Noch 250 Kilometer mit dem Wohnmobil bis Constanța
Curtea de Argeș und die Schlammvulkane lagen hinter uns. Eigentlich genug für einen Tag. Eigentlich.
Statt Feierabend standen noch rund 250 Kilometer bis ans Schwarze Meer in Rumänien auf dem Plan – Ziel: Constanța. Mit dem Wohnmobil. Landstraße. Und ja – wir haben es ernst gemeint.
Eins vorweg: Als wir ankamen, war es längst dunkel. Und das Wohnmobil… war voller Blut.
Die Strecke zog sich, fuhr sich aber eigentlich ganz gut. Irgendwo unterwegs tauchte dann eine Brunnenanlage auf – mehrere Brunnen nebeneinander, klassisch mit Eimer.
Dani war sofort raus. Wasser schöpfen. Kristallklar. Und wir haben wieder etwas Neues in Rumänien entdeckt.

Währenddessen kam ein Mann mit Pferdegespann vorbei, stand auf seinem Wagen wie so ein kleiner Gladiator und deutete uns, wir sollten unbedingt den ersten Brunnen nehmen. Also nochmal rüber, Wasser geholt, kurz mitgemacht – einfach, um diesen Moment mitzunehmen.
Das Ganze haben wir natürlich festgehalten. Foto gemacht, dokumentiert – wie so vieles auf dieser Reise.
Und dann kam die Idee während der Weiterfahrt: Wenn schon Brunnen, Pferd und Landstraße, dann bitte konsequent. Dani hat kurzerhand beschlossen, ihre rumänischen Wurzeln zu „aktivieren“ – und sich mit ChatGPT in eine rumänische Version von sich selbst verwandelt.
Das Ergebnis: einmal Realität, einmal KI. Und irgendwo dazwischen dieser Moment an der Straße.


👉 Hinweis am Wegesrand
Wasserbrunnen in Rumänien
- Öffentliche Brunnen findest du vor allem auf dem Land erstaunlich häufig – oft direkt an der Straße
- Viele werden aktiv von Einheimischen genutzt, das Wasser wirkt klar und frisch
- Trotzdem gilt: keine garantierte Trinkwasserqualität – besonders für Reisende besser filtern oder abkochen
- Perfekt geeignet zum Auffüllen von Brauchwasser oder zum schnellen Abkühlen unterwegs
- Häufig gibt es nur einfache Eimerlösungen – eigener Kanister oder Flasche ist sinnvoll
- Kurzer Stopp lohnt sich fast immer – nicht nur wegen des Wassers, sondern wegen der Begegnungen
Und plötzlich die Scheibenwischer im Schnellbetrieb
Kurz vor der Dämmerung kam noch so ein Moment, der einfach passiert und sich nicht wirklich erklären lässt. Innerhalb weniger Sekunden war die komplette Frontscheibe voll. Einfach plötzlich da. Kein langsames Zunehmen, kein Vorzeichen – auf einmal war alles dicht.
Wir sind weitergefahren, haben die Wischer laufen lassen – und genauso schnell, wie es kam, war es auch wieder vorbei. Vielleicht 30 Sekunden, vielleicht eine Minute. Was genau das war, bleibt offen. Irgendwo ein Schwarm in der Dämmerung – vermutlich Eintagsfliegen. Ein klassischer Massenschlupf in der Dämmerung. Für einen kurzen Moment schlüpfen tausende gleichzeitig, fühlen sich magisch vom Licht angezogen und treffen dann eine sehr schlechte Entscheidung: unsere Fahrzeugfront. Danach ist der Spuk genauso schnell vorbei, wie er angefangen hat – nur das Auto erinnert sich noch eine Weile daran.
Die Fahrzeugseite voller Blut
Es wurde dunkler. Gegenverkehr, enge Straße, volle Konzentration – und dann lag da plötzlich etwas auf der Fahrbahn. Keine Chance auszuweichen. Nur ein kurzer Moment, ein dumpfes „bubub“ unter dem Fahrzeug. Irgendetwas Größeres. Still. Schon tot. Und vorbei war es.
