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Wandern in der Cheile Turzii: Die Turda-Schlucht in Rumänien erleben

Nach dem Auftakt in Oradea führte uns der nächste Tag hinein in die Landschaft des Apuseni-Gebirges – zur Cheile Turzii. Am Morgen lag noch eine frische Kühle in der Luft, während die ersten Sonnenstrahlen langsam über die bergige Landschaft zogen. Ich habe das Wohnmobil auf dem Parkplatz umgeparkt (Platz war ja noch reichlich), so dass das Solarpanel auf dem Dach möglichst viel von der Sonne mitnehmen konnte – ein kleiner Handgriff mit großer Wirkung, jedenfalls für die Batterie im Wohnmobil.

Parkplatz und Haupteingang zur Cheile Turzii Schlucht bei Turda in Rumänien
Blick auf den Parkplatz und den Einstieg in die Schlucht

Mittlerweile war auch die Parkplatzkasse besetzt, sodass wir ganz unkompliziert für die Nacht und das Parken bezahlt haben – 50 Lei (ca. 10 €). Der Platz selbst war zu diesem Zeitpunkt fast schon gespenstisch ruhig. Die beiden anderen Übernachtungsgäste waren bereits abgereist, und so gehörte uns der Morgen ganz allein.

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Zugänge zur Turda-Schlucht

Die Cheile Turzii lässt sich über zwei Hauptseiten erkunden, die sich spürbar unterscheiden. Der klassische Einstieg erfolgt über die Turda-Seite mit großem, kostenpflichtigem Parkplatz, etwas Infrastruktur und direktem Zugang in die enge Schlucht mit Brücken und gesicherten Passagen – entsprechend ist hier auch am meisten los.

Auf der gegenüberliegenden Seite bei Petreștii de Jos geht es deutlich ruhiger zu. Dort ist die Zufahrt einfacher gehalten, oft wird eher improvisiert auf Wiesen oder am Straßenrand geparkt, und der Einstieg führt zunächst durch ein offeneres Tal, bevor sich die Felsen langsam schließen. Diese Seite wirkt insgesamt ursprünglicher und weniger touristisch.

Zusätzlich gibt es mehrere Wege oberhalb der Schlucht. Diese sind teilweise deutlich anspruchsvoller, bieten dafür aber beeindruckende Ausblicke von oben in die Felsformationen. Beide Seiten lassen sich miteinander verbinden, sodass auch eine komplette Durchquerung der Schlucht von einer Seite zur anderen möglich ist.

Übersicht der Zugänge zur Tordaschlucht bei Turda und Petreștii de Jos – Kartenbasis: Microsoft Bing Maps, eigene Markierungen
Turda als Haupteingang und Petreștii de Jos als ruhiger Zugang zur Cheile Turzii – Kartenbasis: Microsoft Bing Maps, eigene Markierungen

Gefrühstückt hatten wir noch nicht. Stattdessen haben wir uns in aller Ruhe ein kleines Picknick vorbereitet: belegte Brote, etwas Gemüse, dazu ausreichend Wasser – genau das, was für eine Wanderung durch die Cheile Turzii nötig ist.

Die Sonne stand noch tief, und genau das spielte uns in die Karten. Wir wussten, dass wir die Schlucht zu dieser frühen Stunde weitestgehend für uns allein haben würden. Also sind wir los – hinein in die Stille, in die Felsen, in diesen Moment, der sich schon beim Start irgendwie besonders angefühlt hat.

Einstieg in die Cheile Turzii – Vorbereitung und erster Eindruck

Wir standen unten auf dem großen, zentralen Parkplatz. Von dort ging es zunächst vorbei an den ersten Verpflegungsmöglichkeiten – kleine Stände und Buden, an denen später am Tag ordentlich Betrieb herrscht. Essen, trinken, Snacks – alles da, was vor oder nach einer Wanderung gebraucht wird. Es ist Ostersonntag, und laut Auskunft des Parkplatzbetreibers war heute mit einem Besucheransturm zu rechnen.

Wenn du mehr Ziele und Erfahrungen aus dem Land suchst, findest du hier weitere Eindrücke und Tipps zu Rumänien.

