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Kloster & Holzkirchen Bârsana in Rumänien

Auf dem Weg zu den berühmten Holzkirchen von Bârsana

Zwei völlig unterschiedliche Holzkirchen machen Bârsana zu einem der spannendsten Orte der Maramureș: unten im Tal die weitläufige Klosteranlage mit ihren mächtigen, weit über die Grenzen Rumäniens hinaus bekannten Holztürmen, etwas außerhalb die jahrhundertealte UNESCO-Holzkirche auf dem Jbâr-Hügel – eine von acht unter Schutz gestellten Holzkirchen der Maramureș. Mein erstes Ziel war das Kloster mit seinen gewaltigen Holztürmen – und der Weg dorthin führte mich mit meinem Grand California einmal quer über die Karpaten.

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Kloster Bârsana mit Holzkirchen und Türmen in Maramureș aus erhöhter Perspektive
Die Klosterkirche von Bârsana – „Biserica Soborul Sfinților Apostoli“ – mit 57 Metern eine der höchsten Holzkirchen Europas. Bis 2003 sogar die höchste auf dem Kontinent.

Warum schreibe ich über diese Fahrt?

Weil am Ende drei Dinge aufeinandertreffen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: einer der höchsten Holztürme Europas, ein Museum mit Büchern aus dem 16. Jahrhundert – und, ganz hinten auf dem Friedhof, das Grab einer französischen Röntgenphysikerin. Bis dahin liegen allerdings ein verschlafener Karpatenpass, ein türkisfarbenes Wrack am Hang und rund vier Stunden Serpentinen. Aber der Reihe nach.

Vom Kloster Moldovița über den Prislop-Pass nach Borșa

Nach dem Vormittag im Kloster Moldovița ging es weiter Richtung Maramureș. Nächster Punkt auf unserer heutigen Liste: die Holzkirchen rund um das Kloster Bârsana. Die Karte sagt rund 190 Kilometer und kurvenreich. In der Realität bedeutet das: einer der wildesten Pässe Rumäniens. Nur wusste ich das in dem Moment noch nicht.

Denn während Dani das Wohnmobil souverän über die Straße lenkte, habe ich auf dem Beifahrersitz genau das gemacht, was ich nach sieben Tagen Rumänien offenbar dringend brauchte: Schlaf. Tief und fest – und dabei vermutlich den halben Wald der Karpaten abgesägt.

Genau in dem Moment, als draußen das Beste passierte.

Rodna-Gebirge in den Karpaten mit verschneiten Gipfeln und Straße aus der Luft
Weite Berglandschaft der Karpaten mit Schnee, Wäldern und Serpentinenstraße

Wir sind über den Pasul Prislop gefahren – mit 1.416 Metern der höchste Straßenpass der Ostkarpaten. Direkt oben an der Passhöhe steht das Kloster Schimbarea la Față. Wer nicht wie ich einen guten Teil der Auffahrt verschläft, kann hier einen kurzen Stopp einlegen, bevor es auf der anderen Seite hinunter Richtung Maramureș und weiter zu den Holzkirchen nach Bârsana geht.

Die Nationalstraße DN18 schraubt sich hier in engen Serpentinen über die Wasserscheide zwischen Bukowina und Maramureș und streift dabei gleich drei rumänische Kreise: Suceava, Bistrița-Năsăud und Maramureș.

Apropos kurz vor der Passhöhe: Hier gibt es übrigens noch eine Sehenswürdigkeit, die in keinem Reiseführer steht. Hinter den letzten Pensionen liegt links unterhalb der Straße ein türkisgrünes Auto am Hang. Nicht geparkt – eher endgültig falsch abgebogen. Ich kenne es inzwischen im Winter, im Sommer und im Herbst. Es bewegt sich offenbar nur noch in geologischen Zeiträumen. Mal sehen, wie viele Jahreszeiten es noch durchhält, bevor die Schwerkraft ihre Reise fortsetzt.