Danach ging es einfach weiter. Ein paar Sekunden zu ruhig, der Blick automatisch in den Spiegel, als könnte dort noch irgendetwas zu erkennen sein. Bei der nächsten Gelegenheit sind wir rechts ran. Motor aus. Kurz durchatmen. Einmal ums Auto. Und dann dieser Moment. Beifahrerseite. Von vorne bis hinten. Auf fast einem Meter Höhe – alles voller Blut. Nicht ein paar Spritzer.
Wir standen erst einmal da. Schauten und sagten nichts. Der Gedanke war bei uns beiden der gleiche: Das wird interessant, wenn uns jetzt jemand sieht. Oder noch besser – wenn uns jetzt die Polizei anhält.

👉 Hinweis am Wegesrand
Tiere auf der Straße in Rumänien – häufiger als gedacht
- Auf Landstraßen liegen immer wieder Tiere auf oder neben der Fahrbahn
- Besonders häufig betroffen sind Hunde – viele davon streunend oder in kleinen Gruppen unterwegs
- Gerade außerhalb der Städte gehört das leider zum Straßenbild dazu
- In der Dämmerung und nachts steigt das Risiko deutlich
- Tiere wechseln oft unvorhersehbar die Straße oder halten sich direkt am Fahrbahnrand auf
- Ausweichen ist nicht immer möglich oder sinnvoll – vor allem bei Gegenverkehr und schmalen Straßen
Da hilft nur aufmerksam fahren, Geschwindigkeit anpassen – und im Zweifel lieber geradeaus bleiben als riskant auszuweichen.
Kein schönes Thema – gehört hier aber leider dazu.
Unauffällig weiter ans Schwarze Meer
Also weiter. Möglichst unauffällig. Und mit dem klaren Ziel: so schnell wie möglich eine Tankstelle finden.
Gegen halb neun ging es dann über die Donau. Eine große Brücke, beleuchtet, ruhig – unspektakulär, wenn da nicht dieser Tag gewesen wäre. Immerhin war es inzwischen dunkel. Viel zu erkennen war nicht mehr – auch nicht auf der Beifahrerseite.
Am Ende der Brücke wartete eine Mautstation. Zur Sicherheit habe ich die ganz rechte Spur mit dem Camper genommen. Sicher ist sicher. Kurz anhalten, Fenster runter, bezahlen. 16 Lei. Umgerechnet etwa 3,15 Euro. Quittung genommen, weitergerollt. Kein Kommentar, kein Blick – schnell weiter.


👉 Hinweis am Wegesrand
Donaubrücken in Rumänien
Porțile de Fier I (Eisernes Tor I) – Drobeta-Turnu Severin / Kladovo (Serbien)
- Verbindung Rumänien ↔ Serbien
- Teil des Kraftwerks
- keine klassische Autobahnbrücke, aber befahrbar
Calafat – Vidin (Bulgarien)
- oft als „Neue Europabrücke“ / Danube Bridge II bezeichnet
- Verbindung Rumänien ↔ Bulgarien
- moderne, große Brücke
- mautpflichtig
Giurgiu – Ruse (Bulgarien)
- das ist die klassische „Europabrücke“ (Danube Bridge I)
- wichtigste Verbindung Richtung Bulgarien / Türkei
- viel Verkehr
- mautpflichtig
Giurgeni – Vadu Oii
- Walachai (Muntenien) ↔ südlich der Donau
- wichtige Ost-West-Verbindung
- teilweise mautpflichtig (je nach Fahrzeug)
Fetești – Cernavodă (Autobahn A2 Richtung Constanța)
- mehrere aufeinanderfolgende Brücken über verschiedene Donauarme
- wichtigste Route ans Schwarze Meer
- mautpflichtig
Wer über die Donaubrücken nach Rumänien einreist, sollte außerdem an die elektronische Vignette (Rovinieta) denken – alle Details dazu findest du hier.
