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Bulgarien: Meine 15 Highlights – mit Karte und einer unvergesslichen Nacht in Melnik

Schmale Wasserschleier fallen über dicht mit Moos bewachsene Felsvorsprünge an den Krushuna-Wasserfällen
Wie ein Vorhang aus Wasser: Zwischen moosbewachsenen Felsvorsprüngen fallen die Krushuna-Wasserfälle in feinen Bahnen hinab.

Meine Bulgarien-Erfahrungen: Wie Melnik mir in Erinnerung blieb

Die Handtasche war weg. Mein Verstand vorübergehend auch.

Meine erste nachhaltig wirkende Begegnung mit Bulgarien endete mit einer verschwundenen Handtasche, einem vierstelligen Geldbetrag und einem Kopf, der für die Bearbeitung solcher Vorgänge vorübergehend nicht zur Verfügung stand.

Wir waren damals mit dem Auto auf dem Weg nach Kreta. Meine damalige Freundin und ich. Rund um Sofia erinnere ich mich an Verkehrsschilder, die ihren Informationsauftrag nur in Teilzeit erfüllten. Halbe Schilder, dreiviertel Schilder – die vollständige Richtung mussten wir uns offenbar selbst zusammenstellen. Bulgarien traute seinen Gästen etwas zu.

Irgendwann landeten wir in Melnik und nahmen uns ein Zimmer. Ich meine, es kostete 30 D-Mark. Ganz sicher bin ich nicht mehr. Es war jedenfalls zu einer Zeit, als man sein Urlaubsbudget noch in D-Mark berechnete und anschließend einen beträchtlichen Teil davon in einer Handtasche durch Europa fuhr. Unser Sicherheitskonzept hatte einen Reißverschluss.

Am Abend gingen wir in eine Taverne. Wir lernten ein bulgarisches Pärchen kennen, kamen ins Gespräch und tranken miteinander. Ob es Wein war oder selbst gebrannter Schnaps, bekomme ich heute nicht mehr zuverlässig zusammen. Die Buchhaltung dieses Abends weist Lücken auf. Dass es ein geselliger Abend war, weiß ich noch. Dass ich irgendwann besser auf Wasser umgestiegen wäre, weiß ich inzwischen ebenfalls.

Am nächsten Morgen kam meine Freundin: Die Handtasche war weg. Darin steckte der Großteil unseres Reisegeldes. Ein vierstelliger Betrag.

Das wäre ein guter Moment gewesen, um hellwach zu werden, Verantwortung zu übernehmen und die nächsten Schritte einzuleiten. Ich entschied mich körperlich zunächst dafür, einen Kopf zu haben.

Selbst die Aussicht, dass unser Kreta-Urlaub gerade ohne uns weiterreiste, drang nur langsam zu mir durch. Ein bisschen Geld hatte ich noch bei mir. Für einen bescheideneren Urlaub in Bulgarien hätte es wohl gereicht. Das war unser Notfallplan. Griechenland war in diesem Moment eine Frage der Liquidität.

Meine Freundin ging noch einmal zur Taverne und kam mit schlechten Nachrichten zurück: keine Tasche da. Wir erzählten unserer Vermieterin, was passiert war. Dann frühstückten wir. Ich war dabei überwiegend als anwesend zu betrachten.

Schließlich kam die Vermieterin zurück: Die Tasche war da. Das Geld auch. Alles vollständig.

Nichts fehlte.

Ich hatte an diesem Morgen erhebliche Schwierigkeiten, klare Gedanken zu fassen. Aber das verstand ich. Und es hat mich tief beeindruckt: Da lag unser Urlaubsgeld in einer verschwunden geglaubten Handtasche, und wir bekamen einfach alles zurück. Wer sie gefunden hatte und wie genau sie wieder auftauchte, kann ich heute nicht mehr rekonstruieren. Dass nichts fehlte, habe ich nie vergessen.

Danach ging es weiter nach Griechenland. Kreta fand statt. Bulgarien blieb hängen.

Wenn ich heute an Melnik denke, sehe ich deshalb auch diese Taverne, unsere Vermieterin und einen Morgen, an dem andere Menschen wesentlich besser auf unser Urlaubsgeld aufgepasst hatten als wir selbst.

Mit dieser Erinnerung beginnt meine Auswahl von 15 Highlights in Bulgarien. Die Nummern findest du genauso auf der Karte wieder: zum Orientieren, Planen und Selberlosfahren.

Die Handtasche würde ich diesmal mitnehmen.

