Die Cheile Turzii lag hinter uns. Dieses Kapitel war abgeschlossen – im Kopf noch voll, aber körperlich schon wieder im, auch erstmal satt „weiter geht’s“-Modus.
Es war mittlerweile Mittag. Google sagte irgendwas von rund 150 Kilometern bis nach Sibiu, also etwa eine Stunde fünfundvierzig. Ich habe vorsichtshalber zwei Stunden eingeplant – passt meistens besser zur Realität. Auch wenn es fast nur Autobahn ist. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass in Rumänien die Vignettenpflicht nicht nur für die Autobahn gilt.
Die Strecke selbst gut ausgebaut und entspannt. Erst durch Turda, dann auf die A10 beziehungsweise E81. Kaum Verkehr, gutes Wetter, genau diese Art von Fahrt, bei der man einfach nur läuft und sich treiben lässt.
Der Moment vor Sibiu
Wir hatten die Autobahn bereits verlassen, den Flugplatz von Sibiu rechts liegen lassen. Und dann kommt dieser Moment.
Kurz bevor wir wirklich in die Stadt reinfahren.
Ich musste tatsächlich anhalten. Keine Ahnung, ob ich damit jemanden kurz ausgebremst habe – aber es war mir in dem Moment egal.
Vor mir lag die Stadt. Und dahinter, fast schon wie reingestellt: die verschneiten Karpaten. So ein Bild, das nicht geplant ist. Das einfach da ist. Und genau deshalb funktioniert. Also raus, Kamera in die Hand. Dani hat protestiert und mich dezent auf diverse Verkehrsregeln hingewiesen. Und ja – im Grunde hatte sie recht.
Aber bei so einer Kulisse musste ich einfach Prioritäten setzen.


👉 Hinweis am Wegesrand
Sibiu (Hermannstadt) – die Stadt mit den Augen
Sibiu, früher Hermannstadt, war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Städte der Siebenbürger Sachsen – und das merkt man bis heute.
Was auffällt: Die Stadt wirkt anders. Aufgeräumter, strukturierter, fast schon ein bisschen „deutsch“. Das kommt nicht von ungefähr. Sibiu war lange Verwaltungszentrum der Region und galt als eine der wohlhabendsten Städte Transsilvaniens.
Ein Detail, das viele gar nicht wissen:
Die Dächer der Altstadt haben diese typischen „Augen“ – kleine Dachfenster, die aussehen, als würde die Stadt einen beobachten. Daher kommt auch der Spitzname: „Die Stadt mit den Augen“.
Wirtschaftlich ist Sibiu heute ziemlich stark aufgestellt. Viele internationale Firmen sitzen hier, vor allem aus der Automobilzulieferbranche. Das sorgt dafür, dass die Stadt nicht nur touristisch funktioniert, sondern auch wirtschaftlich stabil ist. Und noch ein Punkt, der hängen bleibt:
Sibiu wurde 2007 Kulturhauptstadt Europas. Seitdem hat sich extrem viel getan – Restaurierungen, Infrastruktur, Veranstaltungen. Genau deshalb wirkt die Altstadt heute so geschlossen und „fertig“.
Weitere Informationen zur Stadt findest du auf der offiziellen deutschsprachigen Seite von Sibiu, die einen guten Überblick über Geschichte, Veranstaltungen und aktuelle Entwicklungen bietet.
Vom Karpatenblick ins ASTRA Museum
Der Weg führte uns direkt weiter zum ASTRA Museum. Vom Zentrum in Sibiu sind es nur rund sechs Kilometer – also schnell erreichbar, egal ob mit dem Auto oder dem Camper. Kurz davor liegt übrigens auch der Zoo von Sibiu. Und gefühlt war an diesem Tag ganz Sibiu unterwegs: viele Familien, viele Autos, entsprechend volle Parkplätze. Ohne Probleme hatten wir für unser sechs Meter langes Wohnmobil noch einen Platz gefunden – ziemlich nah am Haupteingang, vielleicht 150 bis 200 Meter entfernt.

