst krabbelte uns am Rande des Wanderwegs entgegen, als wäre er der Platzwart persönlich. Groß, glänzend, bedächtig – und mit einer Aura, die irgendwo zwischen „Naturwunder“ und „Finger weg!“ pendelte.
Was viele nicht wissen: Horst gehört zur Familie der Ölkäfer. Und obwohl er harmlos aussieht (und wir ihn natürlich nicht angefasst haben), hat er es faustdick hinter den Flügeldecken. Sobald er sich bedroht fühlt, sondern seine Gelenke ein gelbes Sekret ab – Cantharidin. Klingt harmlos, sorgt aber für ordentliche Blasen auf der Haut. Kein Scherz.
Fazit: Horst ist schön. Horst ist selten. Und Horst bleibt bitte genau da, wo er ist.

Abendruhe im Camper
Nach rund zwei Stunden kehrten wir zurück zum Camper. Der Parkplatz war inzwischen fast leer. Wir stellten uns – ausnahmsweise – quer und glichen den Camper mit Auffahrkeilen aus, da der Platz insgesamt sehr abschüssig ist. Wir bereiteten alles für die Nacht vor – und gingen wenig später schlafen.
Fazit: Manchmal reicht ein Nachmittag
Ein ruhiger Abend, ein klarer Sternenhimmel – und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein. Manchmal braucht es nicht mehr als ein bisschen Sonne, einen Camper und ein gemeinsames Ziel. Burg Kriebstein war für uns nicht nur ein Ausflugsort, sondern ein kleiner Fluchtpunkt aus dem Alltag.
Frühstück, Drohne & Burgmomente
Nach einer sehr erholsamen Nacht starteten wir in den neuen Tag mit einem reichhaltigen Frühstück: frisch gekochte Eier, knusprige Brötchen, heißer Kaffee für mich und ein Ingwer-Limonentee für Pius. Danach ging es mit der Drohne und der Kameraausrüstung zurück zur Burg Kriebstein – unser Ziel: die märchenhafte Kulisse aus der Luft und vom Boden festhalten.


Wir waren früh dran und hatten das Glück, die Umgebung beinahe für uns allein zu haben. Die morgendliche Stille, gepaart mit dem leichten Nebel über der Zschopau, verlieh allem eine fast mystische Stimmung. Gegen Mittag zog Regen auf – kein Problem für uns. Wir zogen uns einfach gemütlich in den Camper zurück.
Mittag im Camper & überraschende Besucher
Mit knurrenden Mägen machten wir uns ans Kochen: Es gab Spaghetti mit Scampi, Schinkenspeck, Tomaten, Zucchini, Knoblauch, feinem Olivenöl und frisch gemahlenen Pfeffer. Pius half beim Schneiden – und ja, der Duft allein war schon ein Gedicht. Danach ruhten wir uns etwas aus.

Trotz Regen kamen immer wieder Besucher zur Burg. Viele rechneten wohl mit einer Öffnung. Deshalb hier ein kleiner Hinweis: Wir kommen auf jeden Fall wieder – nächstes Mal mit Burgführung!
Weiterfahrt nach Waldheim an der Zschopau
Am späten Nachmittag verlegten wir unseren Übernachtungsplatz im Camper nach Waldheim, nur rund drei Kilometer entfernt. Dort fanden wir einen idyllischen Parkplatz direkt an der Zschopau. Waldheim wird auch als „Perle des Zschopautals“ bezeichnet – und tatsächlich: Der Platz war ruhig, grün und doch sehr zentral.
Nur 100 Meter entfernt: ein kleines, gepflegtes Toilettenhaus. Rund um die Uhr geöffnet, sauber, und mit Kartenzahlung (0,70 €). Luxus im Kleinen!

Stadtbummel, Eis & Langzeitbelichtung
Pius hatte Lust auf ein Eis – also ging’s ins Stadtzentrum. Natürlich mit Streuseln. Wir schlenderten durch die Gassen, sahen den schönen Marktplatz und einige toll erhaltene Gebäude. Aber auch viele leerstehende Geschäfte – ein leiser Kontrast zur sonst so gepflegten Kulisse.
Am Abend wollten wir im Ratskeller essen – die Speisekarte versprach Rinderroulade mit eigener Soße, Apfelrotkohl und Seidenklößen. Doch leider: geschlossen. Sonntagabend eben. Stattdessen landeten wir in einem ganz anderen Kapitel der Stadtgeschichte.
Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt erhebt sich die Justizvollzugsanstalt Waldheim – das älteste noch betriebene Gefängnis Deutschlands. Mitten im Zentrum. Eingefasst von Mauern, bewacht und von innen beleuchtet, liegt es dort wie ein dunkler Anker inmitten der sächsischen Postkartenidylle. Wikipedia sagt: seit 1716 durchgehend in Betrieb. Der Ort wirkt wie ein Relikt – aber eben eines, das noch funktioniert. Keine Ruine, keine Gedenkstätte. Alltag hinter Gittern. Direkt neben Kopfsteinpflaster, Laternenlicht und einer geschlossenen Gaststätte mit Rinderroulade im Menü.
Und genau dort, im Schatten der Gefängnismauer, starteten wir unser kleines Abendexperiment. Der Plan war einfach: nochmal losziehen, Kamera mitnehmen, und Pius zeigen, was passiert, wenn man mit Belichtungszeit und Blende spielt. Kein großes Kino, sondern ein praktischer Fotoausflug in der blauen Stunde.

Tagesabschluss & Fazit
Zurück am Camper ließen wir den Abend in aller Ruhe ausklingen. Die Zschopau rauschte, der Regen hatte aufgehört – und nach einem letzten Blick in den Himmel zogen wir uns zurück.
Wieder einmal zeigte sich: Man braucht keine tausend Kilometer und keine perfekte Planung, um kleine Abenteuer zu erleben. Nur einen Camper, ein Ziel – und Zeit zu zweit.

👉 Hinweis am Wegesrand
Burg Kriebstein & Waldheim – Tipps
Morgens mit Blick auf die erste Lichtkante am Burgfelsen Öffnungszeiten vom 1. April bis 31. Oktober – auch während der Winterferien (Sachsen)
Übernachtungsmöglichkeit für Camper/Wohnmobile
Parkplatz Kriebstein – Koordinaten 51.04417, 13.01795 – ruhig in der Nacht, kaum Verkehr
Parkplatz Waldheim – Koordinaten 51.07475, 13.02381 – direkt an der Zschopau, mit leichtem Strömungsgluckern inklusive
Eine öffentliche Toilette (24/7 geöffnet) liegt ebenfalls in Waldheim: Koordinaten 51.07370, 13.02234 – unaufgeregt, aber sauber, Zahlung erfolgt mit EC-Karte
Und wer sich für Industriegeschichte interessiert: Die Fabrikantenvilla der Papierfabrik Kübler & Niethammer liegt gleich am anderen Ufer. Einen spannenden Artikel dazu gibt es bei Saxorum.



Hinterlasse einen Kommentar