Bulgarien Sehenswürdigkeiten: 15 Highlights auf der Karte

01 – Magura-Höhle | 02 – Belogradtschik-Felsen und Festung | 03 – Prohodna-Höhle („Augen Gottes“) | 04 – Devetashka-Höhle | 05 – Krushuna-Wasserfälle | 06 – Felsenkirchen von Iwanowo | 07 – Weliko Tarnowo | 08 – Reiter von Madara | 09 – Nessebar | 10 – Buzludzha-Monument | 11 – Schipkapass und Freiheitsdenkmal | 12 – Plowdiw | 13 – Rila-Kloster | 14 – Melnik | 15 – Perperikon

Bulgarien-Karte in Google Maps öffnen

01 – Magura-Höhle

Die Magura-Höhle im äußersten Nordwesten Bulgariens verbindet unterirdische Felslandschaften mit prähistorischer Kunst. Beleuchtete Wege führen durch weitläufige Räume; in einer separaten Galerie tragen die Wände Hunderte Zeichnungen: menschliche Gestalten mit erhobenen Armen, Tiere und rätselhafte Zeichen. Lange bevor jemand Urlaubsfotos sortieren musste, hinterließen hier Menschen ihre Bilder direkt am Fels.

Das ungewöhnliche Malmittel: Fledermaus-Guano, also Fledermauskot. Bei der Materialbeschaffung war die Höhle offenbar gut aufgestellt. Die Figuren wirken stellenweise schlicht, ihre Bedeutung ist jedoch nicht immer eindeutig. Einige Zeichen werden als Sonnenkalender interpretiert. Eine spannende Deutung – auch ohne ihnen gleich den Titel „ältester Kalender Europas“ umzuhängen.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1–2 Stunden für den Höhlenbesuch ein.

Zugang: Auf dem Rundgang gibt es Treppen und feuchte, teils rutschige Abschnitte. Feste Schuhe und eine Jacke gehören ins Gepäck.

Gut zu wissen: Die Galerie mit den Malereien ist nicht automatisch Bestandteil des regulären Höhlenbesuchs. Kläre vorab beim Betreiber, ob sie aktuell zugänglich ist und welche Führungen angeboten werden. Der Höhlenbesuch ist kostenpflichtig.

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02 – Belogradtschik-Felsen und Festung

Rotbraune Felstürme ragen zwischen den Bäumen auf, und mittendrin sitzt die Festung Kaleto. Ein Bühnenbildner hätte diese Kulisse vermutlich wegen Übertreibung zurückbekommen. In Belogradtschik steht sie einfach herum. Treppen und Torgänge führen zwischen den Felsen hinauf; mit jedem Aufstieg öffnet sich ein anderer Blick auf die Landschaft.

Beim Festungsbau übernahm die Natur einen beträchtlichen Teil der Arbeit: Die steilen Felsen bildeten natürliche Schutzwände, die durch gemauerte Abschnitte ergänzt wurden. Schon die Römer nutzten die Lage; später bauten bulgarische Herrscher und die Osmanen die Anlage weiter aus. Zwischen Fels und Festungsmauer lässt sich bis heute erkennen, wie geschickt die Erbauer das vorhandene Gelände einbezogen. Warum eine Wand hochziehen, wenn der Berg schon eine geliefert hat?

Rotbraune Felsformationen der Festung Belogradtschik in Bulgarien mit geschwungener Treppe zum steinernen Tor.
In Belogradtschik hat die Natur beim Festungsbau kräftig mitgeholfen. Zwischen gewaltigen Felsen führt die Treppe hinauf zum Tor.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1,5–2,5 Stunden für die Festung und die Aussichtspunkte zwischen den Felsen ein. Für längere Wanderungen durch die Felslandschaft brauchst du zusätzliche Zeit.

Zugang: Zu den oberen Bereichen führen steile Treppen und schmale, unebene Passagen. Feste Schuhe sind sinnvoll; bei Nässe können die Felsen und Stufen rutschig werden.

Gut zu wissen: Der Festungsbesuch ist kostenpflichtig. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten vor deinem Besuch beim Betreiber, besonders außerhalb der Sommersaison.

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03 – Prohodna-Höhle bei Karlukowo, die „Augen Gottes“

In die Prohodna-Höhle gehst du auf einer Seite hinein und auf der anderen wieder hinaus. Dazwischen lohnt sich vor allem der Blick nach oben: Zwei große, annähernd mandelförmige Öffnungen durchbrechen die Felsdecke. Die „Augen Gottes“. Du legst den Kopf in den Nacken, und der Fels schaut zurück. Für einen Ort ohne Personal ist der Blickkontakt erstaunlich intensiv.