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Parken an der Cheile Turzii

Turda-Seite (Stand April 2026)

Parkplatz unten (Haupteinstieg) Preise

  • PKW: ca. 15 Lei (ca. 3 €)
  • Wohnmobil (Autocar): ca. 100 Lei (ca. 20 €)
  • Minibus / Wohnwagen: ca. 50 Lei (ca. 10 €)
  • Motorrad: ca. 5 Lei (ca. 1€)

Wichtiger Hinweis zum Parken

  • oberer Parkplatz deutlich günstiger ca. 30 Lei (ca. 6 €)
  • ebenfalls direkter Einstieg über die Treppe in die Schlucht möglich

Parken Petreștii de Jos (ruhiger Zugang)

Am ruhigeren Zugang bei Petreștii de Jos gibt es in der Regel keine offiziellen Parkgebühren. Meist steht das Fahrzeug einfach am Straßenrand oder auf einer Wiese. Je nach genauer Stelle kann es sich allerdings um Privatgrund handeln – im Zweifel lohnt kurz nachzufragen.

Ich selbst bin bisher noch nicht über diesen Zugang in die Schlucht gewandert – das steht aber definitiv noch auf meiner Liste. Wenn du dort schon unterwegs warst, schreib gern deine Erfahrungen in die Kommentare. Gerade Infos zu Parken, Zugang und den Bedingungen vor Ort helfen auch anderen weiter.

Wir sind dann die Straße noch ein Stück weiter nach oben gelaufen. Und genau hier kommt ein kleiner, aber durchaus wichtiger Hinweis: Auch weiter oben gibt es einen Parkplatz – und der ist günstiger. Während wir unten rund 50 Lei (ca. 10 €) bezahlt haben (unser Wohnmobil wurde wohl als Minibus eingestuft), liegt der Preis dort oben bei etwa 30 Lei (ca. 6 €). Wer also ein paar Meter weiterfährt, kann nicht nur Geld sparen, sondern steht auch näher am Einstieg zur Schlucht.

Wir selbst haben allerdings nur diesen einen Preis gesehen. Ob das für alle Fahrzeugkategorien gilt, kann ich nicht sicher sagen.

Praktisch: Oben gibt es auch Toiletten. Den Schlüssel bekommst du im Restaurant gegen eine kleine Gebühr.

Plötzlich mittendrin in der Cheile Turzii

Über die Treppe ging es hinunter – und standen plötzlich mittendrin. Die Felsen rückten näher, der Weg wurde schmaler, und ohne großen Übergang begann die eigentliche Schlucht.

Hängebrücke in der Cheile Turzii Schlucht mit Wanderer
Über eine schmale Brücke beginnt die Wanderung durch die Schlucht

Luftaufnahmen der Cheile Turzii aus dem April 2026. Die Tiefe der Schlucht wird aus der Luft besonders deutlich – ein Einschnitt, der über Jahrmillionen in den Fels gezeichnet wurde.

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Cheile Turzii (Schlucht Turda) – Fakten

Die Schlucht ist unter mehreren Namen bekannt – je nachdem, aus welcher Zeit oder Sprache der Blick darauf fällt. Heute heißt sie Cheile Turzii oder einfach Turda-Schlucht. Früher war sie als Thorenburger Klamm oder Thorenburger Schlucht bekannt – benannt nach der Stadt Turda, die einst Thorenburg hieß.

Cheile Turzii im Überblick

  • Länge der Schlucht: ca. 1.300 Meter (gesamtes Tal etwa 2.900 Meter)
  • Höhe der Felswände: bis zu 300 Meter
  • Schutzgebiet seit: 1938
  • Fläche: ca. 324 Hektar
  • Lage: 6 Kilometer westlich von Turda und etwa 36 Kilometer südöstlich von Cluj-Napoca

Flora und Fauna

  • über 1.000 Pflanzenarten
  • rund 110 Vogelarten
  • dazu zahlreiche Säugetiere und Reptilien
  • Teil des europäischen Schutzgebiets „Natura 2000“

Zwischen Fels und Himmel – Natur in der Schlucht

Die Cheile Turzii ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch botanisch erstaunlich vielfältig. Durch den kalkhaltigen Untergrund und das besondere Mikroklima wachsen hier viele Pflanzen, die so nicht überall zu finden sind. Beim Wandern durch die Schlucht fällt das schnell auf: Immer wieder zeigt sich Federgras, das im Wind fast wie eine Welle wirkt, leuchtend gelbes Steinkraut direkt an den Felsen oder – mit etwas Glück – sogar einzelne Orchideenarten. Besonders spannend: Viele dieser Pflanzen wachsen scheinbar direkt aus dem Fels, ohne klassischen Boden, angepasst an Hitze, Trockenheit und wenig Wasser.