Ankunft in Constanța – Tankstelle, Shawarma und erste Nacht am Meer
Gut anderthalb Stunden später kamen wir in Ovidiu an, Constanța war bereits in Sichtweite. Erster Stopp: Tankstelle. Tanken, kurz durchatmen – und dann wieder dieser Blick aufs Auto. Das musste weg, zumindest das Gröbste. Also kurzerhand den Scheibenwischer-Schwamm zweckentfremdet und losgelegt. Einmal drüber, zweimal drüber – und ziemlich schnell war klar: Das hier ist kein normaler Einsatz mehr. Das Wasser im Eimer verfärbte sich in kürzester Zeit… sagen wir mal deutlich. Spätestens da war auch klar, dass damit heute niemand mehr seine Scheibe putzen würde. Der Eimer wurde entsprechend zügig ausgetauscht. Am Ende war das Gröbste weg. Der Rest durfte bleiben – zumindest für den Moment.
Nach dem ganzen Tag gab es eigentlich nur noch zwei Ziele: etwas essen und ankommen am Schlafplatz. Also kurzer Stopp an einem Imbiss in Constanța, Dani hat uns einen Shawarma geholt – kannte ich so bisher noch nicht. Shawarma war für mich neu – sah auf den ersten Blick aus wie ein Wrap, aber deutlich weicher und leicht gelblich im Teig. Anders als beim Dürüm war hier auch das Gemüse warm, nicht frisch und knackig, sondern mit angebraten oder zumindest mit erwärmt. Insgesamt alles etwas weicher, kompakter und würziger – kein klassischer „Frisch-Biss“, sondern eher ein durchgehend warmes, stimmiges Gesamtpaket.
Stellplatz am Meer
Den Übernachtungsplatz hatte ich bereits vorher bei Google Maps rausgesucht: ein Parkplatz direkt am Schwarzen Meer. Nebensaison, also wenig los – genau so war es dann auch. Der Platz war komplett leer, nur vereinzelt standen irgendwo in den Seitenstraßen ein paar Camper. Wir haben uns unauffällig positioniert, gegessen und sind danach noch eine Runde runter ans Wasser gelaufen. Ein kurzer Spaziergang am Schwarzen Meer, Dunkelheit, nur die Lichter in der Ferne – und dann war der Tag auch vorbei.


👉 Hinweis am Wegesrand
Wildcampen am Schwarzen Meer (Rumänien)
Wildcampen am rumänischen Schwarzmeer ist keine einfache Ja/Nein-Frage. Rechtlich ist freies Stehen nicht eindeutig geregelt, praktisch hängt alles stark davon ab, wo man steht. Ein großer Teil der Küste – vor allem im Norden Richtung Donaudelta – gehört zu Natura-2000-Gebieten oder zur Biosphärenreserve. Dort wird inzwischen deutlich strenger kontrolliert, gerade in der Hauptsaison, und Verstöße können teuer werden.
Constanța und Mamaia
Unsere Erfahrung: Im April, also in der Nebensaison funktioniert es. Wir haben selbst eine Nacht in Constanța direkt am Meer auf einem Parkplatz gestanden – komplett problemlos, ruhig, niemand hat sich daran gestört. Allerdings auch nur für die Nacht: Gegen acht Uhr morgens waren wir wieder weg.
Koordinaten (Google Maps): 44.213259, 28.648719
In der Hauptsaison sieht das anders aus. Dann sind viele Flächen bewirtschaftet, Parkplätze überwacht, und Übernachten fällt schnell auf.
Corbu und Vadu (nördliche Küste)
Weiter nördlich wird es ruhiger – aber auch sensibler. Corbu ist so ein typischer Spot, wo es in der Nebensaison funktioniert, aber nicht garantiert ist. In Corbu gibt es offiziell ausgewiesene, kostenpflichtige Campingplätze, auch unmittelbar am Schwarzen Meer. Diese sind in der Nebensaison geschlossen. Vadu, früher einer der bekanntesten Wildplätze, steht inzwischen unter Schutz – dort solltest du nicht mehr stehen. Vadu ist Teil des Biosphärenreservats im Donaudelta.
Koordinaten (Google Maps): 44.368160, 28.704246
Gura Portiței
Gura Portiței ist nur per Boot erreichbar und damit kein Ziel für Wohnmobile.