Die beiden Öffnungen sind auf natürliche Weise durch Verwitterung und Erosion entstanden. Bei Regen bekommt das Augenpaar einen zusätzlichen Ausdruck: Wasser fällt durch die Öffnungen und läuft über den Fels, sodass der Eindruck weinender Augen entstehen kann. Eine Höhle, deren Anblick selbst bei schlechtem Wetter noch eine Pointe bereithält.

Blick in die Prohodna-Höhle mit zwei hellen Deckenöffnungen, den „Augen Gottes“, über zerklüfteten Felsen.
Die „Augen Gottes“ lassen Tageslicht in die Prohodna-Höhle fallen. Der Blick nach oben gehört hier fest zum Besuchsprogramm.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 30–45 Minuten für den Höhlenbesuch ein. Für ausgiebige Fotopausen entsprechend länger.

Zugang: Vom Parkplatz führt ein kurzer Fußweg zur Höhle. Auf dem unbefestigten Weg und dem unebenen Höhlenboden ist etwas Trittsicherheit gefragt; bei Nässe kann es rutschig und schlammig werden.

Gut zu wissen: Die Höhle ist ohne regulären Führungsbetrieb frei zugänglich. Besuche sie bei Tageslicht, damit die natürlichen Deckenöffnungen zur Geltung kommen.

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04 – Devetashka-Höhle

Devetashka ist eine dieser Höhlen, bei denen der Kopf einen Moment braucht, um die Größenverhältnisse zu sortieren. Gewaltige Öffnungen durchbrechen die Decke und lassen Tageslicht in die Halle fallen. Zwischen Felswänden und grünen Bodenflächen wirkt der Raum beinahe wie ein überdachter Landschaftspark. Nur hat hier niemand vergessen, das Dach fertigzustellen.

Gewaltige Felsbögen und natürliche Deckenöffnungen über einem Besucherweg mit Holzgeländer in der Devetashka-Höhle.
Tageslicht fällt durch die großen Deckenöffnungen der Devetashka-Höhle. Darunter führt der Besucherweg zwischen Felsen und grünen Pflanzen hindurch.

Die Höhle diente als Drehort für „The Expendables 2“. Hollywood fand die Kulisse offenbar ebenso beeindruckend – allerdings ist sie auch ein wichtiges Fledermausquartier. Die Dreharbeiten 2011 sorgten wegen möglicher Auswirkungen auf die geschützten Tiere für heftige Kritik. Der Ort hat damit eine Geschichte, in der Actionkino und Naturschutz aufeinandertrafen. Für deinen Besuch darf das Drehbuch deutlich ruhiger ausfallen: schauen, fotografieren und die tierischen Bewohner möglichst wenig stören.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 45 Minuten bis eine Stunde für den zugänglichen Höhlenbereich ein.

Zugang: Ein kurzer Fußweg führt vom Parkplatz zum Höhleneingang. Im Inneren können die Wege feucht und uneben sein; feste Schuhe sind sinnvoll.

Gut zu wissen: Der Besuch ist kostenpflichtig. Zum Schutz der Fledermäuse können Bereiche zeitweise gesperrt sein. Prüfe aktuelle Zugangsbeschränkungen vor deinem Besuch und bleibe auf den freigegebenen Wegen.

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05 – Krushuna-Wasserfälle

In Krushuna nimmt das Wasser die Treppe: Über moosbewachsene Stufen fließt es in türkisgrüne Becken, sammelt sich kurz und zieht zur nächsten Kaskade weiter. Wege und kleine Brücken erschließen die Wasserlandschaft zwischen den Bäumen. Das sieht stellenweise aus, als hätte jemand bei der Farbkorrektur sehr entschieden am Regler gedreht.

Das Besondere steckt in den Stufen selbst: Das kalkreiche Wasser scheidet Kalk ab und baut damit nach und nach natürliche Ränder, Terrassen und Becken auf. Solche Ablagerungen heißen Kalksinter beziehungsweise Travertin. Du schaust hier auf eine Landschaft, an der das Wasser weiterarbeitet. Eine Baustelle, bei der sich das Zuschauen tatsächlich lohnt.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1–2 Stunden ein, je nachdem, wie viele der zugänglichen Wege du erkunden und wie lange du fotografieren möchtest.

Zugang: Die Wege führen über Brücken, Stufen und teils ansteigende Waldpfade. Feuchte Oberflächen können rutschig sein; feste Schuhe sind sinnvoll.