Also rein, Tickets geholt: 50 Ron pro Person, umgerechnet etwa zehn Euro.
Kurz durchs Drehkreuz und dann ging es auch schon los – hinein ins ASTRA Museum auf eine kleine Zeitreise. Mehr Eindrücke und Ziele findest du in meinem Überblick zu Rumänien entdecken.
Schon beim ersten Blick auf den Lageplan wurde klar: Das ASTRA Museum in Sibiu ist kein Ort, den man nebenbei mitnimmt. Das Gelände ist mit rund 150 Hektar riesig. Die Wege führen entlang von Wald, Wiesen und einem See. Dazwischen stehen traditionelle Bauten aus ganz Rumänien: Gehöfte, Ställe, Scheunen, Wohnhäuser, Werkstätten und sogar eine Holzkirche.

Der Plan zeigte schnell, dass das Museum thematisch aufgebaut ist. Bereiche für Landwirtschaft, Handwerk und Technik verteilen sich über das Gelände und sind durch lange Wege verbunden, die eher an einen ausgedehnten Spaziergang erinnern als an einen klassischen Museumsbesuch.
Wir hatten für unseren Besuch etwa zwei bis zweieinhalb Stunden Zeit eingeplant und sind vom Haupteingang aus gestartet.

Immer wieder tauchten Wind- und Wassermühlen auf, dazu alte Bauernhäuser, Werkstätten und kleine Höfe. Besonders auffällig war, wie unterschiedlich die Gebäude waren – je nach Region, aus der sie stammen. Neben klassischen ländlichen Strukturen gab es auch Bereiche, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen, etwa handwerkliche Produktion oder das Leben verschiedener ethnischer Gruppen.
Ein Teil des Museums widmet sich genau dieser Vielfalt. Entlang solcher Themenpfade wurden unterschiedliche Baustile, Traditionen und Alltagsgegenstände sichtbar gemacht. Dazu kamen immer wieder kleinere Details am Wegesrand – Zäune, Brunnen, Werkzeuge oder dekorative Elemente –, die das Ganze nicht wie eine Ausstellung, sondern eher wie eine gewachsene Umgebung wirken ließen.
Zwischendurch gab es auch offene Flächen, auf denen Veranstaltungen stattfinden, sowie Bereiche, die eher auf Familien und Aktivitäten ausgelegt sind. Gerade rund um diese Plätze war deutlich mehr los – wahrscheinlich auch wegen der Osterzeit.

👉 Hinweis am Wegesrand
ASTRA Museum – Parken, Preise, Öffnungszeiten und App
Parken
Direkt gegenüber des ASTRA Freilichtmuseums stehen zahlreiche Parkplätze zur Verfügung. Die Parkflächen liegen nur wenige Meter vom Eingang entfernt, teilweise etwa 200 bis 300 Meter, was problemlos zu Fuß erreichbar ist. Während unseres Besuchs war kein Parkautomat sichtbar und wir hatten nicht kostenpflichtig geparkt. Ob Parkgebühren anfallen, konnte ich vor Ort nicht eindeutig feststellen.
Auch mit größeren Fahrzeugen, einschließlich Wohnmobilen, ist das Parken in der Regel unproblematisch möglich.
Eintrittspreise (Stand 2026)
Erwachsene: 50 Ron (ca. 10 €)
Rentner: 20 Ron (ca. 4 €, ggf. mit Nachweis)
Schüler / Studenten: 10 Ron (ca. 2 €, ggf. mit Nachweis)
Menschen mit Behinderung: ab 10 Ron (ca. 2 €, mit Nachweis)
Tickets können direkt vor Ort oder vorab online gebucht werden.
Öffnungszeiten (Stand 2026)
Freilichtmuseum (Gelände):
täglich etwa 08:00 – 20:00 (17:45 Uhr letzter Einlass)
Nebensaison (Oktober – April):
täglich etwa 09:00 – 17:00 Uhr
Haupteingang: ca. 08:00 – 17:45 Uhr
Eingang: Cârciuma din Bătrâni (Tor 2): 09:00 – 17:00 Uhr
Einzelne Gebäude, Ausstellungen oder Bereiche können abweichende Öffnungszeiten haben.
App im ASTRA Museum
Für das ASTRA Museum gibt es eine eigene App „Muzeul ASTRA“, die im Google Play Store und im Apple App Store verfügbar ist. Die Anwendung ist zweisprachig (Rumänisch und Englisch) und bietet neben der Orientierung auf dem Gelände auch zusätzliche Inhalte zu den einzelnen Gebäuden und Bereichen. Teilweise sind Audio-Guides integriert, die ausgewählte Stationen näher erklären.
Das ASTRA Museum gehört zu den bedeutendsten Freilichtmuseen Europas und wurde mehrfach international ausgezeichnet – unter anderem von Michelin, Tripadvisor und europäischen Kulturinstitutionen
Das ASTRA Museum – eine rumänische Zeitreise
Gerade bei den Mühlen wurde das besonders greifbar. Eine Anlage aus Hunedoara machte das ziemlich eindrücklich sichtbar. Zwei große Wasserräder, unterschiedlich dimensioniert, trieben gleichzeitig mehrere Arbeitsprozesse an. Während ein Rad den Mahlstein für Weizen in Bewegung setzte, liefen parallel weitere Abläufe – Getreide wurde transportiert, verarbeitet, gesägt. Alles verbunden über Zahnräder, Wellen und mechanische Übergänge. Kein Strom, keine Elektronik – und trotzdem ein funktionierendes Gesamtsystem.