Leberblümchen am Wegesrand in der Cheile Turzii
Kleine Details am Wegesrand: Im Frühjahr blühen in der Cheile Turzii zahlreiche Pflanzen, darunter auch das typische Leberblümchen

Auch in der Luft über der Schlucht passiert mehr, als es auf den ersten Blick wirkt. Beim Wandern zeigten sich uns immer wieder Greifvögel, die entlang der Felswände kreisen – darunter Wanderfalken, die hier ideale Jagdbedingungen finden. In den steilen Wänden lebt außerdem der Uhu, auch wenn er nur selten zu sehen ist. Dazu kommen zahlreiche Schwalben- und Seglerarten, die ständig unterwegs sind und die Schlucht zusätzlich lebendig machen. Ein kurzer Blick nach oben lohnt sich – dort ist oft mehr zu entdecken, als zunächst auffällt.

Kreisende Vögel an den Felswänden der Cheile Turzii
Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich beim Wandern immer wieder Vögel beobachten, die entlang der steilen Felswände kreisen
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Wandern in der Cheile Turzii

Dauer

  • kurze Touren ab ca. 1–1,5 Stunden möglich
  • ganztägige Wanderungen ebenfalls machbar

Schwierigkeit

  • von leicht bis anspruchsvoll
  • Einstieg meist einfach
  • teilweise gesicherte Abschnitte mit Drahtseilen

Wege

  • gut markierte Routen
  • viele Brücken und schmale Passagen
  • teilweise gesicherte Abschnitte mit Drahtseilen
  • Klettern möglich

Voraussetzungen

  • Trittsicherheit erforderlich
  • keine Probleme mit Füßen oder Knien
  • gutes, festes Schuhwerk Pflicht

Tipp aus der Praxis

  • früh starten lohnt sich
  • weniger Menschen, deutlich entspannter
  • bei Nässe deutlich rutschiger

Wenn du die Schlucht nicht einfach nur spontan erkunden willst, sondern gezielt eine Route planst, lohnt sich ein Blick auf Plattformen wie Bergfex. Dort findest du verschiedene Touren durch und rund um die Schlucht, inklusive Länge, Höhenprofil und Einschätzung der Schwierigkeit.

Gerade bei wechselhaften Bedingungen oder wenn du mehr als nur den klassischen Weg gehen willst, hilft das enorm bei der Vorbereitung – und du bist deutlich entspannter unterwegs.

Die ersten Meter beim Wandern – noch entspannt, dachte ich

Die ersten Meter in die Cheile Turzii waren noch fast schon entspannt. Ein bisschen laufen, erste Brücke, alles wirkt harmlos – so, wie wir uns eine Schlucht eben vorstellen. Links Felsen, rechts Felsen, unten ein bisschen Wasser, fertig. Dachte ich zumindest. Ein Buchfink begleitete uns ein Stück des Weges – immer wieder auf den Ästen vor uns, aufmerksam, fast schon neugierig. Kein scheues Davonfliegen, sondern eher ein stilles Beobachten. Genau solche kleinen Begegnungen machen das Wandern hier besonders.

Buchfink sitzt auf Ast in der Cheile Turzii in Rumänien
Ein neugieriger Buchfink beobachtet das Geschehen aus nächster Nähe während der Wanderung durch die Cheile Turzii

Wenn der Wanderweg schmaler wird

Dann kamen die nächsten Brücken. Und die waren plötzlich nicht mehr einfach nur Brücken, sondern hängende Konstruktionen, die sich bei jedem Schritt bewegten. Alles machbar, keine Frage – aber du merkst relativ schnell: Das hier wird kein Sonntagsspaziergang.