Vama Veche und 2 Mai (Süden)
Im Süden verändert sich das Bild wieder. Vama Veche, oft als „Hippie-Ort“ beschrieben, hat zwar noch diesen Ruf, aber direkt am Strand stehen ist auch dort nicht mehr unbemerkt möglich. Rundherum gibt es jedoch kleinere Campings und geduldete Flächen.
In 2 Mai, dem Nachbarort, ist es etwas entspannter. Dort finden sich einfache, oft private Stellmöglichkeiten.
Warum das Ganze eingeschränkt wird
Dass vieles heute nicht mehr so funktioniert wie früher, hat auch mit dem Verhalten einiger Camper zu tun. Müll, der liegen bleibt, Spuren am Strand oder respektloser Umgang mit der Umgebung führen dazu, dass Regeln verschärft werden. Das betrifft am Ende alle – auch die, die sich korrekt verhalten.
Eindruck vor Ort und Realität
Wer sich die Satellitenbilder der rumänischen Küste anschaut, sieht schnell: Überall stehen Camper, Zelte und Wohnwagen. Wildcampen wirkt hier fast wie ein Volkssport. Rumänische Familien fahren seit Generationen ans Meer, bleiben oft zwei bis drei Wochen am Stück, und genau deshalb ist das Thema tief verankert. Dieser Eindruck passt vor allem auf die Bereiche nördlich von Corbu – also Richtung Vadu und die abgelegenen Strandabschnitte dort. Genau hier sieht man die typischen „freien“ Camps am deutlichsten.
Trotzdem sollte man das richtig einordnen: Ein großer Teil dieser Flächen liegt heute in Schutzgebieten. Das bedeutet, auch wenn es so aussieht, als würde es überall funktionieren, ist das rechtlich oft nicht mehr zulässig – und wird inzwischen auch kontrolliert.
Kontrolle und Bußgelder
In Schutzgebieten wie Natura 2000 oder dem Biosphärenreservat Donaudelta beginnen die Bußgelder bei rund 500 Lei (etwa 100 Euro) und können je nach Verstoß auf mehrere Tausend Lei klettern. Kontrolliert wird nicht nur von der Polizei, sondern auch von der Garda de Mediu – oft früh am Morgen, gezielt an bekannten Spots. Außerhalb der Schutzgebiete bleibt es meist bei einer Verwarnung, vor allem in der Nebensaison. Wer unauffällig steht und früh weiterzieht, hat in der Regel keine Probleme – wer mitten im Naturschutzgebiet das Lager aufschlägt, muss im Zweifel mit einer Strafe rechnen.
Faustregel für die rumänische Küste
Je weiter es nach Norden geht – Richtung Donaudelta –, desto strenger wird es. Große Teile stehen unter Schutz, Kontrollen sind wahrscheinlicher und Spielraum gibt es kaum noch. Die Bereiche, in denen freies Stehen mit etwas Glück und der nötigen Zurückhaltung noch funktioniert, liegen eher südlich von Constanța. Also Richtung Costinești, Tuzla oder ganz unten bei 2 Mai und Vama Veche. Auch dort gilt: nicht direkt auf dem Hauptstrand. Auf Schotterflächen, Nebenwegen oder etwas abseits wird es eher toleriert – vorausgesetzt, man verhält sich unauffällig.
Fazit zum Wildcampen am Schwarzen Meer
Wildcampen am rumänischen Schwarzen Meer funktioniert – aber nicht überall und nicht zu jeder Zeit. In der Nebensaison ist es oft unkompliziert, vor allem mit der richtigen Platzwahl und etwas Zurückhaltung. In der Hauptsaison dagegen wird es deutlich schwieriger, besonders in und um Constanța.
Je weiter es nach Norden geht, desto strenger sind die Regeln. Richtung Süden wird es entspannter, aber auch dort gilt: unauffällig bleiben, Abstand halten und nicht mitten im Trubel stehen.
Am besten funktioniert eine Mischung: tagsüber frei stehen, abends auf einen einfachen Platz wechseln. Und ganz entscheidend: Müll wieder mitnehmen. Genau daran hängt inzwischen viel – und daran entscheidet sich auch, wie lange solche Plätze noch funktionieren.
