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Mostar mit dem Wohnmobil – die Alte Brücke, eiskaltes Wasser und Narben, die bleiben

Angekommen in der Herzegowina – und gleich mittendrin

Es gibt Orte, die du auf tausend Fotos gesehen hast, bevor du selbst dort steht – und die einen dann trotzdem umhauen. Die Stari Most, die Alte Brücke von Mostar, ist so einer. Aber Mostar ist mehr als sein berühmter Bogen: eine Stadt aus türkisem, eiskaltem Fluss, osmanischen Gassen, Minaretten – und Häuserfassaden, an denen der Krieg bis heute nicht ganz verheilt ist.

Nach meinem Besuch der alten Königsstadt Jajce mit ihrem berühmten Wasserfall führte mich meine Reise weiter Richtung Süden nach Mostar. Am Abend erreichte ich schließlich die Neretva – und damit eine Landschaft, die sich noch einmal deutlich anders anfühlt als das Bosnien-Herzegowina des Vortages.

Mostar mit dem Wohnmobil – Campingplatz und Parken

Angekommen bin ich am 3. Juli auf dem Neretva Camping, direkt am Fluss. Die Nacht war windig, angenehm kühl im Camper und vor allem: keine Mücken. Am nächsten Morgen habe ich ausgecheckt, bin ca. 1,5 Kilometer mit dem Camper weitergefahren und einen großzügigen Parkplatz auf dem Universitätscampus gefunden. Gegen elf Uhr ging es von dort zu Fuß in Richtung Altstadt – vorher noch ein Schwatz mit einem Camper aus dem Nachbarkreis. Wie das unter Campern eben so ist: Da fahre ich ein paar tausend Kilometer durch Europa und treffe jemanden, der praktisch von nebenan kommt.

Auf dem Campingplatz hatte ich übrigens ziemlich ungewöhnliche Nachbarn. Direkt neben mir stand ein ganzes Gespann liebevoll restaurierter ehemaliger Militärfahrzeuge – ein Mercedes-Lkw und mehrere schwere Ural. Die Fahrzeuge waren wirklich wunderschön hergerichtet und kamen, genau wie ihre Besitzer, aus Deutschland. Für eine Reise durch den Balkan jedenfalls keine schlechte Wahl: Wenn irgendwo eine Straße plötzlich beschließt, keine Straße mehr sein zu wollen, dürfte das mit diesen Dingern ziemlich entspannt bleiben. Mehr Geländefähigkeit geht vermutlich kaum.

Restaurierte historische Militärfahrzeuge auf dem Neretva Camping bei Mostar
Ungewöhnliche Nachbarn auf dem Neretva Camping: liebevoll restaurierte ehemalige Militärfahrzeuge aus Deutschland.
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Campingplatz und Parken mit dem Wohnmobil in Mostar

Einen kostenlosen Parkplatz habe ich auf dem Universitätscampus gefunden. Von hier sind es zu Fuß knapp 2 Kilometer bis zur Stari Most – ein ruhiger und schöner Spaziergang. Für mich mit dem Wohnmobil die entspannte Lösung: nicht versuchen, in die engen Straßen rund um die Altstadt hineinzufahren, sondern etwas außerhalb parken und Mostar zu Fuß erkunden.

Übernachtet habe ich im Neretva Camping – For Tents and Motorhomes, direkt an der Neretva. Den Campingplatz findest du hier über die [Koordinaten]. Für ein Wohnmobil wurden bei meinem Aufenthalt im Juli 2026 20 Euro pro Nacht plus 5 Euro pro Person berechnet. Für mich waren das also 25 Euro für die Nacht. Der Campingplatz war insgesamt in Ordnung.

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann vom Campingplatz aus Mostar übrigens auch vom Wasser aus entdecken. Angeboten wurde bei meinem Aufenthalt eine etwa 15 Kilometer lange Rafting-Tour auf der Neretva, die direkt am Campingplatz startet, unter acht Brücken hindurchführt und am Buna Channel endet. Angegeben waren zwei bis drei Stunden, tägliche Starts zwischen 9:30 und 11:30 Uhr und ein Preis von 35 Euro pro Person. Guide und Ausrüstung waren laut Aushang inklusive.

Parkplatz für Mostar auf dem Universitätscampus war bei meinem Besuch kostenlos.