Gut zu wissen: Der Besuch ist kostenpflichtig. Beachte die ausgeschilderten Wege und mögliche Sperrungen. Die empfindlichen Kalkterrassen und Becken solltest du nicht betreten.

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06 – Felsenkirchen von Iwanowo

Im Tal des Russenski Lom ließen sich Mönche vor rund 800 Jahren direkt im Fels nieder. Sie erweiterten natürliche Höhlen zu Kirchen, Kapellen und Wohnräumen. Von außen wirken die Öffnungen in den hellen Felswänden unscheinbar. Im Inneren warten kunstvolle Wandmalereien. Bei der Fassadengestaltung blieb das Kloster zurückhaltend, für die Innenausstattung hatte es deutlich größere Ambitionen.

Zwischen den religiösen Darstellungen begegnet dir auch weltliche Macht: Stifterporträts erinnern an die bulgarischen Herrscher, die das Kloster unterstützten. Dazu gehört Zar Iwan Alexander. Solche Bilder zeigen, wie eng Glaube, Kunst und Herrschaft miteinander verbunden waren. Wer ein Kloster förderte, durfte offenbar auch darauf hoffen, an der Wand in Erinnerung zu bleiben. Die mittelalterlichen Fresken sind heute das besondere Kunstgut dieses Ortes.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1–1,5 Stunden einschließlich Auf- und Abstieg ein.

Zugang: Vom Parkplatz führt ein ansteigender Fußweg mit Treppen zur zugänglichen Felsenkirche. Feste Schuhe sind sinnvoll, besonders bei feuchtem Laub und nassen Stufen.

Gut zu wissen: Nur ein Teil der historischen Klosteranlage ist für Besucher zugänglich. Für die Besichtigung wird Eintritt erhoben. Prüfe die saisonalen Öffnungszeiten vor deinem Besuch und beachte die Hinweise zum Fotografieren der empfindlichen Wandmalereien.

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07 – Weliko Tarnowo

Weliko Tarnowo verteilt sich über die steilen Hänge an den Schleifen der Jantra. Die Häuser stehen übereinander, als hätten sie sich bei der Vergabe der Aussicht gegenseitig vorgedrängelt. Auf dem Zarewez-Hügel erhebt sich die Festung, einst Machtzentrum des Zweiten Bulgarischen Reiches. Zwischen Altstadtgassen, Treppen und Aussichtspunkten bekommt hier neben der Kamera auch die Wade etwas zu tun.

Panoramablick über Weliko Tarnowo mit der Jantra, mehreren Brücken und Häusern zwischen bewaldeten Hügeln.
Die Jantra schlängelt sich zwischen den Hügeln von Weliko Tarnowo hindurch. Häuser, Brücken und Festungsmauern verteilen sich über die steilen Hänge.

Die Überraschung wartet in der wiederaufgebauten Patriarchenkirche auf dem Festungshügel: moderne, ausdrucksstarke Wandbilder statt der erwarteten traditionellen Kirchenmalerei. Der Künstler Teofan Sokerow gestaltete sie 1985 mit Szenen der bulgarischen Geschichte. Dunkle Farben und markante Figuren geben dem Innenraum eine ungewöhnliche Wirkung. Wer nach dem Aufstieg nur kurz hineinschauen wollte, bleibt womöglich länger stehen. Die Beine dürften den spontanen Kunstgenuss unterstützen.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 2–3 Stunden für die Festung und einen ersten Rundgang durch die Altstadt ein. Mit Einkehr, Fotopausen und weiteren Besichtigungen lässt sich daraus gut ein halber Tag machen.

Zugang: Kopfsteinpflaster, Steigungen und Treppen prägen den Besuch. Der Weg zur Patriarchenkirche führt innerhalb der Festung weiter bergauf; bequeme, griffige Schuhe sind sinnvoll.

Gut zu wissen: Für die Festung wird Eintritt erhoben. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten vor deinem Besuch und beachte die Hinweise zum Fotografieren in der Patriarchenkirche.

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08 – Reiter von Madara

An einer rund 100 Meter hohen Felswand sitzt ein Reiter, der es seit etwa 1.300 Jahren erstaunlich wenig eilig hat. Rund 23 Meter über dem Boden sind Pferd, Reiter, Hund und ein besiegter Löwe in den Stein gearbeitet. Vom Fuß der Wand aus braucht das Auge einen Moment, um die verwitterten Figuren zu erkennen. Dann bekommt der Fels plötzlich eine Geschichte.

