
Cimitirul Vesel in Săpânța – Karfreitag, 18:15 Uhr, ein Friedhof voller Farbe
Vom Kloster Bârsana ging es weiter zu unserem letzten Reiseziel in Rumänien: dem fröhlichen Friedhof in Săpânța – auf Rumänisch „Cimitirul Vesel“. Vor uns lagen noch rund 40 Kilometer – eine letzte, ruhige Etappe, die schnell verging.
Karfreitag, später Nachmittag. Hinter uns liegt eine Woche Rumänien – Karpaten, Donaudelta, Schwarzes Meer, die bemalten Klöster der Bukowina, jetzt die Maramureș. Vor uns das Bild, das ich seit Jahren im Kopf habe: ein Friedhof, der lacht.
Klingt nach einem Widerspruch in sich. Und genau deshalb stehen wir gleich davor.
Die letzten 40 Kilometer – von Bârsana nach Săpânța
Die Strecke ist eine kleine Etappe für sich. Bârsana, Sighetu Marmației, dann Richtung ukrainische Grenze. Holzhäuser, geschnitzte Tore, ab und zu eine Pferdekutsche, dazwischen die enge Tisa-Ebene. Maramureș zeigt sich nochmal von seiner stillen Seite, bevor uns das Ziel der Reise einholt.
Dani fährt das letzte Stück. Ich schaue aus dem Fenster und versuche, mir nicht ständig vorzustellen, wie der Friedhof gleich aussehen wird.
Klappt nur halb.
Ankunft – nicht ganz wie im Fernsehen
Wir kommen gegen 18:15 Uhr in Săpânța an. Parken ist kein Problem, ein Platz findet sich direkt in der Nähe, vielleicht 100 bis 200 Meter vom Friedhof entfernt.
Wir steigen aus. Ich gehe direkt vor, Dani kommt nach.
Unmittelbar vor dem Friedhof: mehrere Verkaufsstände – allerdings alle schon abgebaut oder geschlossen. Ein ungewohntes Bild. Ehrlich gesagt hatte ich mir das anders vorgestellt. Aus den Fernsehbeiträgen kannte ich den Ort deutlich ursprünglicher, ländlicher. Stattdessen: Asphalt unter den Füßen, eine ganz andere Umgebung. Vielleicht habe ich die falschen Beiträge gesehen – aber das hier war auf jeden Fall anders als erwartet.
Săpânța liegt fast schon an der ukrainischen Grenze. Der letzte Ort vor dem Fluss Tisa, dahinter ist Schluss. Genau hier hat ein einzelner Mann 1935 angefangen, etwas zu tun, was es so nirgendwo sonst gibt.
Karfreitag – die Kirche in Săpânța ist voll
In der Kirche wird gerade ein Gottesdienst gefeiert. Von außen ist sofort zu erkennen: voll bis auf den letzten Platz. Schon auf dem Weg hierher waren immer wieder gut besuchte Kirchen zu sehen – der Glaube ist hier deutlich präsenter als vieles andere.

Mitten im Friedhof steht sie: massives Mauerwerk, verzierte Fassaden, ein schlanker Turm und dieses auffällige, bunt gemusterte Ziegeldach. Kein schlichter Bau – eher ein Blickfang, der sich trotzdem ins Gesamtbild einfügt. Sie gehört zum Ensemble, ohne sich in den Vordergrund zu schieben – und gleichzeitig ist sie viel mehr Ort der Geschichte, als es auf den ersten Blick wirkt.

👉 Hinweis am Wegesrand
Welche Kirche steht hier eigentlich?
Die Kirche im Cimitirul Vesel ist der Geburt der Gottesmutter geweiht (rumänisch Nașterea Maicii Domnului, Festtag 8. September). Errichtet wurde sie 1886 – und zwar von der griechisch-katholischen Pfarrei Săpânța, nicht von den Orthodoxen.
Mit dem Dekret 358 vom 1. Dezember 1948 verbot das kommunistische Regime in Rumänien die griechisch-katholische Kirche und übertrug ihren gesamten Besitz dem Staat oder der orthodoxen Kirche. Seitdem nutzt die orthodoxe Pfarrei Săpânța das Gebäude. Restituiert wurde es nie: Ein 2009 begonnenes Verfahren der griechisch-katholischen Gemeinde wurde 2014 endgültig zu ihren Ungunsten entschieden. Die griechisch-katholische Gemeinde ließ daraufhin 2018 wenige Hundert Meter weiter eine eigene neue Holzkirche errichten.
