Suchbegriff
TOP

Wandern in der Cheile Turzii: Die Turda-Schlucht in Rumänien erleben

Es war ein wunderschöner, sonniger Tag. Am Morgen lag noch eine frische Kühle in der Luft, während die ersten Sonnenstrahlen langsam über die bergige Landschaft zogen. Ich habe das Wohnmobil auf dem Parkplatz umgeparkt (Platz war ja noch reichlich), so dass das Solarpanel auf dem Dach möglichst viel von der Sonne mitnehmen konnte – ein kleiner Handgriff mit großer Wirkung, jedenfalls für die Batterie im Wohnmobil.

Parkplatz und Haupteingang zur Cheile Turzii Schlucht bei Turda in Rumänien
Blick auf den Parkplatz und den Einstieg in die Schlucht

Mittlerweile war auch die Parkplatzkasse besetzt, sodass wir ganz unkompliziert für die Nacht und das Parken bezahlt haben – 50 Ron (ca 10 €). Der Platz selbst war zu diesem Zeitpunkt fast schon gespenstisch ruhig. Die beiden anderen Übernachtungsgäste waren bereits abgereist, und so gehörte uns der Morgen ganz allein.

Logo hinterm den Horizont rechts

👉 Hinweis am Wegesrand

Zugänge zur Turda-Schlucht

Die Cheile Turzii lässt sich über zwei Hauptseiten erkunden, die sich spürbar unterscheiden. Der klassische Einstieg erfolgt über die Turda-Seite mit großem, kostenpflichtigem Parkplatz, etwas Infrastruktur und direktem Zugang in die enge Schlucht mit Brücken und gesicherten Passagen – entsprechend ist hier auch am meisten los.

Auf der gegenüberliegenden Seite bei Petreștii de Jos geht es deutlich ruhiger zu. Dort ist die Zufahrt einfacher gehalten, oft parkt man eher improvisiert auf Wiesen oder am Straßenrand und startet durch ein offeneres Tal, bevor sich die Felsen langsam schließen. Diese Seite wirkt insgesamt ursprünglicher und weniger touristisch.

Zusätzlich gibt es mehrere Wege oberhalb der Schlucht. Diese sind teilweise deutlich anspruchsvoller, bieten dafür aber beeindruckende Ausblicke von oben in die Felsformationen. Beide Seiten lassen sich miteinander verbinden, sodass auch eine komplette Durchquerung der Schlucht von einer Seite zur anderen möglich ist.

Übersicht der Zugänge zur Tordaschlucht bei Turda und Petreștii de Jos – Kartenbasis: Microsoft Bing Maps, eigene Markierungen
Turda als Haupteingang und Petreștii de Jos als ruhiger Zugang zur Cheile Turzii – Kartenbasis: Microsoft Bing Maps, eigene Markierungen

Gefrühstückt hatten wir noch nicht. Stattdessen haben wir uns in aller Ruhe ein kleines Picknick vorbereitet: belegte Brote, etwas Gemüse, dazu ausreichend Wasser – genau das, was für eine Wanderung durch die Cheile Turzii nötig ist.

Die Sonne stand noch tief, und genau das spielte uns in die Karten. Wir wussten, dass wir die Schlucht zu dieser frühen Stunde weitestgehend für uns allein haben würden. Also sind wir los – hinein in die Stille, in die Felsen, in diesen Moment, der sich schon beim Start irgendwie besonders angefühlt hat.

Einstieg in die Cheile Turzii – Vorbereitung und erster Eindruck

Wir standen unten auf dem großen, zentralen Parkplatz. Von dort ging es zunächst vorbei an den ersten Verpflegungsmöglichkeiten – kleine Stände und Buden, an denen später am Tag ordentlich Betrieb herrscht. Essen, trinken, Snacks – es war alles da, was man nach oder vor einer Wanderung brauchen kann. Es ist der Samstag vor dem Osternsonntag und es war laut Auskunft des Parkplatzbetreibers heute mit einem Besucheransturm zu rechnen.

Wenn du mehr Ziele und Erfahrungen aus dem Land suchst, findest du hier weitere Eindrücke und Tipps zu Rumänien.