Das frühmittelalterliche Relief ist laut UNESCO ohne vergleichbares Gegenstück in Europa. Besonders aufschlussreich sind die griechischen Inschriften daneben: Sie berichten von Ereignissen unter frühen bulgarischen Herrschern. Eine Regierungsbilanz in Stein – aufwendig in der Herstellung, dafür nachträglich nur mühsam umzuschreiben. Der Reiter ist damit zugleich Kunstwerk und historische Quelle aus der Anfangszeit des bulgarischen Staates.

Reiter von Madara als verwittertes Felsrelief mit Pferd, Hund und Löwe sowie Inschriften im umgebenden Gestein.
Eine Regierungsbilanz in Stein: Der Reiter von Madara und die umliegenden Inschriften erzählen aus der frühen Geschichte des bulgarischen Staates.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1–1,5 Stunden für das Relief und die nähere Umgebung ein. Für einen zusätzlichen Aufstieg zur Festung auf dem Plateau brauchst du mehr Zeit.

Zugang: Zum Besichtigungsbereich führen Treppen bergauf. Der weitere Weg zum Plateau ist deutlich anspruchsvoller; feste Schuhe sind sinnvoll.

Gut zu wissen: Der Besuch ist kostenpflichtig. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten vorab. Ein Fernglas oder ein Teleobjektiv hilft, Einzelheiten des hoch gelegenen Reliefs zu erkennen.

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09 – Nessebar

Die Altstadt von Nessebar liegt auf einer kleinen Halbinsel im Schwarzen Meer, verbunden mit dem Festland durch einen schmalen Damm. Zwischen Kopfsteingassen, Häusern mit hölzernen Obergeschossen und alten Kirchen bleibt das Wasser stets in der Nähe. Souvenirläden gibt es ebenfalls reichlich. Die mittelalterlichen Mauern haben allerdings schon einiges überstanden – sie werden vermutlich auch die Kühlschrankmagnete überleben.

Ein Teil des antiken Mesambria, wie Nessebar früher hieß, liegt heute unter Wasser. Unterwasserarchäologen haben vor der Halbinsel Reste von Befestigungsmauern, Türmen und Toren dokumentiert. Die historische Stadt reicht damit über das hinaus, was du bei deinem Rundgang sehen kannst. Beim Blick aufs Meer darfst du dir also vorstellen, dass die Stadtgeschichte unter der Wasseroberfläche weitergeht. Für diesen Teil der Besichtigung reichen bequeme Schuhe allerdings nicht mehr aus.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 2–3 Stunden für einen Altstadtrundgang ein. Mit Museumsbesuch, Kirchenbesichtigungen und einer Pause am Wasser entsprechend länger.

Zugang: Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Kopfsteinpflaster und einzelne Stufen machen bequeme, griffige Schuhe sinnvoll.

Gut zu wissen: Der Spaziergang durch die Altstadt ist kostenlos; einzelne Kirchen und Museen kosten Eintritt. Stelle das Wohnmobil auf einem dafür geeigneten Parkplatz außerhalb der engen Altstadtgassen ab.

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10 – Buzludzha-Monument

Auf einem Bergkamm steht ein Bauwerk, das aussieht, als hätte ein Raumschiff bei der Landung beschlossen, dauerhaft in Bulgarien zu bleiben. Eine gewaltige Betonscheibe, daneben ein hoher Turm: Das Buzludzha-Monument beherrscht die Berglandschaft. Schon von außen ist der Anblick ungewöhnlich genug, um die Kamera deutlich häufiger herauszuholen als ursprünglich geplant.

Luftaufnahme des Buzludzha-Monuments mit beschädigtem Runddach und hohem Betonturm im warmen Licht über den Bergen.
Als wäre es auf dem Bergkamm gelandet: Das Buzludzha-Monument mit seiner Betonscheibe und dem hohen Turm im Licht der tief stehenden Sonne.

Das 1981 eröffnete Monument war der bulgarischen sozialistischen Bewegung gewidmet. Hinter der grauen Betonhülle verbirgt sich eine überraschend aufwendige Ausstattung: Hunderte Quadratmeter Mosaiken erzählen mit Figuren, Porträts und politischen Symbolen die damalige Staatsgeschichte. Für dezente Inneneinrichtung war das System offenbar nicht zuständig. Heute arbeiten Fachleute daran, die gefährdeten Kunstwerke zu erhalten und dem Gebäude eine Zukunft zu geben.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 45 Minuten bis eine Stunde für die Außenbesichtigung und Fotopausen ein.