Ähnlich haben wir es an der Donau erlebt – anderes Wasser, gleiche Haltung.
Constanța und Mamaia – zwischen Stadt, Tourismus und Leere
Nach einer erholsamen Nacht ging es nächsten Morgen gegen acht Uhr weiter Richtung Corbu ans Schwarze Meer. Vorher noch ein kurzer Stopp an der Waschbox – maximale Höhe 3,90 m, also genau passend. Damit konnten wir den Camper erstmal gründlich von den Spuren der Nacht befreien. Danach noch schnell im Supermarkt eingekauft.
Constanța ist die größte Stadt an der rumänischen Schwarzmeerküste und gehört zur Region Dobrudscha, ganz im Südosten des Landes. Hier leben rund 250.000 Menschen, dazu kommen in der Saison noch einmal deutlich mehr Besucher.
Geprägt ist die Stadt vor allem vom Hafen – einem der größten am Schwarzen Meer – sowie vom Tourismus. Im Sommer dreht sich hier vieles um Strand, Hotels und Badeurlaub, während es außerhalb der Saison deutlich ruhiger wird.

👉 Hinweis am Wegesrand
Sehenswürdigkeiten in Constanța
Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich in Constanța selbst einiges anschauen. Die Stadt hat mehr Geschichte, als man auf den ersten Blick vermutet – und vieles liegt nah beieinander.
Casino Constanța
Das Wahrzeichen der Stadt direkt an der Promenade. Jugendstilbau von 1910, lange verfallen, inzwischen aufwendig restauriert und seit Kurzem wieder zugänglich. Allein die Lage direkt über dem Meer macht den Ort besonders. Bei Sonnenuntergang lohnt sich der Besuch doppelt.
Edificiul Roman cu Mozaic (Römisches Mosaikgebäude)
Eines der größten erhaltenen römischen Bodenmosaike Europas, direkt am Ovid-Platz. Rund 2.000 Quadratmeter, 1.700 Jahre alt. Kaum überlaufen, aber beeindruckend – auch, weil die Stadt damals noch Tomis hieß.
Moschee Carol I. (Marea Moschee)
Große Moschee aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Minarett kann bestiegen werden – oben wartet einer der besten Ausblicke über Stadt, Hafen und Meer.
Piața Ovidiu und Archäologisches Museum
Zentraler Platz der Altstadt mit der Ovid-Statue. Direkt daneben das Nationale Museum für Geschichte und Archäologie mit Funden aus der Antike bis in die Neuzeit.
Hafenpromenade Tomis und Genueser Leuchtturm
Kleiner Hafen mit Yachten und Cafés. Von hier lässt sich gut Richtung Casino laufen. Der alte Leuchtturm ist ein schöner Fotospot, auch wenn er heute nicht mehr in Betrieb ist.
Bonus
Das Aquarium gegenüber vom Casino ist eher klein, aber einen kurzen Stopp wert. Hinter der Moschee liegen alte armenische und griechische Viertel – hier spürt man noch etwas von der Geschichte als Hafenstadt.
Mit ein bis zwei entspannten Tagen lässt sich das alles gut verbinden.
Mit dem Wohnmobil an die Küste – Mamaia und Corbu
In Mamaia haben wir dann noch einen Abstecher zum Strand gemacht, einfach mal schauen, wie es hier so aussieht. Antwort: leer. Komplett leer. Schwer vorstellbar, dass das im Sommer derselbe Ort sein soll.
Was man dort aber sofort merkt: Das ist kein „normaler“ Küstenort. Mamaia liegt auf einem schmalen Küstenstreifen zwischen Schwarzem Meer und dem Siutghiol-See. Links Wasser, rechts Wasser – und dazwischen ein Streifen Land, vielleicht ein paar hundert Meter breit, irgendwo um die 400 Meter. Und das Ganze zieht sich über mehrere Kilometer an der Küste entlang. Mamaia ist das bekannte Feriengebiet nördlich von Constanța – im Sommer einer der wichtigsten Badeorte Rumäniens.