Je tiefer wir in die Schlucht hineingelaufen sind, desto schmaler und anspruchsvoller wurde der Weg. Mal über Steine, mal über Felsen, zwischendurch immer wieder feuchte Stellen, weil aus den Wänden Wasser heruntertropfte. Genau diese Stellen sind es dann, die aus „ach, ganz nett hier“ ziemlich schnell „konzentrier dich jetzt besser“ machen.

Schmaler Wanderweg mit Stahlseil entlang der Felswand in der Cheile Turzii Schlucht
Hier wird der Weg eng – ein Stahlseil sorgt für zusätzliche Sicherheit in der Cheile Turzii

Ein falscher Schritt, einmal wegrutschen – und das wird hier ganz schnell unangenehm. Irgendwann kamen dann auch die ersten Stahlseile, an denen wir uns entlanghangelten. Spätestens da wird klar: Die Cheile Turzii ist zwar „nur“ etwas über einen Kilometer lang, aber sie kann es auf diesem Stück ziemlich in sich haben. Vor allem, wenn es feucht ist.

Wenn ich mir vorstelle, dass hier vor über 6000 Jahren Menschen unterwegs waren, dass in den Höhlen Gold verarbeitet wurde – dann ganz sicher ohne Stahlseile, ohne Sicherung, ohne festen Weg.

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Wie die Cheile Turzii entstanden ist – und wer hier schon unterwegs war

Entstehung der Schlucht

Was Du heute siehst, hat etwa 150 Millionen Jahre gebraucht. So lange ist es her, dass der Kalkstein hier am Grund eines tropischen Meeres abgelagert wurde. Tektonische Bewegungen hoben ihn langsam an die Oberfläche, und der Hășdate-Bach – der sich heute fast harmlos durch die Felsen schiebt – fraß sich über Jahrmillionen durch das Trascău-Gebirge. Übrig blieb ein Querschnitt durch den Berg, an dem mehrere Karstphänomene gleichzeitig sichtbar werden: Dolinen, fossile Höhlen in den Wänden und einzelne durchbohrte Felsen.

Goldbearbeitung schon vor 6000 Jahren

Auch der Mensch hat hier früh seine Spuren hinterlassen. In der Peștera Ungurească, einer Karsthöhle in der Schlucht, legten Archäologen 2003 und 2004 eine über 6.000 Jahre alte Werkstatt frei – bislang die einzige bekannte aus der Kupferzeit, in der Goldschmuck verarbeitet wurde. Neben Gold fanden sich auch Kupfer, Knochen und Muscheln sowie die Reste eines Brennofens mit Luftzufuhr.

Römer und Steinbruch

Aus dem Steinbruch Piatra Tăiată („geschnittener Stein“), etwa 1,5 Kilometer vom Eingang entfernt, gewannen die Römer Material für ihre nahe Stadt Potaissa, das heutige Turda. Wer dort vorbeikommt, steht an einem Ort, an dem vor fast 2000 Jahren von Hand Stein für eine ganze Stadt gebrochen wurde.

Wir hatten an diesem Morgen Glück – es war noch ruhig, kaum Leute unterwegs. Wobei uns ein paar entgegenkamen, bei denen wir kurz stutzig wurden: keine Kletterausrüstung, aber ein Helm auf dem Kopf. Im ersten Moment wirkt das etwas übertrieben, im zweiten wird klar: eigentlich ziemlich schlau. Über uns ragen hier Felswände von bis zu 200, teilweise 300 Metern Höhe auf. Und ja – da kann auch mal etwas herunterkommen.

Ein Helm wird keinen spektakulären Felssturz aus dieser Höhe aufhalten – das wäre dann eher ein anderes Problem. Aber darum geht es hier gar nicht. Die echten Gefahren sind deutlich unspektakulärer: lose Steine, die sich aus den Wänden lösen, Geröll von weiter oben oder ein unglücklicher Tritt von jemandem vor dir. Genau für solche Momente ist ein Helm dann plötzlich keine schlechte Idee mehr.

Und ganz ehrlich: Bei unserer Erkundung der Cheile Turzii wird später noch ein Moment kommen, der genau das ziemlich eindrücklich zeigt. Sagen wir so – dieser Hinweis am Wegesrand bleibt definitiv im Kopf.