Es sind genau solche Details, die hängen bleiben. Nicht das einzelne Bauteil, sondern das Zusammenspiel. Wie aus Holz, Wasser und Mechanik ein funktionierender Arbeitsablauf entsteht, der mehrere Schritte gleichzeitig ermöglicht.
Auch bei näherem Hinsehen wurde klar, wie durchdacht selbst die unscheinbaren Elemente waren. Antriebsriemen, die nicht aus Leder bestanden, sondern eher wie gewebtes Material wirkten – vermutlich aus Hanf oder Flachs. Robust, flexibel, reparierbar. Nichts davon wirkte zufällig, alles hatte einen klaren Zweck.

Von außen blieben viele Gebäude zunächst zurückhaltend. Schlichte Holzkonstruktionen, breite Dächer, oft kombiniert mit einem massiven Sockel. Erst mit etwas Abstand wurde sichtbar, wie funktional diese Bauweise war. Die Dächer zogen sich weit herunter, schützten die Technik, während darunter bereits gearbeitet wurde. Kompakt, effizient, ohne unnötige Elemente.
Besonders spannend waren die Bereiche, in denen ganze Hofanlagen aufgebaut waren. Mehrere Gebäude, klar angeordnet, umgeben von einfachen Zäunen. Wohnhaus, Stall, Arbeitsbereiche – alles auf kurzen Wegen erreichbar. Keine Ausstellung im klassischen Sinne, sondern eher ein vollständiger Lebensraum.
Und genau hier zeigte sich etwas, das sich durch das gesamte Gelände zog: Jede Region hatte ihre eigene Art zu bauen. Ein Hof aus Almaș im Kreis Arad, datiert ins 18. Jahrhundert, wirkte robust und zugleich erstaunlich fein gearbeitet. Das massive Holztor fiel sofort ins Auge – schwer, stabil, und dennoch mit feinen, eingeschnittenen Ornamenten versehen. Es war nicht nur Zugang, sondern auch Ausdruck von Handwerk und Selbstverständnis.

Ein paar Schritte weiter ein Hof vom transsilvanischen Plateau aus Mierța, aus dem Jahr 1834. Plötzlich wirkte alles strukturierter, fast repräsentativ. Erhöht gebaut, mit Treppe und Veranda, klar gegliedert. Hier ging es nicht mehr nur ums Funktionieren, sondern auch darum, etwas zu zeigen. Der war klar gegliedert, mehrere Gebäude, ein eingefasster Bereich und ein sorgfältig angelegter Hof. Selbst die geflochtenen Zäune wirkten hier strukturierter, fast schon geplant und weniger improvisiert.

Ein anderer Hof aus Feneș wirkt deutlich einfacher, fast schon ursprünglich. Das große Reetdach dominierte alles, zog sich tief nach unten und bestimmte die gesamte Wirkung. Es wirkte schwer, fast erdverbunden, als würde es das Haus bewusst klein halten. Die Proportionen waren gedrungener, nichts streckte sich, nichts wollte auffallen. Hier ging es weniger um Darstellung, sondern um Funktion – Schutz vor Wetter, Isolation gegen Hitze und Kälte, ein Dach, das einfach seinen Zweck erfüllte.
Auch die Materialien erzählten diese Geschichte. Viel Holz, einfache Konstruktionen, wenig Verzierung. Alles wirkte so, als wäre es aus dem entstanden, was direkt vor Ort verfügbar war – gebaut nicht für Wirkung, sondern für den Alltag. Wege waren nicht angelegt, sondern entstanden. Übergänge zwischen Innen und Außen waren fließend, nicht inszeniert. Man hatte das Gefühl, hier wurde nicht geplant, sondern gemacht.
Während andere Höfe später Ordnung, Struktur und vielleicht auch ein gewisses Maß an Repräsentation entwickelten, blieb hier alles reduziert. Kein Versuch, Eindruck zu machen – nur der Versuch, zu bestehen.