Anfang April liegt hier oben noch richtig Schnee. Nicht diese grauen Reste am Straßenrand, sondern echter Winter. Die Tannen tragen weiße Hauben bis in die Wipfel, der ganze Wald sieht aus, als hätte jemand einmal komplett Puderzucker drübergekippt.

Klassische Bilderbuch-Karpaten und ich habe sie verschlafen.

Irgendwo hinter der Passhöhe wurde ich dann wach. Wir waren mitten in den Serpentinen, Dani ist kurz links rangefahren, ich bin raus, habe die Drohne gestartet – und plötzlich war alles wieder da.

Ich saß im Schnee am Straßenrand, starrte auf das Display, sah die verschneiten Wipfel von oben – und habe mich kollektiv über mich selbst geärgert.

Serpentinen am Pasul Prislop mit Camper auf der Straße aus der Luft
Kurvenreiche Straße in den Karpaten mit Wohnmobil am höchsten Straßenpass der Ostkarpaten

Hinter dem Pass öffnet sich das Tal nach Westen. Die Straße fällt in langen Kurven ab, der Schnee verschwindet langsam, und irgendwann liegt Borșa vor dir – auf den ersten Blick ein typisches Karpatendorf. Holzhäuser, ein paar Pensionen, Baustellen. Bis der zweite Blick folgt. Denn hier liegt eines der überraschendsten Skigebiete Rumäniens. Am Talschluss bringt dich eine moderne 8er-Gondel in wenigen Minuten auf rund 1.650 Meter – und erschließt mit der „Pârtia Olimpică“ die einzige FIS-zugelassene Wettkampfpiste in Rumänien. Fast drei Kilometer lang, über 700 Höhenmeter, komplett beschneit und mit Flutlicht.

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Sommeraktivitäten rund um Borșa

Im Winter ein Skigebiet – im Sommer eine komplett andere Welt.

Pietrosul Rodnei (2.303 m)

Höchster Gipfel der Ostkarpaten. Anspruchsvoll, aber eine der eindrucksvollsten Touren der Region – wer hier hochgeht, bekommt oben genau das, was man sich von den Karpaten erhofft.

Iezer-See

Gletschersee in der Form Rumäniens. Mit der Gondel von Borșa aus schnell erreichbar oder über den klassischen Aufstieg – eine schöne, eher kürzere Tour mit starkem Ausblick. Oben angekommen: Pause machen, schauen, wirken lassen. Baden? Eher nicht – dafür ist das Wasser selbst im Sommer ziemlich kalt.

Cascada Cailor

Mit rund 90 Metern der höchste Wasserfall Rumäniens. Von der Bergstation in etwa 45 bis 60 Minuten erreichbar – eine einfache Wanderung mit ordentlich Wirkung.

Rodna-Nationalpark

Weitläufiges Schutzgebiet mit Wäldern, Bergwiesen und vielen Möglichkeiten, einfach unterwegs zu sein. Kein Spektakel, sondern Natur, die für sich wirkt.

Für uns war Borșa an diesem Tag nur ein Durchfahren. Kurz durch, weiter – und innerlich schon notiert: Hier komme ich nochmal her.

Irgendwo unterwegs lag auf dem Mittelstreifen ein kleines Kätzchen. Nicht groß, einfach da. Als ich vorbeifuhr, hat es mich noch angeschaut. Ich bin langsam gefahren, fast irritiert, weil es nicht weggelaufen ist. Ein paar Meter weiter fing es an zu rattern im Kopf. Das passt nicht. Das Tier kann da nicht liegen bleiben. Also gedreht. Die Straße war eng, gerade kein Verkehr, links Leitplanke. Mit dem Wohnmobil kein Manöver, das du mal eben machst – aber es ging.

Wir haben direkt vor dem Kätzchen angehalten. Dani ist ausgestiegen, hat nach hinten abgesichert. Ich bin nach vorne.
Das Kätzchen hat aus Nase und Maul geblutet, hat noch geatmet. Nur noch ganz schwach. Ein paar Sekunden später war es vorbei.

Still.

Solch traurigen Momente bleiben. Auch wenn die Straße weitergeht.