Im laufenden Streit wurde die alte Kirche im Cimitirul Vesel kräftig erneuert: Der alte neogotische Turm wurde abgerissen und durch einen neuen ersetzt, der ein 1,5 Tonnen schweres Kreuz tragen kann; das Dach trägt heute farbige Ziegel, die Innenausmalung viel Blattgold. Hintergrund: Übersteigen Investitionen mehr als 50 % des Immobilienwerts, kann das Restitutionsansprüche erschweren. Eine Renovierung mit Nebenwirkung.
Eintritt im fröhlichen Friedhof Săpânța – 10 Lei
Kamera geschnappt, Drohne eingepackt, los. Ich gehe schon einmal vor, Dani kommt hinterher. Kaum durch den Eingang, werde ich auf der rechten Seite von einer freundlich-resoluten älteren Dame zurückgepfiffen.
Eintritt: 10 Lei (ca. 5 €) pro Person. Ungewöhnlich, auf einem Friedhof Eintritt zu zahlen – aber in dem Moment völlig in Ordnung. Also zurück, Dani Bescheid gesagt, Geld geholt und dann ging es richtig los.
(Wer es genauer wissen will: Die Eintrittsgebühr geht an die orthodoxe Pfarrei, die den Friedhof verwaltet. Genau das war zu Lebzeiten einer der großen Konfliktpunkte zwischen dem Pfarrer und dem damaligen Schnitzer Pop-Tincu – aber dazu gleich mehr.)
Der fröhliche Friedhof in Rumänien – Hunderte Kreuze, ein einziges Blau
Drinnen dann der erste Eindruck: viele Kreuze. Sehr viele. Wie viele genau, lässt sich schwer sagen – ein paar Hundert sind es sicher, vermutlich deutlich mehr. Die offiziellen Zählungen schwanken zwischen 800 und 1.300; die Pfarrei selbst spricht von rund 800 Monumenten der Volkskunst.

Und sofort fällt dieses Blau ins Auge. Ein kräftiger, eigener Farbton, der sich durch den gesamten Friedhof zieht. Dazu die Schnitzereien, die Darstellungen, die Details. Das hat mit klassischen Grabsteinen, wie wir sie kennen, nichts zu tun. Das hier ist Handwerk – und zwar richtig gutes. Alles wirkt individuell, nichts standardisiert.
Am Ende bleibt der Eindruck: Das ist kein gewöhnlicher Friedhof, sondern ein über Jahrzehnte gewachsenes Kunstprojekt – ursprünglich aus wenigen Händen, heute von mehreren weitergeführt.

👉 Hinweis am Wegesrand
Wer hat die Kreuze gemacht?
Die ganze Sache hier verdankt der Friedhof drei Generationen von Schnitzern – und einem Pfarrer, von dem heute kaum noch die Rede ist.
Stan Ioan Pătraș (1908–1977) war Holzschnitzer, Maler und Dichter aus Săpânța. 1935 machte ihm der griechisch-katholische Pfarrer Grigore Rițiu – studierter Lehrer für Rumänisch und Latein – den Vorschlag, den vertikalen Balken der Kreuze breiter zu schneiden. Damit war Platz für einen Vers. Der Rest ist Geschichte: Pătraș bemalte das Holz in einem kräftigen Blau, schrieb seine eigenen Verse in Ich-Form und malte den Verstorbenen in einer typischen Lebensszene darüber. Bis zu seinem Tod 1977 schuf er rund 700 Kreuze.
Sein Schüler Dumitru Pop-Tincu (1955–2022) führte die Tradition über 45 Jahre fort und wurde 2021 als „Lebender Menschlicher Schatz“ (Tezaur Uman Viu) ausgezeichnet – die höchste rumänische Würdigung für immaterielles Kulturerbe. Er starb am 15. Dezember 2022 im Alter von 67 Jahren.