Diese Wechsel machen das Freilichtmuseum so spannend. Innerhalb weniger Minuten verändert sich der Eindruck komplett – von schlicht und funktional zu fast schon repräsentativ, von reiner Landwirtschaft hin zu Handel und Handwerk.
Am Ende entsteht kein einheitliches Bild – sondern ein Mosaik. Und das macht den Reiz aus.
Fazit zum ASTRA Museum
Zweieinhalb Stunden reichen für das ASTRA Museum nicht aus. Selbst in zügigem Tempo blieb vieles nur ein erster Eindruck – und einiges haben wir in der Zeit gar nicht mehr geschafft zu sehen. Drei bis vier Stunden sollten es mindestens sein, eher noch mehr, vor allem dann, wenn vor Ort auch ein kulinarischer Stopp eingeplant ist. Gerade weil das Gelände so weitläufig ist und sich der Eindruck ständig verändert, vergeht die Zeit erstaunlich schnell. Ein Haus, der nächste Hof, dann wieder eine Mühle, ein Innenraum, ein ganz anderer Baustil – und schon war die geplante Zeit praktisch aufgebraucht.
Was zusätzlich hängen blieb: Einige Gebäude und Details weckten Erinnerungen. Vieles wirkte fast wie aus alten Märchen, besonders aus dem osteuropäischen oder russischen Raum. Da war plötzlich dieses Bild von Babuschka, von Geschichten aus meiner Kindheit, von Häusern, die irgendwie vertraut wirkten, obwohl sie aus einer ganz anderen Welt stammen.
Es war nicht einfach nur schön gemacht, sondern hat etwas ausgelöst. Und genau deshalb war das ASTRA Museum die richtige Entscheidung.
Raus aus dem Freilichtmuseum, rein in die Altstadt. Sechs Kilometer Fahrweg, gefühlt mehrere Jahrhunderte Unterschied – nur diesmal vorwärts.
Sibiu – Altstadtflair und lebendige Atmosphäre
Nach der Zeit im ASTRA Museum ging es für uns weiter ins Zentrum von Sibiu. Der Verkehr wirkte zunächst noch dicht, löste sich Richtung Innenstadt aber überraschend schnell auf. Während rund um das Museum noch viel los war, wurde es im Zentrum deutlich ruhiger.
Einen Parkplatz fanden wir schließlich in einer Seitenstraße nahe der Altstadt – ruhig, wenig Verkehr, eigentlich ideal. Wir standen in Parkzone C, was sich im Nachhinein als die richtige Entscheidung herausstellte.
Die Suche nach einem Parkautomaten selbst war dann allerdings etwas mühsam. Mehrere Parkautomaten waren defekt, andere akzeptierten weder Bargeld noch Karte. Erst nach einigem Probieren funktionierte die Bezahlung kontaktlos über das entsprechende Symbol am Automaten. Karte aufgelegt, mehrfach gepiept – und plötzlich war der Betrag gebucht. Nicht ganz selbsterklärend, aber es hat funktioniert.
Den Parkschein haben wir zurück zum Fahrzeug gebracht und hinter die Windschutzscheibe gelegt – und danach ging es zu Fuß weiter ins Zentrum.