Nach gut einer Stunde waren wir dann an dem Punkt, an dem ich ehrlich zu mir selbst sein sollte. Die Tour war eigentlich länger geplant, aber mein „hervorragendes“ Schuhwerk – nennen wir es freundlich Sportschuhe mit eher symbolischem Profil – war hier einfach fehl am Platz. Und bevor aus einem schönen Naturerlebnis eine unfreiwillige Rutschpartie wird, war die Entscheidung schnell getroffen: wir drehen um.

Steinschlag in der Turda-Schlucht – und plötzlich wird es ernst

Der Rückweg dauerte noch einmal etwa eine Stunde, diesmal mit dem Blick dafür, wie schön das Ganze eigentlich ist. Dani brachte es ziemlich gut auf den Punkt: Am Anfang dachte sie noch, das wird halt eine Schlucht wie viele andere. Aber je weiter wir hineingelaufen sind, desto klarer wurde – das hier ist ein ziemlich beeindruckendes Stück Natur. Auf dem Rückweg ändert sich das Bild dann langsam wieder. Der Weg wird breiter, fester, fast schon entspannt zu gehen. Die anspruchsvolleren Passagen liegen hinter uns. Und genau in diesem Moment steht da plötzlich etwas, das kurz innehalten lässt.

Ein großer Felsblock. Darunter – ein Paar Schuhe.

Installation mit Schuhen unter Felsblock als Warnung vor Steinschlag in der Cheile Turzii
Eine ungewöhnliche Installation macht auf die reale Gefahr von Steinschlag in der Cheile Turzii aufmerksam

Keine Menschen, keine Geschichte dazu, einfach nur diese Szene. Und sie wirkt. Mehr als jedes Warnschild, mehr als jede Tafel am Eingang. Es ist eine ziemlich direkte, fast schon makabere Art, darauf hinzuweisen, dass Steinschlag hier keine theoretische Gefahr ist, sondern jederzeit passieren kann.

Gerade wenn ich mich daran erinnere, wie nah ich zuvor an den Felswänden unterwegs war, wie oft es von oben getropft hat und wie schmal manche Stellen waren, bekommt das Ganze plötzlich ein anderes Gewicht. Die Schlucht ist wunderschön – keine Frage. Aber sie spielt eben auch ihre eigenen Regeln. Und genau deshalb wirken die Wanderer, die einem mit Helm entgegenkommen, auf einmal gar nicht mehr übertrieben vorsichtig, sondern einfach nur … klug.

Viele von ihnen sind übrigens gar keine Wanderer, sondern Kletterer. Die Cheile Turzii zählt zu den ältesten Klettergebieten Rumäniens – mit über 350 Routen in den Felswänden. Die ersten Felshaken wurden hier bereits 1949 eingeschlagen.

Wassertropfen an der Felswand in der Cheile Turzii Schlucht
Immer wieder wird der Weg feucht, weil aus den Felswänden der Cheile Turzii Wasser heruntertropft

Heute ist die Schlucht vor allem ein Ziel für Wanderer und Kletterer. Auch wir waren hier unterwegs. Was viele nicht wissen: Hier wurde nicht nur Landschaft geformt, sondern auch rumänische Geschichte geschrieben.

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Hier bekam Rumäniens Nationalheld seinen ersten Abschied


In der Ebene nahe Turda, der Câmpia Turzii, endet am 9. August 1601 das Leben von Mihai Viteazul. Ein Mann, der für einen kurzen Moment Geschichte geschrieben hat: zum ersten Mal vereinte er Walachei, Moldau und Siebenbürgen unter einer Krone. Der Befehl zu seinem Tod kam von Giorgio Basta – einem früheren Verbündeten. Macht kippt schnell, Vertrauen noch schneller.

Sein Körper blieb auf der Ebene zurück. Der Kopf wurde noch im selben Jahr in ein Kloster gebracht, das damals genau hier in der Cheile Turzii lag. Dort fand die erste Trauerfeier statt – still, fernab von dem, was kurze Zeit zuvor noch nach Aufbruch aussah.

Heute zieht sich der Wanderweg durch die Schlucht, als wäre nichts gewesen. Felsen, Wasser, Stille. Und doch liegt hier ein Stück Geschichte, das kaum sichtbar ist – aber genau hier begonnen hat zu verblassen.