Logo hinterm den Horizont rechts

👉 Hinweis am Wegesrand

Parken an der Cheile Turzii

Turda-Seite (Stand April 2026)

Parkplatz unten (Haupteinstieg) Preise

  • PKW: ca. 15 RON (ca. 3 €)
  • Wohnmobil (Autocar): ca. 100 RON (ca. 20 €)
  • Minibus / Wohnwagen: ca. 50 RON (ca. 10 €)
  • Motorrad: ca. 5 RON (ca. 1€)

Wichtiger Hinweis zum Parken

  • oberer Parkplatz deutlich günstiger ca. 30 RON (ca. 6 €)
  • ebenfalls direkter Einstieg über die Treppe in die Schlucht möglich

Parken Petreștii de Jos (ruhiger Zugang)

Am ruhigeren Zugang bei Petreștii de Jos gibt es in der Regel keine offiziellen Parkgebühren. Meist stellt man das Fahrzeug einfach am Straßenrand oder auf einer Wiese ab. Je nach genauer Stelle kann es sich allerdings um Privatgrund handeln – im Zweifel kurz nachfragen.

Ich selbst bin bisher noch nicht über diesen Zugang in die Schlucht gewandert – das steht aber definitiv noch auf meiner Liste. Wenn du dort schon unterwegs warst, schreib gern deine Erfahrungen in die Kommentare. Gerade Infos zu Parken, Zugang und den Bedingungen vor Ort helfen auch anderen weiter.

Wir sind dann die Straße noch ein Stück weiter nach oben gelaufen. Und genau hier kommt ein kleiner, aber durchaus wichtiger Hinweis: Auch weiter oben gibt es einen Parkplatz – und der ist günstiger. Während wir unten rund 50 RON bezahlt haben, liegt der Preis dort oben bei etwa 30 RON (ca. 6 €). Wer also ein paar Meter weiterfährt, kann nicht nur Geld sparen, sondern steht auch näher am Einstieg zur Schlucht.

Wir selbst haben allerdings nur diesen einen Preis gesehen. Ob das für alle Fahrzeugkategorien gilt, kann ich nicht sicher sagen.

Praktisch: Oben gibt es auch Toiletten. Den Schlüssel bekommt man im Restaurant gegen eine kleine Gebühr.

Plötzlich mittendrin in der Cheile Turzii

Über die Treppe ging es hinunter – und standen plötzlich mittendrin. Die Felsen rückten näher, der Weg wurde schmaler, und ohne großen Übergang begann die eigentliche Schlucht.

Hängebrücke in der Cheile Turzii Schlucht mit Wanderer
Über eine schmale Brücke beginnt die Wanderung durch die Schlucht
Logo hinterm den Horizont rechts

👉 Hinweis am Wegesrand

Cheile Turzii (Schlucht Turda) – Fakten

Die Schlucht ist unter mehrere Namen bekannt – je nachdem, aus welcher Zeit oder Sprache man schaut. Heute heißt sie Cheile Turzii oder einfach Turda-Schlucht. Früher war sie als Thorenburger Klamm oder Thorenburger Schlucht bekannt – benannt nach der Stadt Turda, die einst Thorenburg hieß.

Cheile Turzii im Überblick

  • Länge der Schlucht: rund 1,6 Kilometer
  • Höhe der Felswände: bis zu etwa 250 Meter
  • Schutzgebiet seit: 1938
  • Fläche: ca. 326 Hektar

Flora und Fauna

  • über 1.000 Pflanzenarten
  • rund 110 Vogelarten
  • dazu zahlreiche Säugetiere und Reptilien
  • Teil des europäischen Schutzgebiets „Natura 2000“

Zwischen Fels und Himmel – Natur in der Schlucht

Die Cheile Turzii ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch botanisch erstaunlich vielfältig. Durch den kalkhaltigen Untergrund und das besondere Mikroklima wachsen hier viele Pflanzen, die man so nicht überall findet. Beim Wandern durch die Schlucht fällt das besonders auf: Immer wieder sieht man Federgras, das im Wind fast wie eine Welle wirkt, leuchtend gelbes Steinkraut direkt an den Felsen oder mit etwas Glück sogar einzelne Orchideenarten. Besonders spannend: Viele dieser Pflanzen wachsen scheinbar direkt aus dem Fels – ohne klassischen Boden, angepasst an Hitze, Trockenheit und wenig Wasser.

Leberblümchen am Wegesrand in der Cheile Turzii
Kleine Details am Wegesrand: Im Frühjahr blühen in der Cheile Turzii zahlreiche Pflanzen, darunter auch das typische Leberblümchen

Auch in der Luft über der Schlucht passiert mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich beim Wandern immer wieder Greifvögel beobachten, die entlang der Felswände kreisen – darunter Wanderfalken, die hier ideale Jagdbedingungen finden. In den steilen Wänden lebt außerdem der Uhu, auch wenn man ihn nur selten zu Gesicht bekommt. Dazu kommen zahlreiche Schwalben- und Seglerarten, die ständig unterwegs sind und die Schlucht zusätzlich lebendig machen. Wer zwischendurch einfach mal nach oben schaut, entdeckt hier oft mehr als erwartet.