Erster Eindruck – eine Stadt in Türkis

Der Weg in die Altstadt ist am Vormittag noch ruhig, wenige Menschen, die Stadt macht einen sauberen Eindruck. Mehrmals gehe ich über Brücken – und jedes Mal bleibt mein Blick am Fluss hängen. Die Neretva ist kein gewöhnliches Gewässer: leuchtend türkis, glasklar, fast unwirklich.

Ich stehe selbst unten am Wasser. Und es ist kalt. Richtig kalt. Die Neretva gilt als einer der kältesten Flüsse Europas – gespeist aus dem Dinarischen Gebirge führt sie auch im Hochsommer ausgesprochen kaltes Wasser. Wer das einmal gespürt hat, sieht den Brückenspringern später mit anderen Augen zu: Die springen nicht in irgendeinen lauen Fluss, sondern in verdammt kaltes Wasser.

Türkisfarbene Neretva in Mostar mit Bergen im Hintergrund
Türkis, glasklar und eiskalt: Die Neretva fließt mitten durch Mostar.
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Warum Mostar „Mostar“ heißt

Der Name der Stadt kommt von einer Berufsgruppe. Lange vor der steinernen Brücke hing hier eine hölzerne Kettenbrücke über der Neretva-Schlucht, die so sehr schwankte, dass die Menschen sie laut einer Museumstafel „in Todesangst“ überquerten. Bewacht wurde der Übergang von zwei Türmen und den mostari, den Brückenwächtern. Aus ihnen wurde der Stadtname: Mostar, erstmals 1474 erwähnt. Mostar ist also buchstäblich die Stadt der Brückenhüter – und trug seine Brücke im Namen, bevor es die berühmte überhaupt gab.

Durch die Altstadt – Basargassen und Minarette

Auf meinem Weg in der Altstadt fällt mir neben den Minaretten und osmanischen Gebäuden noch etwas anderes auf: einige der alten Häuser sind vollständig aus Naturstein gebaut – selbst die Dächer sind mit schweren Steinplatten gedeckt. Diese traditionelle Bauweise ist typisch für die Herzegowina und passt perfekt in die karge Karstlandschaft der Region. Viel davon sehe ich in Mostar allerdings nicht mehr.

Alte Natursteinhäuser mit traditionellen Steindächern in der Altstadt von Mostar
Alte Natursteinhäuser in Mostar: Selbst die Dächer sind noch mit traditionellen Steinplatten gedeckt.

Kujundžiluk, die alte Kupferschmiede- und Goldschmiedegasse direkt am Neretva-Ufer ist dagegen das touristische Herz der Altstadt. Ein Souvenirstand reiht sich an den nächsten, fast ohne Unterbrechung: bosnisches Kaffeezubehör, Kupferwaren, Gemälde, Deko, touristischer Kleinkram. Über den Dächern ragen immer wieder Minarette auf – das osmanische Erbe ist in diesem Teil der Altstadt kaum zu übersehen. Von wegen menschenleere Postkarte: Hier ist richtig was los, voll und touristisch, aber mit eigener Atmosphäre.

Belebte Basargasse Kujundžiluk in der Altstadt von Mostar
Voll, eng und lebendig: Im Kujundžiluk drängen sich Geschäfte, Restaurants und Besucher durch die Altstadt von Mostar.

Die Stari Most – der berühmte Bogen

Und dann stehe ich davor. Die Alte Brücke ist aus jeder Perspektive ein Motiv – ich fotografiere sie von überall, bevor ich sie selbst überquere. Sehr viele Besucher, entsprechend voll. Und ein Detail, das du erst oben merkst: Die Steinoberfläche ist extrem glatt, blank poliert von Millionen Schritten. Zum Glück sind quer schmale Steinleisten eingelassen, sonst würdest du ausrutschen. Der Anstieg ist steil, der Abstieg verlangt Vorsicht.

Schon der osmanische Reiseschriftsteller Evliya Çelebi war hingerissen: Er verglich die Brücke mit einem Regenbogen, der sich von einem Felsen zum anderen spannt – und schrieb, er habe sechzehn Reiche bereist, aber keine so hohe Brücke gesehen. Wer selbst davorsteht, versteht den Vergleich sofort.