Die Holzkirchen von Bârsana

Nach gut vier Stunden Fahrt erreichen wir schließlich die Holzkirchen von Bârsana. Karfreitag. Ein paar Menschen sind unterwegs, aber insgesamt ruhig. Angenehm ruhig. Wir gehen hinauf zum Kloster. Wir schreiten durch den Torbogen des Glockenturms hinein in die Anlage – und stehen plötzlich mitten in diesem Ensemble aus Holz, hohen Türmen und fein gearbeiteten Details. Für uns heißt es jetzt eintauchen in eine fremde Welt.

Bild 01
Blick auf die Klosteranlage von Bârsana mit der 57 Meter hohen Klosterkirche und dem Glockenturm. Besonders schön sieht man hier, wie sich die schlanken, mit Holzschindeln gedeckten Türme vor den bewaldeten Bergen der Maramureș abheben.

Bild 02
Das reich geschnitzte Maramureș-Tor markiert den äußeren Zugang zur Klosteranlage. Schon hier zeigt sich die traditionelle Holzbaukunst der Region mit ihren aufwendig geschnitzten Ornamenten und dem typischen Schindeldach.

Bild 03
Der mächtige Glockenturm mit seiner Tordurchfahrt bildet den eigentlichen Eingang in die Klosteranlage. Wer durch den Torbogen geht, steht unmittelbar danach mitten zwischen den Holzbauten von Bârsana.

Bild 04
er Blick durch den Torbogen des Glockenturms öffnet sich auf das Innere der Klosteranlage. Erst von hier aus wird sichtbar, wie weitläufig Bârsana tatsächlich ist – mit seinen Holzbauten, Gärten und gepflasterten Wegen.

Bild 05
Links angeschnitten der „Aghiasmatar“ – die offene Weihwasser-Kapelle mit ihren geschnitzten Säulen –, in der Mitte der „Altar de vară“, der Sommer-Altar, rechts der „Turnul Clopotniță“, der Glockenturm. Drei Funktionen, drei eigene Bauten, dicht beieinander.

Was hier entstanden ist, ist beeindruckend. Nicht laut, nicht überladen. Diese Handwerkskunst, das Spiel mit dem Holz, die Proportionen der Gebäude. Alles wirkt durchdacht, irgendwie filigran, und gleichzeitig massiv. Die große Klosterkirche wurde erst zwischen 1993 und 1995 errichtet. 57 Meter ragt ihr schlanker Holzturm in den Himmel – und allein das eiserne Kreuz an seiner Spitze ist sieben Meter hoch und wiegt eine halbe Tonne. Am 10. August 1995 wurde es dort oben aufgesetzt. Die heutige Anlage ist also keine jahrhundertealte Klosteranlage, sondern eine moderne Fortsetzung der traditionellen Holzarchitektur der Maramureș.

57 Meter hohe Klosterkirche von Bârsana mit schlankem Holzturm
57 Meter Holzarchitektur: Der außergewöhnlich schlanke Turm macht die Klosterkirche zum weithin sichtbaren Wahrzeichen von Bârsana.

Wie die Schindeldächer von Bârsana gebaut werden

Ich gehe einmal langsam um die Anlage herum. Das Holz lebt – an manchen Stellen silbern verwittert, an anderen fast schwarz, immer mit Maserung, die aussieht, als wäre sie noch nass von gestern. Die Schindeln auf den Dächern sind klein, präzise gelegt, in mehreren Lagen übereinander. Doppelte Traufen, gestaffelt wie ein langer Rockschoß. Das schützt vor Regen – und hat gleichzeitig etwas erstaunlich Elegantes.