Heute arbeitet im Originalhof der Familie sein Schwiegersohn Stan Ioan Pătraș Jr. an den Kreuzen weiter – zugleich Ur-Ur-Enkel des Friedhofsgründers, dessen Namen er trägt. Er kehrte während der Pandemie aus Frankreich zurück und stieg in die Werkstatt ein. Daneben gibt es im Dorf weitere Schnitzer, was nach jahrelangen Markenrechtsstreitigkeiten umstritten ist – Pop-Tincu hatte 2008 versucht, „cruce tip Săpânța“ und die Pigmentmischung des Săpânța-Blau eintragen zu lassen; das oberste rumänische Gericht hob die Marke 2015 wieder auf.
Wie so ein Kreuz entsteht
Wenn du durch die Reihen gehst, wirken die Kreuze fast selbstverständlich. Sie sind einfach da – in Blau, mit Bild, mit Vers. Dahinter steckt aber ein Prozess, der mit klassischer Grabsteinproduktion nichts zu tun hat.
Am Anfang steht das Holz. Verwendet wird meist Eiche – und zwar nicht direkt vom Sägewerk, sondern erst nach mehreren Jahren Trocknung. Erst dann ist sie stabil genug für draußen, ohne sich nach dem ersten Winter zu verziehen. Geschnitzt wird traditionell von Hand: Stechbeisel, Hammer, Hobel. Keine Elektrosäge, kein CNC. Wer schon einmal versucht hat, einen sauberen Buchstaben in Eichenholz zu treiben, weiß, was das heißt.
Dann kommt die Gestaltung: oben das Bild oder ein Porträt, darunter eine Szene aus dem Leben, schließlich der Text. Die Verse sind fast immer in Ich-Form geschrieben – die Verstorbenen sprechen selbst.
Und ein Detail, das wir am Anfang übersehen haben: Die meisten Kreuze sind beidseitig gestaltet. Vorne das Bild, hinten der Text oder eine zweite Ebene der Geschichte. Wer nur einmal vorbeigeht, sieht oft nur die Hälfte.
Ein Kreuz, eine Geschichte
Zwischen all den Kreuzen bleibe ich irgendwann an einem stehen.
Ein junger Mann. Auf der Vorderseite ein Porträt, auf der Rückseite sitzt er am Schreibtisch, den Laptop vor sich – alles von Hand gemalt. Geboren 2002, gestorben 2021.
Darunter ein Text. Auf Rumänisch. Ich verstehe ihn nicht – also übersetze ich ihn später.

Bild: Links die Vorderseite des Kreuzes mit dem Porträt eines jungen Mannes. Rechts die Rückseite mit einer handgemalten Szene und dem Text, der von seinem Leben und seinem Tod erzählt.
Sinngemäß steht dort:
Auf dem Weg aus Spanien ist mein Leben zu Ende gegangen. Ich bin bei einem Autounfall gestorben. Nicht so sollte es sein. In einem fremden Land. Meine Großeltern habe ich traurig zurückgelassen. Kein Enkel mehr. Mögen sie gesund bleiben und lange leben. Ich bin gegangen, um bei meinen Vorfahren zu sein.
Kein Pathos. Kein Beschönigen. Einfach das, was passiert ist. Genau das ist der Moment, in dem klar wird, was diesen Ort wirklich ausmacht. Das hier sind keine dekorativen Grabsteine. Das sind Geschichten.
Und manchmal sind sie verdammt kurz. Zu kurz.
Ehrlich bis ins Detail – und manchmal mit Ironie
Und nicht alle Geschichten sind nur traurig. Einige sind überraschend direkt – manchmal sogar mit einem leichten, fast schon ironischen Ton. Da wird ein Leben erzählt, wie es war. Ohne Beschönigung. Wer zu viel getrunken hat, sieht sich genau so wieder – auf dem Bild, im Text, in wenigen Zeilen zusammengefasst. Das wirkt im ersten Moment ungewohnt. Aber genau darin liegt die Besonderheit dieses Ortes: Der Tod wird hier nicht nur betrauert, sondern auch erzählt. Ehrlich, manchmal hart – und gelegentlich mit einem Augenzwinkern.
Gottesdienst aus Lautsprechern, Fotografen mit langen Objektiven
Während wir uns durch die Reihen bewegen, läuft im Hintergrund weiter der Gottesdienst. Über Lautsprecher ist alles zu hören – verstehen kann ich natürlich nichts, aber die Atmosphäre ist da. Eine Mischung aus Alltag, Ritual und Besuch. Karfreitag in einem Dorf, das sich auch über den Tod hinweg nie zur Ruhe hat schweigen lassen.