Stari Most über der Neretva mit der Altstadt von Mostar und den Bergen im Hintergrund
Wie ein steinerner Regenbogen über der Neretva: die Stari Most inmitten der Altstadt von Mostar.
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Die Alte Brücke in Zahlen

  • Vollendet 1566. Baumeister war Mimar Hayreddin, ein Schüler des berühmten osmanischen Architekten Sinan. Ältere Reiseschreiber schrieben die Brücke Sinan selbst zu – im Museum wartet allerdings eine kleine historische Korrektur: Gebaut hat sie sein Schüler Mimar Hayreddin, der neun Jahre daran arbeitete – von 1557 bis 1566.
  • Der Bogen überspannt den Fluss mit knapp 29 Metern (28,62 m flussauf, 28,71 m flussab) – bei gerade einmal rund 90 Zentimetern Gewölbestärke und knapp vier Metern Breite.
  • Am 9. November 1993 wurde die Brücke im Krieg unter Artilleriebeschuss zerstört und stürzte in die Neretva – nach 427 Jahren.
  • 2004 wiedereröffnet: originalgetreu wieder aufgebaut, rund 30 % der Steine wurden aus dem Fluss geborgen. Seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe. Höhe über dem Wasser: rund 24 Meter.

Zwei Jahreszahlen für dasselbe Jahr

Auf den Tafeln im Museum begegnen mir für viele Ereignisse zwei Jahreszahlen – etwa 974 und 1566. Dahinter steckt kein Fehler, sondern die islamische Hidschra-Zeitrechnung neben unserer: Vollendung der Brücke 974/1566, die Brückentürme 1087/1676, eine spätere Reparatur 1150/1737. Kleine Sache, aber genau solche Details machen einen Museumsbesuch interessant.

(Nur 30 Meter flussaufwärts steht übrigens die kleine Kriva Ćuprija, die „Krumme Brücke“ über dem Neretva-Zufluss Radobolja – erbaut 1558, acht Jahre vor der Stari Most, und eine Art kleine Schwester der berühmten Brücke.)

Kriva Ćuprija über dem Fluss Radobolja in Mostar
Die Kriva Ćuprija über der Radobolja – die kleine Schwester der berühmten Stari Most.

Die Brückenspringer – eine Stunde umsonst

Ich wollte unbedingt einen Sprung von der Stari Most fotografieren. Also runter ans Wasser, ruhigen Standort gesucht, Kamera im Anschlag, Serienbild vorbereitet, damit der ganze Sprung drauf ist. Und dann: warten.

Brückenspringer wartet auf der Brüstung der Stari Most in Mostar
Oben auf der Stari Most steht der Springer bereit – für mich begann unten am Fluss das Warten.

Oben auf der Brücke standen die Springer. Immer wieder sah es aus, als ginge es jetzt gleich los – Anlauf angedeutet, Publikum gespannt – und dann passierte wieder nichts. Ich wartete weiter. Nach ungefähr einer Stunde kletterten die Männer schließlich wieder von der Brücke herunter, ohne gesprungen zu sein. Mein Eindruck in dem Moment: alles nur Show.

Mittagessen im „Hindin Han“ – und die Rache der Brücke

Irgendwann musste ich aber auch etwas essen. Ich kehre im Restaurant „Hindin Han“ ein, mitten im Stari Grad. Der Platz war zunächst leicht enttäuschend, weil ich keinen freien Blick auf die Stari Most hatte – nur einen der Brückentürme teilweise. Dafür liegt die Terrasse direkt am Wasser, an der Radobolja, dem kleinen Bach, der hier in die Neretva mündet (derselbe, über den die „Krumme Brücke“ führt).

Und wie sich bei genauerem Hinsehen herausstellte, hatte der vermeintlich schlechte Platz sein eigenes Unterhaltungsprogramm: Auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine kleinere Sprunganlage, von der immer wieder Leute ins Wasser sprangen – offenbar wurde dort geübt. So schaute ich beim Essen eben nicht der großen Brücke zu, sondern dem kleinen Sprungbetrieb am Fels.