Wer genauer hinsieht, erkennt das eigentliche Handwerk. Die Schindeln – hier draniță genannt – werden von Hand entlang der Faser gespalten, nicht gesägt. Klingt nach Erbsenzählerei, ist aber der Unterschied zwischen einem Dach, das vierzig Jahre hält, und einem, das nach der Hälfte durch ist: Die Säge durchtrennt genau die Fasern, an denen das Wasser sonst abläuft. Gelegt wird in mehreren Lagen übereinander – sichtbar bleibt am Ende nur rund ein Viertel jeder Schindel, der Rest arbeitet unsichtbar darunter. Und der Nagel jeder Schindel durchsticht zugleich die darunterliegende und verschwindet unter der nächsten. So bleibt kein einziges Nagelloch offen: ein wasserdichtes Dach ganz ohne Dichtmasse, dafür bewusst so steil, dass Regen und Schnee gar nicht erst zum Verweilen kommen.

Bild 01
Die kunstvoll ausgeschnittenen Enden machen aus den Holzschindeln zugleich ein Schmuckelement. Durch die Verwitterung bekommt das Holz mit der Zeit seine typische silbergraue Farbe.

Bild 02
Hier erkennt man, wie dicht die einzelnen Schindeln übereinanderliegen. Nur ein kleiner Teil jeder Schindel bleibt sichtbar, der größere Teil verschwindet geschützt unter der nächsten Lage.

Bild 03
In der Detailaufnahme wird der Aufbau besonders deutlich: Mehrere Lagen überdecken sich und machen das Dach ohne zusätzliche Dichtmasse wetterfest.

Holzkirchen, Glockenturm und Sommeraltar des Klosters Bârsana in der rumänischen Region Maramureș
Auf dem Gelände des Klosters Bârsana stehen die Holzkirche Soborul Sf. Apostoli, der Glockenturm und der Sommeraltar der Anlage.

Drei Türme stehen wie eine Reihe Ausrufezeichen in den Himmel. 57 Meter Höhe sind im Maßstab eines reinen Eichen-Holzbaus schwer in Worte zu fassen – und hier steht man vor dreien gleichzeitig. Aber das ist nur der Anfang. Wer einmal aufmerksam um die Anlage herumgeht, zählt vierzehn unterschiedliche Gebäude, jedes mit eigenem Namen, eigener Funktion und eigener Bauart. Ein Maramureș-Dorf im Kleinen, ordentlich nummeriert auf einer Infotafel am Eingang.

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Das Kloster Bârsana – Geschichte und Wiederaufbau

Bârsana hat eine der ungewöhnlichsten Klostergeschichten Rumäniens: Über 600 Jahre Vergangenheit, dazwischen zwei Jahrhunderte komplettes Verschwinden – und seit den 1990ern ein Wiederaufbau, der allein aus Spenden des Dorfes finanziert wurde.

  • Erste urkundliche Erwähnung: 21. Juli 1390, in einem Dokument der Adelsfamilie Dragoș.
  • 1791: Auflösung des Klosters unter Kaiser Joseph II., Standort verlassen, zwei Jahrhunderte Stillstand.
  • 1993: Wiedergründung als Nonnenkloster. Die neue Klosterkirche entstand 1993–1995, finanziert ausschließlich aus Spenden der Bârsaner.
  • Klosterkirche heute: 57 Meter hoch – eine der höchsten Holzkirchen Europas, bis 2003 sogar die höchste auf dem Kontinent (abgelöst von der Săpânța-Peri-Kirche, ebenfalls in Maramureș).
  • Bauverantwortliche, namentlich bekannt: Architekt Dorel Cordoș. Maler der Innenfresken Octavian Ciocşan. Zimmerleute Ioan Știopei Buga, Petru Boris, Vasile Rus, Toader Bârsan, Ioan Bârsan, Petru Iura – sechs Männer aus der Region.
  • Die 14 Gebäude des Komplexes (laut Infotafel): Klosterkirche (Soborul Sf. Apostoli), Glockenturm (Turnul Clopotniță), Museum (Muzeul Mănăstirii), Kulturzentrum (Centrul cultural „Episcopul Gavril de Bârsana“), Festsaal (Prăznicarul), Nonnenhaus (Casa monahală), Zellen (Chilii), Priorat (Stăreția), Beichtvaterhaus (Casa Duhovnicului), Fürstenhaus (Casa Voievodală), Weihwasser-Kapelle (Aghiasmatar), Sommer-Altar (Altar de vară), Maramureș-Tor (Poartă maramureșeană) und das Wegkreuz (Troiță).