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Parken in Subiu – Alle wichtigen Infos auf einen Blick
Parkzonen
- Es gibt vier Zonen: A, B, C und D
Kostenpflichtige Parkzeiten
- Zone A, B, C: täglich 08:00 – 22:00 Uhr (auch Sonntag)
- Zone D: 06:00 – 22:00 Uhr
- außerhalb dieser Zeiten: kostenlos
Preise*
- Zone A: ca. 0,45 € / Stunde oder 2,20 € / Tag
- Zone C & D: ca. 0,25 € / Stunde oder 2,20 € / Tag
- Zone B: ähnlich wie A, aber max. 2 Stunden Parkdauer
- (* Preise laut Parcare Sibiu App)
Wichtig
- Tagesticket gilt nur für den laufenden Tag, nicht 24h
- Zahlung per Automat, App (Parcare Sibiu) oder SMS möglich
- Automaten funktionieren nicht immer zuverlässig
Hinweis für Wohnmobile
- Zone A: meist nur bis 5 Meter erlaubt → für viele Camper ungeeignet
- Zone C: deutlich entspannter → für größere Fahrzeuge besser geeignet
- In Nebenstraßen findet man oft passende Stellplätze
Mehrere Parkautomaten waren defekt oder haben weder Bargeld noch Karte akzeptiert. Am Ende funktionierte die Zahlung nur über die Kontaktlos-Funktion (Karte auflegen).
Sibiu Altstadt – versteckte Ecken und unerwartete Highlights
Wir waren auf dem Weg ins Zentrum und sind dann Richtung Großer Ring (Piața Mare) gegangen. Schon auf dem Weg dorthin war einiges los, je näher wir dem Platz kamen, desto voller wurde es.
Kurz davor sind wir an einem offenen Tor vorbeigekommen – eher so eine Hofeinfahrt. Ich habe kurz reingeschaut, eigentlich ohne große Erwartungen. Und dann stand ich da und habe diesen Gang gesehen. Komplett bemalt, die Decke, die Wände – fast schon wie ein kleiner Kirchenraum, nur mitten in so einem unscheinbaren Durchgang. Genau das macht Sibiu aus: Du gehst ein paar Schritte, biegst irgendwo ab – und plötzlich stehst du mitten in so einem kleinen, unerwarteten Highlight.


Sibiu Altstadt – zwischen Trubel und Kamera-Panne
Ich hatte den Moment bildlich festgehalten und nach wenigen Minuten waren wir schließlich am Großen Ring (Piața Mare) angekommen. Da war ordentlich was los – viel Leben, viele Menschen, viele Familien genau so, wie man sich so einen Platz vorstellt.
Ich hatte wie immer meine Kamera dabei, die Vollformat – und dann passiert genau das, was passieren muss: Speicher voll. Ich stand also da, wollte eigentlich Fotos machen, und nichts ging mehr. Ich war mir sicher, dass noch genug Platz drauf ist – war er aber nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Kamera wieder einzupacken und aufs iPhone umzusteigen. Und ganz ehrlich: In solchen Momenten bin ich ziemlich froh, dass ich das einfach dabei habe.
Wir sind dann über den Großen Ring (Piața Mare) geschlendert. Auf dem Platz war einiges aufgebaut – Buden, Stände, überall Leben. Es war Ostersonntag, entsprechend viel los. Familien waren unterwegs, Kinder hatten ihren Spaß, es gab Zuckerwatte, Süßkram und alles, was dazu gehört. Die Stimmung war entspannt, fast schon ein bisschen wie ein kleines Stadtfest.
Von dort ging es weiter runter zum Kleinen Ring (Piața Mică) und schließlich zur Lügenbrücke. Die hat ihren Namen übrigens nicht ohne Grund. Die Geschichte dahinter ist schnell erzählt: Angeblich „reagiert“ die Brücke, wenn jemand lügt. Knarren, nachgeben, solche Geschichten. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber ganz ehrlich – allein der Name sorgt schon dafür, dass jeder einmal kurz innehält.
Ich habe nichts gesagt. Sicher ist sicher.

Was sofort auffällt: diese Dächer. Überall diese kleinen „Augen“, die aus den Häusern schauen. Es fühlt sich tatsächlich so an, als würde einen die Stadt beobachten.