Kreisende Vögel an den Felswänden der Cheile Turzii
Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich beim Wandern immer wieder Vögel beobachten, die entlang der steilen Felswände kreisen
Logo hinterm den Horizont rechts

👉 Hinweis am Wegesrand

Wandern in der Cheile Turzii

Dauer

  • kurze Touren ab ca. 1–1,5 Stunden möglich
  • ganztägige Wanderungen ebenfalls machbar

Schwierigkeit

  • von leicht bis anspruchsvoll
  • Einstieg meist einfach
  • teilweise gesicherte Abschnitte mit Drahtseilen

Wege

  • gut markierte Routen
  • viele Brücken und schmale Passagen
  • teilweise gesicherte Abschnitte mit Drahtseilen
  • Klettern möglich

Voraussetzungen

  • Trittsicherheit erforderlich
  • keine Probleme mit Füßen oder Knien
  • gutes, festes Schuhwerk Pflicht

Tipp aus der Praxis

  • früh starten lohnt sich
  • weniger Menschen, deutlich entspannter
  • bei Nässe deutlich rutschiger

Wenn du die Schlucht nicht einfach nur spontan erkunden willst, sondern gezielt eine Route planst, lohnt sich ein Blick auf Plattformen wie Bergfex. Dort findest du verschiedene Touren durch und rund um die Schlucht, inklusive Länge, Höhenprofil und Einschätzung der Schwierigkeit.

Gerade bei wechselhaften Bedingungen oder wenn du mehr als nur den klassischen Weg gehen willst, hilft das enorm bei der Vorbereitung – und du bist deutlich entspannter unterwegs.

Die ersten Meter beim Wandern – noch entspannt, dachte ich

Die ersten Meter in die Cheile Turzii waren noch fast schon entspannt. Ein bisschen laufen, erste Brücke, alles wirkt harmlos – so, wie man sich eine Schlucht eben vorstellt. Links Felsen, rechts Felsen, unten ein bisschen Wasser, fertig. Dachte ich zumindest. Ein Buchfink begleitete uns ein Stück des Weges – immer wieder auf den Ästen vor uns, aufmerksam, fast schon neugierig. Kein scheues Davonfliegen, sondern eher ein stilles Beobachten. Genau solche kleinen Begegnungen machen das Wandern hier besonders.

Buchfink sitzt auf Ast in der Cheile Turzii in Rumänien
Ein neugieriger Buchfink beobachtet das Geschehen aus nächster Nähe während der Wanderung durch die Cheile Turzii

Wenn der Wanderweg schmaler wird

Dann kamen die nächsten Brücken. Und die waren plötzlich nicht mehr einfach nur Brücken, sondern hängende Konstruktionen, die sich bei jedem Schritt bewegten. Alles machbar, keine Frage – aber man merkt relativ schnell: Das hier wird kein Sonntagsspaziergang.

Je tiefer wir in die Schlucht hineingelaufen sind, desto schmaler und anspruchsvoller wurde der Weg. Mal über Steine, mal über Felsen, zwischendurch immer wieder feuchte Stellen, weil aus den Wänden Wasser heruntertropfte. Genau diese Stellen sind es dann, die aus „ach, ganz nett hier“ ziemlich schnell „konzentrier dich jetzt besser“ machen.

Schmaler Wanderweg mit Stahlseil entlang der Felswand in der Cheile Turzii Schlucht
Hier wird der Weg eng – ein Stahlseil sorgt für zusätzliche Sicherheit

Ein falscher Schritt, einmal wegrutschen – und das wird hier ganz schnell unangenehm. Irgendwann kamen dann auch die ersten Stahlseile, an denen man sich entlanghangelt. Spätestens da wird klar: Die Cheile Turzii ist zwar „nur“ etwas über einen Kilometer lang, aber sie kann es auf diesem Stück ziemlich in sich haben. Vor allem, wenn es feucht ist.

Wir hatten an diesem Morgen Glück – es war noch ruhig, kaum Leute unterwegs. Wobei uns ein paar entgegenkamen, bei denen man kurz stutzig wurde: keine Kletterausrüstung, aber ein Helm auf dem Kopf. Im ersten Moment denkt man sich nichts dabei, im zweiten merkt man: eigentlich ziemlich schlau. Über einem ragen hier Felswände von bis zu 200, teilweise 250 Metern Höhe auf. Und ja – da kann auch mal was runterkommen.