Architektur und Innenraum

Ein paar Schritte weiter steht der Prăznicarul, der Festsaal: ein langgestrecktes Holzgebäude mit umlaufender Galerie, das in seiner Schlichtheit fast mehr beeindruckt als die Türme nebenan. Wenn das Kloster groß einlädt – an Patronatsfesten oder zu Ostern – wird hier gegessen, gesungen, geredet.

Dahinter, ein Stück abseits, steht ein einzeln stehendes Maramureș-Wohnhaus – die Stăreția, das Priorat. Zweigeschossig, mit Treppenturm in der Mitte, hohem Schindeldach. Wer in den Dörfern entlang des Iza-Tals unterwegs ist, erkennt diesen Haustyp wieder: So bauen die Maramurescher seit Jahrhunderten ihre Häuser, mit denselben Mitteln, mit denen sie ihre Kirchen errichten.

Stăreția (Priorat) im Kloster Bârsana in der rumänischen Region Maramureș
Die Stăreția – auf Deutsch das Priorat bzw. Leitungshaus – gehört zu den wichtigsten Gebäuden der Klosteranlage von Bârsana.

Dann hole ich die Drohne raus. Mittlerweile ist sie heute zum dritten Mal in der Luft – aber genau dafür habe ich die Drohne ja dabei.

Kloster Bârsana in Maramureș aus der Luft mit Holzkirchen und Klosteranlage
Aus der Luft wird klar, was vom Boden nicht zu erkennen ist: Das Kloster sitzt wie ein Modell auf einem grünen Plateau, eingebettet ins Iza-Tal. Schon vor 1791 stand hier ein Kloster. 1993 bauten die Bewohner Bârsanas an dieser Stelle neu – Balken für Balken, in der alten Holztradition der Maramureș.

Von oben sieht das Kloster nochmal komplett anders aus. Klar verteilt auf einem grünen Plateau, eingerahmt von den Hügeln des Iza-Tals, die Holztürme stechen heraus wie schmale Nadeln.

Video: Drohnenflug an den Holztürmen vorbei – die gesamte Klosteranlage einmal aus der Luft, alles in Bewegung.

Drinnen, unter dem hölzernen Tonnengewölbe der Klosterkirche, ändert sich der Ton noch einmal. Die Wände sind komplett bemalt, mit Heiligen-Szenen über Heiligen-Szenen, und mittendrin: Inschriften in kyrillischer Schrift. Eine Schreibtradition, die im offiziellen Rumänien längst durch das lateinische Alphabet ersetzt wurde – im Inneren dieser Kirche lebt sie weiter.

Innenraum der 57 Meter hohen Klosterkirche „Biserica Soborul Sfinților Apostoli“ in Bârsana
Blick in die Klosterkirche – „Biserica Soborul Sf. Apostoli“ – mit dem charakteristischen Spitzturm. Unter dem hölzernen Tonnengewölbe Fresken von Octavian Ciocşan mit Inschriften in kyrillischer Schrift.

Wer hier eigentlich lebt?

Etwa fünfzehn Schwestern leben dauerhaft im Kloster, geleitet seit 1994 von Äbtissin Mutter Filofteia Oltean, die den gesamten Wiederaufbau begleitet hat. Morgens und abends um sieben ist Liturgie, dazwischen pflegen die Schwestern Gärten und Werkstätten, malen Ikonen, betreuen Pilger. An ruhigen Tagen wie unserem Karfreitag wirkt alles fast unscheinbar – am Patronatsfest am 30. Juni füllen Zehntausende Gläubige denselben Hof.

Wer bei den vielen Holzhäusern nun glaubt, jede Schwester habe hier ihr eigenes kleines Häuschen, liegt allerdings daneben. Die Gemeinschaft lebt zusammen in der dreigeschossigen Casa monahală, dem Nonnenhaus mit den einzelnen, schlicht gehaltenen Zellen. Die übrigen Gebäude haben fast alle ihre eigene Aufgabe: Museum, Kulturzentrum, Festsaal, Äbtissinnenhaus, Beichtvaterhaus, Weihwasserkapelle oder Sommeraltar. Bârsana ist damit fast ein kleines Dorf aus Holz – nur dass die Häuser hier nicht zum Wohnen, sondern überwiegend zum Arbeiten, Beten und für das gemeinschaftliche Klosterleben gebaut wurden.