Zurück am Camper – Zeit zum Durchatmen

Zurück am Camper gab es erstmal das, was wir uns nach so einer Entscheidung verdient haben: Kaffee und unser eigentlich geplantes Wanderfrühstück. Improvisiert schmeckt bekanntlich am besten. Und damit war auch klar: Schlucht abgehakt, Schuhe merken, Erfahrung eingesackt – und weiter ging es in Richtung Sibiu. Nächster Halt: Sibiu – Hermannstadt und das ASTRA Freilichtmuseum. Ein bisschen Kultur nach Fels und Adrenalin konnte ja nicht schaden.

Fazit: Wir kommen wieder. Und zwar besser vorbereitet. Das fängt beim Schuhwerk an – ordentliche Wanderschuhe sind hier kein „Kann“, sondern ein ziemlich klares „Muss“. Der zweite Punkt: früher starten. Nicht nur, um alleine unterwegs zu sein, sondern auch, weil das Licht in der Schlucht seinen eigenen Rhythmus hat.

Die Sonne braucht Zeit, um über die Felsen zu wandern. Es dauert, bis die ersten Strahlen überhaupt den Boden erreichen. Und genau dieser Moment, wenn das Licht langsam in die Schlucht fällt, die Wände aufhellt und alles plötzlich eine ganz andere Wirkung bekommt – der ist es wert, darauf zu warten.

Beim nächsten Mal werden wir außerdem nicht mehr den großen Hauptparkplatz ansteuern, sondern direkt die ruhigere Seite über die Wiesen wählen. Weniger Trubel, mehr Ruhe – das steht fest.

Der Plan steht also schon: einmal komplett durch die Cheile Turzii von einer Seite zur anderen – und wenn die Beine dann noch mitmachen, auch wieder zurück. Die Wege geben das her, und wer gerne wandert, kann hier problemlos einen ganzen Tag verbringen.

Unterm Strich: klare Empfehlung. Aber nicht nur wegen der Landschaft. Diese Schlucht zeigt ziemlich schnell, dass sie mehr ist als nur ein schöner Wanderweg. Sie ist ruhig, beeindruckend – und an manchen Stellen auch ehrlich.

Und genau deshalb ist das hier kein einmaliges Kapitel geblieben, sondern Tag 4 meiner geführten Wohnmobilreise durch Rumänien.

Beleuchtete Innenhalle der Salina Turda, historisches Salzbergwerk in Zentralrumänien
Salina Turda – Historisches Salzbergwerk und Besucheranlage in Zentralrumänien
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Salina Turda – das andere Turda direkt nebenan

Wer nach der Schlucht noch nicht genug von der Region hat, fährt einfach ein paar Kilometer weiter und steht plötzlich vor einer der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Rumäniens. Die Salzmine Salina Turda liegt nur etwa 8 bis 13 Kilometer entfernt und hat mit klassischem Bergbau inzwischen nicht mehr viel zu tun.

Seit dem Mittelalter wurde hier Salz abgebaut, 1932 endete der Betrieb. In den 1990er Jahren diente die Mine zeitweise sogar als Käselager. Welche Sorte genau, bleibt offen. 2010 wurde sie dann für Besucher komplett neu erschlossen.

Heute geht es rund 120 Meter unter die Erde – und dort wartet etwas, das so kaum zu erwarten ist: ein etwa 20 Meter hohes Riesenrad in der Rudolf-Mine, ein Salzsee mit Ruderbooten in der Terezia-Mine, dazu Bowlingbahnen, Tischtennis und sogar ein Amphitheater. Nicht umsonst gilt die Salina Turda als tiefster Freizeitpark der Welt.

Mit rund 600.000 Besuchern pro Jahr gehört sie zu den Top-Attraktionen des Landes. Der Eintritt liegt bei etwa 50 Lei (rund 10 Euro). Die Anfahrt ist unkompliziert, große Parkplätze befinden sich direkt am Eingang. Mit dem Wohnmobil problemlos erreichbar – entweder über die DJ107M oder durch die Stadt Turda. Alles asphaltiert, keine Überraschungen.

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