Zugang: Von den Parkmöglichkeiten unterhalb des Monuments geht es zu Fuß bergauf zum Gebäude. Oben bist du Wind und Wetter ausgesetzt; eine zusätzliche Jacke ist sinnvoll.

Gut zu wissen: Das Innere ist derzeit für Besucher geschlossen; auch die angebotenen Touren ermöglichen laut ⁠Besucherseite des Buzludzha Project keinen Zugang. Prüfe vor der Anfahrt die Wetter- und Straßenverhältnisse, besonders bei möglichem Schnee im Herbst.

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11 – Schipkapass und Freiheitsdenkmal

Über den Kamm des Balkangebirges führt der Schipkapass, darüber erhebt sich das wuchtige Freiheitsdenkmal. Wer die lange Treppe hinaufsteigt, bekommt Aussicht und Bewegung im selben Paket. Die genaue Stufenzahl merkt sich der Puls ohnehin besser als der Kopf. Das 1934 eingeweihte Denkmal erinnert an die russischen Soldaten und bulgarischen Freiwilligen, die hier 1877 den Pass gegen osmanische Truppen verteidigten.

Einen weiteren Besuch lohnt die Gedächtniskirche mit ihren goldenen Kuppeln im Ort Schipka. Ihre Glocken wurden aus eingesammelten Munitionshülsen gegossen; die schwerste wiegt rund zwölf Tonnen. Aus Kriegsmaterial wurde damit etwas, das zum Gedenken erklingt. Ein ungewöhnlicher Zusammenhang, der beim Blick auf die prächtige Kirche zunächst verborgen bleibt. ⁠Hintergrund zur Gedächtniskirche

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1–1,5 Stunden für das Freiheitsdenkmal ein. Für die Gedächtniskirche kommen etwa 30–45 Minuten sowie die Fahrt zwischen beiden Zielen hinzu.

Zugang: Der Aufstieg zum Denkmal führt über zahlreiche Treppen; wie lang er ausfällt, hängt vom Ausgangspunkt ab. Oben bist du Wind und Wetter ausgesetzt. Die Kirche liegt unten im Ort und lässt sich als eigener Stopp besuchen.

Gut zu wissen: Freiheitsdenkmal und Gedächtniskirche sind zwei getrennte Ziele. Prüfe vor der Fahrt die aktuellen Besichtigungszeiten und bei herbstlichem Wetter auch die Straßenverhältnisse am Pass.

Schipkapass und Freiheitsdenkmal auf Google Maps ansehen
Gedächtniskirche Schipka auf Google Maps ansehen

12 – Plowdiw

In Plowdiw führen Kopfsteingassen zwischen farbigen Kaufmannshäusern bergauf, deren Obergeschosse sich über die Straße schieben. Dazwischen öffnen sich Höfe und Ausblicke über die Stadt. Schon die Altstadt bietet genug Gründe zum Stehenbleiben. Die Römer haben allerdings ebenfalls etwas hinterlassen und möchten bei der Besichtigung berücksichtigt werden.

Ein römisches Stadion liegt teilweise unter der heutigen Einkaufsstraße. Am freigelegten nördlichen Ende kannst du in die antiken Zuschauerränge hinabschauen, während wenige Schritte weiter der Einkaufsbetrieb läuft. Früher Wettläufe, heute Sonderangebote – die Disziplinen haben sich verändert. Das antike Theater ist ein eigener Schauplatz: Seine steinernen Sitzreihen schmiegen sich an den Hang, und die Bühne wird auch heute für Aufführungen genutzt. Geschichte gehört in Plowdiw ganz selbstverständlich zum Stadtleben.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 2–3 Stunden für einen ersten Rundgang mit Altstadt, Theater und Stadion ein. Mit Hausbesichtigungen, Fotopausen und Einkehr lohnt sich ein halber bis ganzer Tag.

Zugang: In der Altstadt erwarten dich Kopfsteinpflaster, Steigungen und Treppen. Das freigelegte Stadion liegt unterhalb des heutigen Straßenniveaus und lässt sich von der Fußgängerzone aus betrachten.

Gut zu wissen: Für die Besichtigung des Theaters wird Eintritt erhoben. Prüfe vorab die aktuellen Besuchszeiten; bei Veranstaltungen kann der Zugang eingeschränkt sein. Theater und Stadion sind zwei verschiedene Sehenswürdigkeiten.