Bild 01:
Der Blick von der erhöhten Holzgalerie der 57 Meter hohen Klosterkirche zeigt, wie weitläufig die Anlage von Bârsana tatsächlich ist. Im Zentrum steht der überdachte Sommeraltar, dahinter verteilen sich die verschiedenen Klostergebäude zwischen Gärten und Wegen.

Bild 02:
Groß und klein unmittelbar nebeneinander: Hinter dem Aghiasmatar, der offenen Weihwasser-Kapelle, erhebt sich das Kulturzentrum „Episcopul Gavril de Bârsana“. Beide Gebäude zeigen, wie unterschiedlich die einzelnen Zweckbauten innerhalb der Klosteranlage gestaltet sind.

Bild 03:
Der Aghiasmatar dient der Segnung und Ausgabe von Weihwasser. Besonders sehenswert ist die Holzkonstruktion: Fast jede Säule und jeder Bogen ist mit traditionellen Schnitzmustern der Maramureș verziert.

Bild 04:
Die Casa Voievodală trägt ihren Namen in Erinnerung an die Woiwoden, die mit der Geschichte des alten Klosters verbunden sind. Der heutige Bau ist allerdings nicht historisch, sondern Teil der modernen Klosteranlage und greift bewusst die traditionelle Holzarchitektur der Maramureș auf.

Bild 05:
Zwei Häuser, zwei völlig unterschiedliche Aufgaben: Links steht der Prăznicarul mit der Trapeza, dem gemeinschaftlichen Speisesaal des Klosters. Rechts dahinter liegt die Casa monahală – das Wohnhaus der Nonnen. Damit wird auch sichtbar, dass Bârsana nicht nur eine Ansammlung schöner Holzbauten ist, sondern ein funktionierendes Kloster mit eigenen Bereichen zum Wohnen, Arbeiten und gemeinsamen Essen.

Das Klostermuseum – klein, aber mit doppeltem Boden

Wer meint, ein Klostermuseum in einem Maramureș-Dorf sei schnell abgehakt, liegt hier daneben. Offiziell heißt es „Muzeul de icoane și carte veche «Episcopul Gavril de Bârsana»“, und hinter dem sperrigen Namen steckt eine kleine Rettungsgeschichte: verwahrt werden rund 333 alte Bücher aus den Jahren 1561 bis 1830 und etwa fünfzig Ikonen – und zwar nicht nur aus Bârsana, sondern zusammengetragen aus mehreren Pfarreien der Maramureș. Der aufgeschlagene Liturghier, eine slawische Handschrift von 1654, stammt aus Vișeu de Mijloc, der älteste Band von 1561 aus Vișeu de Sus. Ein kleines Fort Knox für sakrale Handschriften – nur mit deutlich weniger Sicherheitsglas, als den Stücken guttäte.

Bei den Ikonen gibt es ein Wiedersehen: Viele tragen die Handschrift von Toader Hodor, der 1808 die Festtagsikonen der Bârsana-Kirche malte und Barock und Rokoko in die Maramureș-Malerei brachte – gut zweihundert Jahre, bevor der erste Innenarchitekt „Stilbruch“ als Kompliment meinte. Und diese Bilder hatten einen Job: In Dörfern, in denen kaum jemand lesen konnte, waren die bemalten Tafeln die Bibel für die Augen – Szene für Szene, von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. Keine naive Volkskunst, sondern Unterricht an der Wand.

Bild 01:
Im Inneren des Museums wird die traditionelle Holzarchitektur selbst zum Teil der Ausstellung. Auf mehreren Ebenen verteilen sich historische Ikonen, alte Bücher und kirchliche Gegenstände aus Bârsana und der Maramureș.