Irgendwann tauchen mehrere Fotografen auf. Fünf, sechs Leute, große Kameras, lange Objektive. Keine Ahnung, ob Presse, Reportage oder einfach ambitioniert unterwegs – aber sie sind da. Insgesamt ist auch klar: Wir sind nicht allein. Trotz der Uhrzeit sind noch einige Besucher unterwegs, die sich den Friedhof anschauen.
Dass dieser Ort Aufmerksamkeit zieht, hat Gründe. Beim Symposium of Funerary Monuments 1998 in den USA wurde Cimitirul Vesel weltweit auf Platz zwei für Einzigartigkeit gewählt – nur das Tal der Könige in Ägypten lag davor, in Europa auf Platz eins. Mit der UNESCO-Welterbeliste hat das nichts zu tun (anders als oft kolportiert, steht Săpânța dort nicht), aber innerhalb Rumäniens hat der Friedhof die höchste denkmalpflegerische Schutzkategorie A.


👉 Hinweis am Wegesrand
Das Săpânța-Blau und die Symbolik
Über dem fröhlichen Friedhof liegt diese eine Farbe. Ein tiefes, sattes Blau, irgendwo zwischen Königs- und Petrolblau. „Albastru de Săpânța“ – ein Pigment, dessen genaue Mischung Pop-Tincu zu Lebzeiten geheim gehalten hat und das nicht identisch ist mit dem chemisch dokumentierten Voroneț-Blau aus der Bukowina.
Die anderen Farben sind nicht zufällig:
Blau – Hoffnung, Himmel, Freiheit (Hintergrund aller Kreuze)
Rot – Leidenschaft, Energie
Gelb – Fruchtbarkeit, Wohlstand
Grün – Leben
Schwarz – sparsam eingesetzt für Tragödie und gewaltsamen Tod
Praktisches für den Besuch auf dem fröhlichen Friedhof
Parken
Direkt am Friedhof gibt es einen kleinen Parkplatz, dazu Stellflächen entlang der Zufahrt. Wir haben unseren Camper rund 100 bis 200 Meter weiter entfernt abgestellt – am späten Nachmittag im April war das überhaupt kein Problem. In der Hochsaison empfiehlt es sich, etwas weiter unten im Ort zu parken.
Eintritt
10 Lei pro Person (ca. 5 €), zu zahlen direkt am Eingang. Bargeld in Lei mitbringen; Kartenzahlung haben wir nicht gesehen. Die Gebühr geht an die orthodoxe Pfarrei.
Toiletten
Sind auf Friedhof vorhanden, einfach, kostenpflichtig.
Zeit
Plane eine gute Stunde ein. Wer fotografieren will und sich die Kreuze in Ruhe anschauen möchte, eher anderthalb. Es geht hier nicht um „abhaken“, sondern darum, sich auf das einzulassen, was da steht. Kleiner Tipp: Übersetzen lohnt sich – mit KI ist das heute kein Problem mehr.
Saison & Stimmung
Im Sommer kommen pro Jahr rund 50.000 Besucher. Wer etwas Ruhe haben will, sollte in der Vor- oder Nachsaison kommen – oder am Abend, wie wir. Die Verkaufsstände vor dem Friedhof sind dann allerdings geschlossen; wer Souvenirs sucht, sollte bis zum frühen Nachmittag da sein.

Fazit – ein Friedhof, der bleibt
Cimitirul Vesel ist kein Ort für eine kurze Foto-Runde. Du kannst hier in zwanzig Minuten durchlaufen, ein paar bunte Kreuze knipsen und denken: ganz nett. Aber damit verfehlst du, was diesen Ort eigentlich ausmacht.
Es ist die Mischung: aus Tod und Humor, aus orthodoxer Liturgie und volkskünstlerischem Augenzwinkern, aus traditioneller Handarbeit und ziemlich modernen Auseinandersetzungen um Marken, Eintrittsgelder und Konfessionsbesitz. Aus einem winzigen Dorf an der Grenze – und einer Idee, die längst um die Welt gereist ist.
Was hängenbleibt, sind nicht die spektakulärsten Bilder. Es sind die Details: der gemurmelte Karfreitags-Gottesdienst aus den Lautsprechern, die freundlich-resolute Dame am Eingang, die zwei Sprachen kann (Rumänisch und „bezahlen, bitte“), die fünf Fotografen, die irgendwo über Stative gebeugt stehen. Und dieses Blau, das wirklich überall ist.