Zwei Tage am Schwarzen Meer – Wind, Bunker und Muscheln
In Corbu angekommen, ging es mit dem Wohnmobil über die sandigen Wege bis kurz vor den Strand. Dort haben wir uns für die nächsten zwei Tage einfach eingerichtet.

Die nächsten zwei Tage haben wir genau das gemacht, was dieser Ort hergibt: rausgehen, laufen, schauen. Entlang des Strandes liegen immer wieder Relikte aus vergangenen Zeiten – alte Betonbunker, irgendwo zwischen Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg, halb im Sand verschwunden, aber noch deutlich erkennbar. Dazu kam der Wind, der hier eigentlich ständig präsent ist. Teilweise ordentlich, aber kein Grund, drinnen zu bleiben.
Was sofort auffällt: Hunde. An der Küste sind sie allgegenwärtig, oft in kleinen Gruppen unterwegs. Bei uns war es ein Rudel aus fünf Hunden, darunter auch ein Welpe und ein Schäferhund mit Halsband. Alle wirkten gepflegt, entspannt und an Menschen gewöhnt. Bei unseren Spaziergängen wurden wir immer wieder ein Stück begleitet – meist in der stillen Hoffnung, dass vielleicht etwas zu fressen abfällt.
Dabei war nichts unangenehm oder aufdringlich. Im Gegenteil: Es war fast schon interessant, die Dynamik innerhalb der Gruppe zu beobachten. Klare Hierarchien, feste Rollen, jeder wusste anscheinend genau, wo sein Platz ist. Das Ganze hatte etwas Ruhiges, fast Selbstverständliches – und gehörte am Ende genauso zu diesen Tagen wie der Wind, das Meer und die Weite.

Und dann sind da noch die Muscheln. Und zwar nicht vereinzelt, sondern in Mengen. Ganze Linien entlang der Küste, als hätte jemand sie bewusst dort abgelegt. Der Grund dafür liegt im Schwarzen Meer selbst. Mit einem Salzgehalt von etwa 17 bis 18 Promille ist es deutlich weniger salzig als Mittelmeer oder Atlantik. Das sorgt für eine geringere Artenvielfalt – aber die wenigen Arten, die damit klarkommen, treten dafür in großen Mengen auf.

Eine davon sticht besonders heraus: die Rapana venosa. Eine große, gedrehte Raubschnecke, ursprünglich aus Asien, die in den 1940er-Jahren über Schiffe eingeschleppt wurde. Ohne natürliche Feinde hat sie sich massiv ausgebreitet und frisst seitdem vor allem heimische Muscheln. Ihre Gehäuse liegen heute massenhaft am Strand – oft handtellergroß, hell, spiralig. Genau die, die einem sofort ins Auge fallen.
Dazu kommen unzählige kleinere Muschelarten, die bei Wind und Strömung angespült werden. Der flache Küstenverlauf wirkt dabei wie ein Sammelbecken. Und weil es im Schwarzen Meer kaum Gezeiten gibt, bleibt vieles einfach liegen, statt wieder ins Wasser gezogen zu werden. Die Donau bringt zusätzlich Nährstoffe ins System, was das Wachstum weiter ankurbelt.
Unterm Strich: wenig Vielfalt, aber enorme Mengen. Und genau das sieht man hier – Schritt für Schritt am Strand.
Fazit: Schwarzes Meer mit dem Wohnmobil – genau dann, wenn nichts los ist
Ich bin gerne am Meer. Ich bin gerne mit Dani unterwegs. Und ich bin gerne dort, wo sonst niemand ist.
Genau das haben wir hier gefunden. Nebensaison, leere Strände, keine Menschen weit und breit. Einfach rausgehen, laufen, den Wind spüren – und sonst nichts. Keine Termine, kein Programm, kein „man müsste noch…“. Nur Ruhe.
Das ist nichts für jeden. Wer Strandbars, Promenade und Leben sucht, wird hier zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Im Sommer sieht das alles komplett anders aus – volle Strände, geöffnete Beach-Clubs, Musik bis in die Nacht und eine Küste, die sich kaum wiedererkennt.
Aber genau jetzt, genau so, war es für uns perfekt.
Und dann ging es weiter. Nächstes Ziel: das Donaudelta.
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