Bild 02:
Die Ikone zeigt die Heilige Paraschiva und stammt aus dem Jahr 1792. Ursprünglich gehörte sie zur Pfarrei Rona de Jos in der Maramureș und ist heute Teil der Sammlung des Klostermuseums von Bârsana.

Bild 03:
Fast 400 Jahre haben diese Seiten überstanden: Das illustrierte slawische Manuskript von 1654 stammt aus der Pfarrei Vișeu de Mijloc. Besonders eindrucksvoll sind die handgeschriebene Schrift und die noch erhaltene farbige Illustration.

Bild 04:
Ein Teil des 1808 von Toader Hodor und Ioan Plohod geschaffenen Festtagsikonen-Zyklus. Die kleinen Tafeln gehörten zur Ikonostase der alten Holzkirche von Bârsana und erzählen Szene für Szene Geschichten aus dem Leben Christi und Mariens.

Bild 05:
Nicht nur die Exponate sind einen Blick wert. Auch das Museumsgebäude selbst zeigt die für Bârsana typische Holzbaukunst: massive Balken, offene Galerien und geschnitzte Stützen ziehen sich über mehrere Ebenen durch den Innenraum.

Bild 06:
Das Museum bewahrt nicht nur religiöse Kunst und alte Bücher. Zur Sammlung gehören auch traditionelle Trachten der Maramureș – darunter weiße, von Hand verzierte Hemden und Gewänder sowie weitere Kleidungsstücke aus der Region.

Und dann dieser eine Grabstein

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Traditionelle Holzkreuze mit kleinen Schindeldächern prägen den Friedhof von Bârsana, dahinter ragt die Klosterkirche über die Anlage.

Fast beiläufig, am Rand des Klosterfriedhofs, dieser eine Grabstein. Zwischen orthodoxen Kreuzen und geschnitztem Holz liegt hier – ausgerechnet – eine französische Physikerin: Yvette Cauchois, 1908 bis 1999, Professorin in Paris und Bukarest. In die Grabplatte ist ein Atommodell graviert. Damit hatte ich in der Maramureș wirklich nicht gerechnet.

Cauchois war keine Randfigur. Sie war Pionierin der Röntgenspektroskopie – ein ganzer Spektrografen-Typ trägt bis heute ihren Namen – und gehörte zu den Wegbereiterinnen der europäischen Synchrotronforschung. Ihr halbes Leben verbrachte sie damit, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Über rumänische Kollegen und die Universität Bukarest fand sie einen Draht nach Rumänien, und nach Gesprächen mit einem Priester des Klosters den Entschluss, sich orthodox taufen zu lassen. 1999 reiste sie mit 90 Jahren in die Maramureș, ließ sich taufen, erkrankte – und starb hier im November. Bestattet wurde sie in Bârsana; ihr Vermögen vermachte sie dem Kloster.

Grab der französischen Physikerin Yvette Cauchois auf dem Friedhof des Klosters Bârsana in Rumänien
Das Grab von Yvette Cauchois fällt zwischen den Holzkreuzen sofort auf: Die Gedenktafel zeigt ein stilisiertes Atom – ein Hinweis auf das Lebenswerk der französischen Röntgenphysikerin.

Eine Frau, die das Innerste der Materie vermessen hat, findet ihre letzte Ruhe an einem Ort, an dem seit Jahrhunderten Balken auf Balken aus Holz gebaut wird. Wissenschaft und Glaube, sonst gern als Gegner inszeniert, teilen sich hier ausgesprochen friedlich denselben Hügel.

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Tipps und Infos für deinen Besuch

Was kostet der Eintritt ins Kloster Bârsana

Eintritt? Fehlanzeige – und zwar nicht nur an unserem Karfreitag. Die Klosteranlage von Bârsana ist frei zugänglich und praktisch von früh bis spät geöffnet. Ein Kassenhäuschen für den Besuch des Klosters gibt es nicht. Wer also nur durch die Anlage gehen, die Kirche besuchen und sich die außergewöhnliche Holzarchitektur anschauen möchte, kann das kostenlos tun. Lediglich das Museum hat feste Öffnungszeiten und kostet Eintritt. Erwachsene zahlen 5 Lei, umgerechnet etwa einen Euro, Kinder 1 Leu – also gerade einmal rund 20 Cent.