Mein erster Eindruck war ehrlich gesagt nicht „spektakulär“ – dafür war zu viel Asphalt, zu viel Souvenir-Routine im Anflug, zu wenig Maramureș-Postkarte. Aber je länger ich hier stehe, desto mehr verschiebt sich der Blick. Weg von der Erwartung – hin zu dem, was tatsächlich da ist: eine Werkstatt, die seit 1935 nicht aufgehört hat zu arbeiten. Ein Dorf, das sich weigert, seine Toten wegzuschweigen.
Das Tor schließt langsam, der Gottesdienst innen geht in eine andere Tonart über, draußen wird es kühl. Wir gehen zurück zum Camper. Dani schaut nochmal Richtung Friedhof.
„Nochmal hin?“
„Beim nächsten Mal früher am Tag. Aber ja.“
Mit Săpânța endet unsere Rumänien-entdecken-Etappe. Vor uns liegt jetzt der lange Weg
zurück nach Brandenburg – und im Kopf eine Liste mit Stationen, die hängenbleiben
werden. Diese hier ganz oben.
Was nach Săpânța kam – Satu Mare, Donaudelta-Fisch und 1.250 Kilometer nach Hause
Eigentlich war Săpânța der letzte fest gesetzte Punkt unserer Rumänien-Reise. Ab hier ging es im Prinzip nur noch nach Hause. Nur „nach Hause“ liegt von Săpânța aus gut 1.250 Kilometer entfernt. Also haben wir uns für die Nacht noch ein Stück Richtung ungarische Grenze geschoben.
Zwischenstopp: Satu Mare. Was unterwegs auffällt – und ehrlich gesagt überrascht –, sind die Häuser. Villen, viele Villen. Drei Stockwerke, Türmchen, Säulen, geschmiedete Eisentore, gelegentlich ein Springbrunnen davor. Kein Stadtzentrum, sondern Dorfränder und Ausfallstraßen. Und doch sieht es streckenweise aus, als wäre jemand mit einer Architekturzeitschrift in Sissi-Stimmung losgezogen.
Entlang der Straßen in Maramureș, Satu Mare und Bihor fallen sofort diese Auswanderer-Villen auf – Häuser, die mit Geld gebaut wurden, das im Ausland verdient wurde, in Italien, Spanien, Frankreich oder Deutschland. Statussymbol, Altersvorsorge, Familienprojekt. Manche sind bewohnt, viele stehen halb leer, weil die Eigentümer noch im Ausland arbeiten. Daneben gibt es in der Region auch deutlich auffälligere, oft sehr ornamental gestaltete Häuser, die als Roma-Paläste („palate țigănești“) bezeichnet werden. Beides existiert nebeneinander, manchmal sogar in derselben Straße. Was auf der Strecke zu sehen war, ließ sich nicht immer klar trennen – aber genau das macht den Reiz aus.
Am Abend schlagen wir unser Nachtlager an einer Tankstelle kurz vor der ungarischen Grenze auf. Nicht unbedingt der Ort, den man sich für den letzten Abend vorstellt – aber er erfüllt seinen Zweck. Im Kühlschrank liegt noch der Fisch vom Vortag aus dem Donaudelta. Pfanne an, kurz heiß gemacht – und schon liegt nochmal ein Stück Rumänien auf dem Teller.
Ein letzter Geschmack dieser Reise, bevor es nach Hause geht.
Heimreise: nicht Autobahn, sondern quer durch
Am nächsten Morgen liegen noch über 1.000 Kilometer vor uns. Wir entscheiden uns gegen die direkte Autobahnvariante – stattdessen geht es über Ungarn, die Slowakei und Polen zurück nach Brandenburg. Erstaunlich, wie schnell Ungarn vorbei ist. Anderthalb Stunden – und schon queren wir die nächste Grenze. Zweieinhalb Stunden durch die Slowakei, dann der Rest durch Polen. Kurz vor Krakau geht es wieder auf die Autobahn, und ab da rollt es. Endlos. Aber es rollt.
Irgendwann am Abend stehen wir wieder vor der eigenen Tür. Die Reise ist zu Ende. Im Kopf eine Liste mit Stationen, die hängenbleiben werden.

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