Antikes Theater von Plowdiw auf Google Maps ansehen

Römisches Stadion von Plowdiw auf Google Maps ansehen

13 – Rila-Kloster

Im Innenhof des Rila-Klosters gibt es für die Augen reichlich Arbeit: gestreifte Bögen, mehrgeschossige Galerien und eine Kirche, deren bemalte Außenwände schon vor dem Betreten zum Stehenbleiben einladen. Dahinter erheben sich bewaldete Berghänge. Wer hier nur schnell ein Foto machen möchte, sollte „schnell“ vorsichtshalber großzügig auslegen.

Die Überraschung liegt im Alter der Gebäude: Ein großer Teil der heutigen Anlage stammt aus dem 19. Jahrhundert. Nach dem verheerenden Brand von 1833 wurde das Kloster mit Unterstützung zahlreicher Spender wiederaufgebaut. Der mittelalterliche Hrelju-Turm von 1335 überstand das Feuer und steht bis heute neben der deutlich jüngeren Hauptkirche. Er sieht zwischen all den bemalten Bögen ein wenig aus wie der nüchterne Verwandte auf einem sehr festlich gekleideten Familienfoto – und ist dabei einer der ältesten erhaltenen Teile der Anlage.

Menschen im Innenhof des Rila-Klosters, eine Frau mit brennender Kerze im Vordergrund, dahinter gestreifte Kirchenbögen und Bergwald.
Zwischen bemalten Kirchenbögen und mehrgeschossigen Galerien: Menschen im Innenhof des Rila-Klosters, im Vordergrund eine Frau mit einer brennenden Kerze.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 2–3 Stunden für Innenhof, Kirche und eine zusätzliche Museumsbesichtigung ein.

Zugang: Vom Parkplatz ist es nur ein kurzer Weg zur Klosteranlage. Im Hof erwarten dich Steinpflaster, beim Besuch weiterer Gebäudeteile auch Stufen und Treppen.

Gut zu wissen: Das Rila-Kloster ist ein aktives Kloster. Trage Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, und beachte die Fotografierverbote in den Innenräumen. Hof und Hauptkirche sind kostenlos zugänglich; für Museen und weitere Besichtigungsbereiche können Eintrittskosten anfallen. Prüfe deren aktuelle Öffnungszeiten vorab.

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14 – Melnik mit Sandpyramiden, Kordopulov-Haus und Kloster Roschen

Melnik liegt zwischen hellen Sandpyramiden, deren steile Flanken und Spitzen die Häuser weit überragen. Dazwischen stehen traditionelle Wohnhäuser, Tavernen und Weinkeller. Der Ort ist überschaubar, die Kulisse hat deutlich großzügiger geplant. Für mich gehört außerdem die Handtaschen-Geschichte vom Anfang dazu. Andere erinnern sich an Sehenswürdigkeiten, ich zusätzlich an einen Morgen mit eingeschränkter geistiger Erreichbarkeit.

Helle Sandpyramiden bei Melnik mit steilen Flanken und spitzen Graten zwischen dicht bewachsenen Schluchten.
Bei Melnik hat die Landschaft großzügig geplant: Helle Sandpyramiden ragen zwischen bewaldeten Schluchten auf.

Besonders anschaulich wird Melniks Weinhandel im Kordopulov-Haus von 1754 mit seinem in den Fels gegrabenen Weinkeller. Oben zeigt das Kaufmannshaus den damaligen Wohlstand, darunter bot das Gestein günstige Bedingungen zur Lagerung des Weins. Der Berg lieferte gewissermaßen den Keller gleich mit. Ergänzen lässt sich der Besuch durch das nahe gelegene Kloster Roschen, das dieselbe Landschaft aus einer anderen Perspektive erschließt.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1,5–2 Stunden für den Ort und erste Ausblicke auf die Sandpyramiden ein. Für das Kordopulov-Haus mit Weinkeller kommen etwa 45–60 Minuten hinzu, für das Kloster Roschen weitere 30–60 Minuten zuzüglich Fahrt. Zusammen lohnt sich ein guter halber Tag.

Zugang: Im Ort gibt es Pflasterwege und Steigungen; zum Kordopulov-Haus führen Gassen und Stufen hinauf. Die Wege zu erhöhten Aussichtspunkten können steil und uneben sein. Das Kloster Roschen lässt sich separat mit dem Fahrzeug anfahren.

Gut zu wissen: Für das Kordopulov-Haus wird Eintritt erhoben. Prüfe die aktuellen Besichtigungszeiten von Haus und Kloster vorab. Eine Wanderung durch die Sandpyramiden braucht zusätzliche Zeit und ist in den Angaben oben nicht enthalten.