Parken

Parkplätze gibt es direkt unterhalb der Anlage mehr als genug – für Pkw, Motorräder und Wohnmobile ist reichlich Platz vorhanden, und das kostenlos. Enge oder Parkplatzsuche muss hier niemand fürchten.

Toiletten

Toiletten sind vorhanden. Unten am Parkplatz sind sie kostenpflichtig, oben im Kloster kostenlos – zu finden hinter der großen Klosterkirche mit dem 57-Meter-Turm, auf der linken Seite.

Essen danach

Wer nach dem Besuch Hunger hat, wird an einem Imbiss fündig. Empfehlenswert sind die Plăcintă – die herzhaft oder süß gefüllten Teigfladen der Region.

Erst die UNESCO-Kirche, dann das Kloster Bârsana

Einen Kilometer weiter, oben auf dem Hügel Jbâr, steht die wesentlich ältere und eigentliche Welterbe-Kirche: „Intrarea Maicii Domnului în Biserică“ – Mariä Tempelgang. Sie wurde vor rund dreihundert Jahren als Dank für die Errettung von der Pest gebaut und gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe – nicht das Kloster selbst. Wenn du beide sehen willst, fahr zuerst hinauf zur alten Holzkirche und erst danach hinunter ins Tal zum Kloster: In dieser Reihenfolge wirkt die kleine, alte Kirche nicht bescheiden neben dem 57-Meter-Turm, sondern du erkennst, worauf das Kloster handwerklich aufbaut. Ihre ganz eigene Geschichte habe ich in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben: Mariä Tempelgang – die UNESCO-Holzkirche von Bârsana.


Die Holzkirchen von Bârsana – Fazit

Was von Bârsana bleibt, ist weniger ein einzelnes Gebäude als das Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Die hohen Holztürme, die geschnitzten Balken, der Geruch des Holzes und die orthodoxen Malereien schaffen eine Atmosphäre, die selbst Menschen erreicht, die mit Religion sonst wenig anfangen können. Das Kloster beeindruckt nicht durch Größe allein, sondern durch die Art, wie Architektur, Landschaft und Geschichte hier zusammenwirken.

Ich war inzwischen mehrmals hier – vom verschneiten April über den satten Frühsommer bis in den goldenen Herbst –, und deshalb siehst du in diesem Beitrag auch Bilder aus unterschiedlichen Jahreszeiten. Und ganz ehrlich: Ich entdecke bei jedem Besuch neue Details. Eine Balkeninschrift, ein Dachdetail, eine Grabplatte, an der ich vorher einfach vorbeigelaufen bin. Genau das hat diesen Beitrag über einen mittlerweile ziemlich langen Zeitraum immer weiter wachsen lassen und bereichert. Wer Rumänien entdecken will und dabei abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs ist, kommt an den Holzkirchen der Maramureș eigentlich nicht vorbei.

Wer Bârsana, das Iza-Tal und die anderen Highlights der Maramureș zusammen erleben will – auf meiner geführten Wohnmobilreise durch Rumänien ist das Tag 6.

Nächstes Ziel: der „Fröhliche Friedhof“ von Săpânța

Wir werfen noch einen letzten Blick auf die Türme von Bârsana, steigen zurück ins Wohnmobil und rollen langsam wieder vom Klosterberg hinunter. Lange bleiben können wir heute nicht mehr, denn der Tag hat noch einen letzten Programmpunkt auf Lager. Und der hat einen Namen, den man so vermutlich auch nur in Rumänien erfinden kann: der „Fröhliche Friedhof“ von Săpânța. Noch knapp eine Stunde Fahrt, dann stehen wir zwischen bunten Holzkreuzen, schrägen Sprüchen und einem Ort, an dem selbst der Tod offenbar etwas lockerer genommen wird als anderswo.

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