
Anreise zu den Schlammvulkanen bei Berca
Dani und ich sitzen wieder im Wohnmobil, im Rücken verschwindet das Kloster von Curtea de Argeș, und vor uns liegen rund 300 Kilometer bis zu den Schlammvulkanen bei Berca. Ein Stück Autobahn, viel Landstraße, vorbei an Bukarest und immer weiter hinein in eine Landschaft, die sich langsam verändert. Erst eine weite Ebene, dann wieder hügelig, in der Ferne die Karpaten.
Gestartet sind wir gegen 11:30 Uhr am Fluss Argeș, angekommen gegen 16 Uhr bei Berca – genauer gesagt bei den großen Schlammvulkanen, den Pâclele Mari. Dazwischen lagen einige Stunden Fahrt – und vor allem ein ganz anderes Rumänien.
Es wurde spürbar wärmer, fast schon plötzlich. Anfang April, Ostermontag, knapp 25 Grad – T-Shirt-Wetter. Und je weiter wir uns von Bukarest entfernten, desto deutlicher wurde: Hier draußen ist das Leben ein Stück einfacher. Keine große Inszenierung, keine touristische Fassade. Eher das Gefühl, in einer Region unterwegs zu sein, die nicht viel will – außer sie selbst zu sein.
Die Straßen waren dabei weitestgehend in Ordnung, auch wenn man stellenweise wach bleiben musste. Schlaglöcher, Gegenverkehr, dazu immer wieder Situationen, die sich nicht planen lassen. Was allerdings auffiel: Es ist erstaunlich wenig Verkehr unterwegs. Und dann sind da noch die Geschwindigkeiten. Offiziell gibt es natürlich Regeln – praktisch wirken sie oft eher wie Empfehlungen. Das merkt man ziemlich schnell, wenn man ein paar Kilometer unterwegs ist.
Was dafür umso typischer ist: Pferdegespanne. Sie gehören hier ganz selbstverständlich zum Straßenbild dazu, und uns sind mehrere begegnet. Eines habe ich bei Butimanu sogar auf einem Foto festgehalten. Das wirkt im ersten Moment fast wie aus der Zeit gefallen – ist hier aber einfach Alltag. Und das nicht nur auf dem Land: Pferdegespanne begegnen einem auch immer wieder in Städten.

Gegen 16 Uhr hatten wir die Schlammvulkane bei Vulcanii Noroioși erreicht. Fünf Ron fürs Parken mit dem Wohnmobil, 4 Ron pro Person Eintritt bezahlt – und schon beim Reingehen der erste Hinweis: kein Rauchen, kein offenes Feuer. Spätestens da wird klar, dass hier mehr passiert, als man auf den ersten Blick sieht.

👉 Hinweis am Wegesrand
Schlammvulkane – Parken, Eintritt & Zeiten
Direkt vor dem Gelände der Vulcanii Noroioși gibt es einen Parkplatz – näher dran wird es nicht. Parken kostet fünf Ron, bezahlt wird separat, der Eingang liegt direkt gegenüber.
Der Eintrittspreis ist überschaubar:
- Erwachsene: 4 Ron
- Senioren: 4 Ron
- Jugendliche (inkl. Studenten): 2 Ron
- Kinder (inkl. Schüler): 1 Ron
Geöffnet ist in der Regel täglich von 8 bis 20 Uhr. In der Wintersaison wird früher geschlossen, etwa gegen 16 Uhr .
Unterm Strich: unkompliziert, günstig und ohne großen Aufwand erreichbar – genau so, wie man sich so einen Zwischenstopp eigentlich wünscht.
Koordinaten der Schlammvulkane bei Berca
Pâclele Mari (große Schlammvulkane) 45.359558, 26.713084
Pâclele Mici (kleinere, oft ruhiger) 45.339704, 26.708067
Während bei den großen Schlammvulkanen (Pâclele Mari) Eintritt erhoben wird, ist der Zugang zu den kleineren Pâclele Mici deutlich entspannter – teilweise sogar kostenlos.
Schlammvulkane hautnah erleben
Wir haben uns dem Gelände erstmal langsam genähert, sind am Rand entlanggelaufen, haben von oben nach unten geschaut, um uns einen Überblick zu verschaffen. Und dann hört man es plötzlich: blubb… blubb… blubb blubb. Erst vereinzelt, dann immer wieder. Kein großes Spektakel, eher leise – aber genau das macht neugierig.
Was sich vor uns ausbreitet, wirkt fast wie eine kleine Mondlandschaft. Grau, trocken, auf den ersten Blick leblos – und dann doch voller Struktur. Der Boden ist von unzähligen Furchen durchzogen, wie Wellen oder Ablagerungen, die sich nebeneinander gelegt haben. Rillen, die sich über die Fläche ziehen, sich verzweigen, wieder zusammenlaufen. Dazwischen kleine Krater, aus denen es immer wieder blubbert. Nichts Dramatisches – aber genau dieses Zusammenspiel aus Ruhe und Bewegung macht den Ort so eigen.

Und genau an diesem Punkt kommt unweigerlich die Frage auf: Was passiert hier eigentlich gerade unter der Oberfläche?
Je weiter wir reingegangen sind, desto näher kam man an diese kleinen Krater heran. Und genau dort passiert es: Das Gas steigt von unten auf, drückt sich durch den Schlamm, bildet Blasen, die sich kurz aufbauen – und dann mit einem leisen „plopp“ wieder zerfallen. Wenn man genau hinschaut, sieht man sogar das Gas selbst – nicht als Rauch, sondern als feines Flimmern über der Oberfläche. In dem Moment ist die Blase eigentlich schon „auf“, auch wenn sie noch steht.