Melnik auf Google Maps ansehen
Kordopulov-Haus auf Google Maps ansehen
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15 – Perperikon

In Perperikon wurde der Berg selbst zum Baumaterial: Treppen, Durchgänge und Becken sind direkt in den Fels gearbeitet, dazwischen stehen Mauerreste aus verschiedenen Epochen. Beim Rundgang durch die weitläufige Anlage fällt es manchmal schwer, natürliche Felsformen und menschliche Arbeit auseinanderzuhalten. Wer hier einen Raum vergrößern wollte, brauchte jedenfalls mehr als einen freien Samstag und einen Baumarkt in der Nähe.

Senkrechte Luftaufnahme von Perperikon mit steinernen Raumgrundrissen, bearbeiteten Felsen und hölzernen Besucherstegen.
Von oben bekommt Perperikon einen Grundriss: Zwischen Felsen und Mauerresten zeichnen sich Räume, Durchgänge und Wege ab.

Besonders spannend ist die Deutung des Ortes als Standort eines antiken Dionysos-Heiligtums mit Orakel. Mit diesem Heiligtum werden Weissagungen über Alexander den Großen und den späteren Kaiser Augustus verbunden. Die Zuordnung zu Perperikon ist jedoch eine archäologische These, keine zweifelsfrei gesicherte Tatsache. Die sichtbaren Überreste geben auch ohne berühmte Namen genug her: An Felsräumen, Wasserbehältern und späteren Befestigungen lässt sich entdecken, wie unterschiedlich Menschen diesen Berg über lange Zeit nutzten.

Zeitbedarf: Plane ungefähr 1,5–2,5 Stunden einschließlich Auf- und Abstieg ein. Für einen ausführlichen Rundgang mit Fotopausen entsprechend länger.

Zugang: Vom Parkplatz führt ein ansteigender Weg zur Anlage. Oben erwarten dich unebene Felsstufen und schmale Passagen, teilweise ohne Geländer. Feste Schuhe und Trittsicherheit sind wichtig; bei Nässe können die Felsen rutschig werden.

Gut zu wissen: Der Besuch ist kostenpflichtig. Im offenen Gelände gibt es wenig Schatten – nimm Wasser und bei sonnigem Wetter Sonnenschutz mit. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten vor der Anfahrt.

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Bulgarien hat mehr verdient als einen Platz auf der Durchreise

Bei meiner ersten Reise war Bulgarien die Strecke zwischen Rumänien und Türkei. Dann kam Melnik – und mit diesem Ort eine Erinnerung, die deutlich länger gehalten hat als mein damaliger Kater. Heute reicht ein Blick auf die Karte, um zu sehen: Hier gibt es genug Gründe, öfter den Motor abzustellen.

Diese 15 Highlights sind meine Auswahl dafür. Vielleicht zieht es dich zuerst unter die „Augen Gottes“, zwischen die Felsen von Belogradtschik oder in einen Weinkeller in Melnik. Die Karte hilft beim Zusammenstellen, die Hinweise zu Zeitbedarf und Zugang beim Einschätzen. Alles auf einmal muss es nicht sein. Bulgarien läuft schließlich nicht weg.

Wenn du eine größere Strecke durch die Region planst, findest du in meinem bereits erschienenen Roadtrip-Beitrag von Rumänien über Bulgarien in die Türkei weitere Erfahrungen zur Reise unterwegs.

Wie dieser Beitrag entstanden ist

Die Auswahl entstand aus meiner eigenen Reiseplanung im Rahmen einer geführten Balkan-Tour. Beim Recherchieren und Zusammenstellen der Karte wurde daraus dieser Beitrag: eine Sammlung von Orten, die ich teilweise bereits kenne und teilweise noch selbst besuchen möchte.

Die Geschichte aus Melnik habe ich selbst erlebt. Die Beschreibungen der noch nicht besuchten Ziele beruhen auf Recherche; für die Bebilderung kommen ergänzend lizenzierte Stockfotos zum Einsatz. Sie zeigen die vorgestellten Orte, dokumentieren aber keine eigenen Besuche.

Bis ich meine gesamte Auswahl vor Ort umgesetzt habe, werden voraussichtlich ein bis zwei Jahre vergehen. Nach und nach ergänze ich hier eigene Eindrücke, Fotos und ausführliche Beiträge zu den einzelnen Zielen. Diese Seite wächst mit meinen Reisen – und vielleicht liefert sie dir schon vorher eine Idee für deine eigene.

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