👉 Hinweis am Wegesrand
Sibiu – 6 Sehenswürdigkeiten, die du dir anschauen solltest
Lügenbrücke (Podul Minciunilor)
Eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und ein zentraler Treffpunkt in der Altstadt. Von hier aus starten viele Wege durch Sibiu, entsprechend belebt ist es hier fast zu jeder Tageszeit.
Großer Ring (Piața Mare)
Der zentrale Platz von Sibiu, umgeben von beeindruckenden historischen Gebäuden. Hier finden regelmäßig Märkte und Veranstaltungen statt, wodurch der Platz eine besondere Dynamik bekommt.
Kleiner Ring (Piața Mică)
Direkt angrenzend, deutlich verwinkelter und ruhiger als der Große Ring. Kleine Cafés und Restaurants machen ihn zu einem angenehmen Ort für eine kurze Pause.
Altstadtgassen & Augen von Sibiu
Die typischen Dachfenster, die wie Augen wirken, sind überall in der Altstadt zu sehen. Am besten lässt du dich einfach treiben, denn genau in den kleinen Gassen zeigt Sibiu seinen besonderen Charakter.
Treppengang (Passage der Treppen)
Diese Verbindung zwischen Ober- und Unterstadt gehört zu den atmosphärischsten Orten in Sibiu. Die alten Mauern und engen Durchgänge vermitteln das Gefühl, kurz in eine andere Zeit einzutauchen.
ASTRA Freilichtmuseum
Eines der größten Freilichtmuseen Europas mit historischen Häusern, Höfen und Mühlen aus ganz Rumänien. Wer hier unterwegs ist, bekommt einen sehr direkten Eindruck vom ländlichen Leben in Siebenbürgen.
Eine geführte Tour kann sich lohnen, um die Geschichte hinter den Orten besser zu verstehen und mehr über Siebenbürgen und Sibiu – Hermannstadt zu erfahren.
Dann kam unser nächstes Highlight des Tages. Wir haben uns entschieden, im Kulinarium am Kleinen Ring essen zu gehen. Und wir haben nicht lange gefackelt. Jeder hat sich eine Vorspeise gegönnt – einmal eine Spinatsuppe und einmal Baguettescheiben mit einer Käsecreme, dazu Paprika beziehungsweise eine Kirsche. Klingt erstmal unspektakulär, war aber richtig gut. Als Hauptgericht gab es für Dani eine gegrillte Forelle mit Polenta und für mich Rippchen mit gegrillten Kartoffeln.

Kleiner Spoiler: Die Polenta war überraschend gut. Insgesamt war das Essen richtig solide, bodenständig und vor allem lecker. Das Kulinarium kann ich ohne Zögern empfehlen.
Sibiu City App
Nach dem Essen habe ich mir die Sibiu City App noch etwas genauer angeschaut. Ich hatte vorher schon mal kurz reingeklickt, aber jetzt war Zeit, das Ganze in Ruhe durchzugehen.
Der Ansatz ist auf jeden Fall gut. Als digitaler Stadtführer macht das Ganze Sinn und hilft, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Gerade wenn man sich fragt, was in der Nähe liegt oder was man sich noch anschauen könnte. Allerdings merkt man schnell, dass da noch Luft nach oben ist. Die Oberfläche ist teilweise auf Deutsch, viele Inhalte springen dann aber wieder ins Rumänische. Das wirkt nicht ganz rund und macht die Nutzung an manchen Stellen etwas holprig.
Für einen groben Überblick taugt die App auf jeden Fall. Aber so richtig fertig fühlt sie sich noch nicht an. Da geht noch mehr.
Sibiu – den Abend entspannt ausklingen lassen
Den Abend hatten wir noch genutzt und sind noch eine ganze Weile durch die Straßen gezogen, runter durch die Einkaufsstraße, einfach treiben lassen. Die Stadt war voll, aber nicht hektisch – eher gelassen, fast schon angenehm ruhig trotz der vielen Menschen. Als es dunkel wurde, ging es zurück zum Auto. Isomatten an die Scheiben, alles dicht gemacht – und dann war auch schnell Schluss für den Tag. Am nächsten Morgen stand wieder Strecke an.

Was für ein Tag: morgens noch in der wilden Schlucht von Cheile Turzii unterwegs, danach im Astra-Museum eine Reise durch die rumänische Geschichte – und am Abend dann mitten in Sibiu, gutes Essen, und entspannen. Genau diese Mischung macht solche Tage aus.
Am nächsten Morgen stand eine ordentliche Strecke an.
Nächstes Ziel: das Schwarze Meer.
Von Sibiu aus ist das kein Katzensprung. Die Route führte uns über Curtea de Argeș, weiter zu den Schlammvulkanen – und auf dieser Etappe ist einiges passiert.
Aber das ist eine andere Geschichte.
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