Das ist genau dieser halbe Sekundenbruchteil, den man sonst einfach verpasst.
Was auch auffiel: Es war einiges los. Ostermontag, schönes Wetter – und plötzlich steht da eine größere Gruppe Kinder mit zwei, drei Erwachsenen, die das Ganze genauso neugierig erkunden wie wir. Kein klassischer Touristenstrom, eher so ein lebendiger Ausflug, vielleicht auch Erdkunde mitten in dieser sonst ziemlich stillen Landschaft.

👉 Hinweis am Wegesrand
Naturreservat und Schlammvulkane bei Berca
Die Gegend rund um Berca ist kein Zufallsfund, sondern seit über 100 Jahren bekannt. Entdeckt wurden die Schlammvulkane eher beiläufig: Anfang des 20. Jahrhunderts war hier ein französischer Ingenieur auf der Suche nach Erdöl – und stieß stattdessen auf dieses ungewöhnliche Naturphänomen. 1924 wurde das Gebiet schließlich unter Schutz gestellt und zum Naturreservat erklärt, das sich heute über rund 30 Quadratkilometer erstreckt.
Was hier aus dem Boden blubbert, hat seinen Ursprung tief unter der Erde. In mehreren tausend Metern Tiefe befinden sich Erdgaslager, aus denen das Gas über feine Risse und Spalten nach oben steigt. Auf dem Weg nimmt es Wasser und feinen Ton mit – und genau daraus entstehen an der Oberfläche diese kleinen Krater, die scheinbar unaufhörlich vor sich hin blubbern. Keine Lava, keine Hitze – sondern kalter Schlamm, der allein durch den Gasdruck in Bewegung gehalten wird.
Die Schlammvulkane zählen zu den aktivsten und bekanntesten in Europa. Ganz einzigartig sind sie nicht – ähnliche Erscheinungen gibt es auch in Ländern wie Aserbaidschan, Italien oder Ukraine – aber in dieser Dichte, so leicht zugänglich und auf vergleichsweise kleinem Raum, sind sie eher selten.
Und genau das macht den Ort so besonders: eine karge, fast surreal wirkende Landschaft, kaum Vegetation, graue, rissige Erde – und mittendrin diese kleinen, ständig arbeitenden „Mini-Vulkane“. Es ist kein spektakuläres Großereignis, sondern ein leises, dauerhaftes Schauspiel. Wer sich Zeit nimmt, stehen bleibt und genau hinschaut, merkt schnell: Hier arbeitet die Erde – direkt vor den eigenen Augen.
Auch wenn es ähnliche Phänomene weltweit gibt, gehören die Schlammvulkane bei Berca zu den bekanntesten und am leichtesten zugänglichen in Europa.

Schlamm statt Magma – was hier eigentlich passiert
Was hier aus dem Boden kommt, hat mit klassischen Vulkanen erstmal nicht viel zu tun. Keine Lava, kein Feuer. Stattdessen drückt Gas aus der Tiefe ein Gemisch aus Wasser, Ton und feinen Sedimenten nach oben.
Das wirkt unspektakulär – zumindest auf den ersten Blick. Kein Donnern, keine Explosionen. Aber genau das ist der Punkt: Während „echte“ Vulkane laut sind, passiert hier alles leise. Der Boden arbeitet trotzdem ununterbrochen weiter. Wer einen Moment stehen bleibt und hinschaut, merkt ziemlich schnell: Das hier ist nicht ruhig – es ist nur langsamer.
Wann sind Schlammvulkane am aktivsten
Wann die Schlammvulkane am aktivsten sind, lässt sich gar nicht so genau festlegen. Sie arbeiten im Grunde ständig – mal sichtbar, mal kaum wahrnehmbar. Nach Regen wirkt alles oft etwas lebendiger, weil mehr Wasser im Spiel ist. An warmen Tagen trocknet die Oberfläche schneller aus, dann wirkt es ruhiger, obwohl sich darunter weiter etwas bewegt.
Am deutlichsten wird es beim Stehenbleiben und Beobachten: Mal blubbert es im Sekundentakt, dann wieder passiert für einen Moment gar nichts – bis sich plötzlich wieder eine Blase durch den Schlamm drückt
Fazit: Lohnt sich der Besuch der Schlammvulkane bei Berca?
Ganz klar: Ja, sollte ein Rumänien-Reisender gesehen haben – vor allem, wenn Du gerade dabei bist, Rumänien zu entdecken.
Die Schlammvulkane sind kein klassisches Groß-Highlight, sondern ein Ort, der über die Details funktioniert. Dieses leise Blubbern, die karge, fast unwirkliche Landschaft und das permanente Arbeiten unter der Oberfläche machen den Besuch besonders – auch ohne große Inszenierung.
Wenn du in der Region unterwegs bist, lohnt sich der Abstecher in jedem Fall.
Mit etwas Planung lässt sich daraus auch mehr machen als nur ein kurzer Stopp. Die beiden Gebiete Pâclele Mari und Pâclele Mici zeigen jeweils eigene Ausprägungen der Schlammvulkane und ergänzen sich gut. Ein Besuch beider Areale lässt sich gut kombinieren und mit einer Wanderung verbinden.
Für uns war etwa eine Stunde vor Ort ausreichend. Wer mehr Zeit mitbringt, kann das Ganze entspannter angehen und die Landschaft noch etwas intensiver erkunden.
Nach knapp einer Stunde bei den Vulcanii Noroioși hieß es für uns dann Abschied nehmen. Drohne war oben, Fotos waren im Kasten – und vor uns lagen noch rund 250 Kilometer bis Constanța. Komplett Landstraße. Aber das Schwarze Meer wartete – und das war Motivation genug.
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