Nach gut einer Stunde waren wir dann an dem Punkt, an dem ich ehrlich zu mir selbst sein sollte. Die Tour war eigentlich länger geplant, aber mein „hervorragendes“ Schuhwerk – nennen wir es freundlich Sportschuhe mit eher symbolischem Profil – war hier einfach fehl am Platz. Und bevor aus einem schönen Naturerlebnis eine unfreiwillige Rutschpartie wird, war die Entscheidung schnell getroffen: wir drehen um.

Steinschlag in der Schlucht – und plötzlich wird es ernst

Der Rückweg dauerte nochmal etwa eine Stunde, diesmal mit dem Blick dafür, wie schön das Ganze eigentlich ist. Dani brachte es ziemlich gut auf den Punkt: Am Anfang dachte sie noch, das wird halt eine Schlucht wie viele andere. Aber je weiter wir drin waren, desto klarer wurde – das hier ist schon ein ziemlich beeindruckendes Stück Natur. Auf dem Weg zurück ändert sich das Bild dann langsam wieder. Der Weg wird breiter, fester, fast schon entspannt zu gehen. Man merkt, dass man die „anspruchsvolleren“ Passagen hinter sich gelassen hat. Und genau in diesem Moment steht da plötzlich etwas, das einen kurz innehalten lässt.

Ein großer Felsblock. Darunter – ein Paar Schuhe.

Installation mit Schuhen unter Felsblock als Warnung vor Steinschlag in der Cheile Turzii
Eine ungewöhnliche Installation macht auf die reale Gefahr von Steinschlag in der Cheile Turzii aufmerksam

Keine Menschen, keine Geschichte dazu, einfach nur diese Szene. Und sie wirkt. Mehr als jedes Warnschild, mehr als jede Tafel am Eingang. Es ist eine ziemlich direkte, fast schon makabere Art, darauf hinzuweisen, dass Steinschlag hier keine theoretische Gefahr ist, sondern jederzeit passieren kann.

Gerade wenn ich mich daran erinnere, wie nah ich zuvor an den Felswänden unterwegs war, wie oft es von oben getropft hat und wie schmal manche Stellen waren, bekommt das Ganze plötzlich ein anderes Gewicht. Die Schlucht ist wunderschön – keine Frage. Aber sie spielt eben auch ihre eigenen Regeln. Und genau deshalb wirken die Wanderer, die einem mit Helm entgegenkommen, auf einmal gar nicht mehr übertrieben vorsichtig, sondern einfach nur … klug.

Wassertropfen an der Felswand in der Cheile Turzii Schlucht
Immer wieder wird der Weg feucht, weil aus den Felswänden Wasser heruntertropft

Zurück am Camper – Zeit zum Durchatmen

Zurück am Camper gab es erstmal das, was wir uns nach so einer Entscheidung verdient haben: Kaffee und unser eigentlich geplantes Wanderfrühstück. Improvisiert schmeckt bekanntlich am besten. Und damit war auch klar: Schlucht abgehakt, Schuhe merken, Erfahrung eingesackt – und weiter ging es in Richtung Sibiu. Nächster Halt: das ASTRA National Museum Complex. Ein bisschen Kultur nach Fels und Adrenalin konnte ja nicht schaden.

Fazit: Wir kommen wieder. Und zwar besser vorbereitet. Das fängt beim Schuhwerk an – ordentliche Wanderschuhe sind hier kein „Kann“, sondern ein ziemlich klares „Muss“. Der zweite Punkt: früher starten. Nicht nur, um alleine unterwegs zu sein, sondern auch, weil man bei besserem Licht einfach mehr von dieser beeindruckenden Landschaft sieht.

Beim nächsten Mal würden wir außerdem nicht mehr den großen Hauptparkplatz ansteuern, sondern direkt die ruhigere Seite über die Wiesen wählen. Weniger Trubel, mehr Natur – und aus meiner Sicht auch der deutlich schönere Blick auf die Cheile Turzii selbst.

Der Plan steht also schon: einmal komplett durch die Schlucht von einer Seite zur anderen – und wenn die Beine dann noch mitmachen, auch wieder zurück. Die Wanderwege geben das definitiv her, und wer gerne unterwegs ist, kann hier problemlos einen ganzen Tag verbringen.

Unterm Strich: klare Empfehlung. Und für uns ist das hier ganz sicher kein einmaliges Kapitel geblieben – eher der Anfang von Runde zwei. Die Cheile Turzii ist kein Ort, der dich warnt – sie zeigt’s dir einfach. Und genau das macht sie so einzigartig.

hinterm horizont rechts

«

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Folge mir auf Instagram