Kleine Sprunganlage an der Radobolja in Mostar mit Springern am Felsen
Unterhaltungsprogramm beim Mittagessen: An der kleinen Sprunganlage gegenüber wurde immer wieder ins Wasser gesprungen.
Blick von der Terrasse des Hindin Han auf die Radobolja und die kleine Sprunganlage in Mostar
Keine Stari Most vor der Nase – dafür beim Essen freie Sicht auf das kleine Sprungprogramm an der Radobolja.

Bestellt habe ich Forelle – auf der Karte die Pastrmka sa roštilja, gegrillte Forelle mit Kartoffeln und Blitva, einem Mangoldgemüse, das ein bisschen wie Spinat aussieht. Dazu gab es ein Extraschälchen fein gehobelten Weißkohl. Das Ganze für 20 KM (rund 10 €).

Der Fisch: geschmacklich gut und saftig. Der „Krautsalat“ entpuppte sich als schlicht gehobelter Weißkohl, den ich mir selbst mit Öl, Essig, Salz und Pfeffer zurechtgemacht habe. Die Gurkenscheibe auf dem Salatteller hatte ihre besten Tage allerdings erkennbar hinter sich – wie viele genau, blieb das Geheimnis der Küche.

Gegrillte Forelle mit Blitva, Kartoffeln und Weißkohl im Hindin Han in Mostar
Pastrmka sa roštilja: gegrillte Forelle mit Kartoffeln, Blitva und Weißkohl – für 20 KM rund 10 Euro.

Preislich geht das in Ordnung; für rund zehn Euro ein ganzer gegrillter Fisch mit Beilagen ist fair. Beim Service war dagegen noch Luft nach oben: Auf ein zweites Wasser und ein Dessert habe ich vergeblich gewartet. Am Ende musste ich mich fürs Zahlen selbst bemerkbar machen.

Und dann kam die Pointe. Während ich da saß und aß, passierte genau das, worauf ich vorher eine Stunde lang mit der Kamera gewartet hatte: Von der großen Stari Most sprang tatsächlich jemand. Von meinem Platz aus konnte ich es nicht sehen. Aber ich habe es gehört. Gesehen habe ich davon also nichts. Aber immerhin: gehört.

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Warum die Springer so lange warten

Das Springen von der Stari Most ist eine Mutprobe mit langer Tradition – schon Evliya Çelebi erwähnte es 1664, die jungen Männer flögen „wie Vögel“ in den Fluss. Die traditionelle jährliche Springer-Konkurrenz gibt es seit 1968; organisiert wird sie bis heute vom Mostarer Springer-Klub Mostari.

Und das erklärt das ewige Warten: Bevor gesprungen wird, sammeln die Springer bei den Zuschauern Geld ein – erst wenn genug zusammenkommt, geht es runter. Kein Show-Timing, sondern schlicht: erst die Kasse, dann der Sprung. Anfänger üben zudem erst an einer niedrigeren Stelle, bevor sie sich die vollen, die über 20 Meter zutrauen.

Und dann ist da noch die Tiefe – oder besser: wie wenig davon. Die Neretva ist an der Sprungstelle je nach Wasserstand nur wenige Meter tief; häufig werden etwa vier bis fünf Meter angegeben. Aus mehr als 20 Metern Höhe in diesen schmalen Bereich einzutauchen, verlangt jahrelange Übung und eine präzise Technik. Gesprungen wird sowohl fußvoraus als auch kopfüber bei der berühmten „Mostarer Schwalbe“. Für Ungeübte ist beides lebensgefährlich. Das ist keine Angeberei, das ist Handwerk.

Wer also Geduld (und ein paar Scheine) mitbringt, wird belohnt. Ich hatte an dem Tag offenbar zu wenig von beidem.

Der Brückenturm – Ausstellung, Aussicht und ein Blick in die Tiefe

Im Brückenturm befindet sich das Old Bridge Museum. Eintritt: 20 Konvertible Mark (rund 10 €). Zu sehen gibt es Informationstafeln zur Geschichte und Konstruktion der Brücke, zu den Verteidigungstürmen und zum alten Basar. Dazu kommt der Aufstieg durch den Turm mit Blick über die Altstadt – und ein archäologischer Bereich.

Eintrittskarte für das Old Bridge Museum in Mostar für 20 Konvertible Mark
20 KM Eintritt für das Old Bridge Museum an der Stari Most.

Meine persönliche Meinung zur Ausstellung selbst: Die Tafeln sind informativ (Bosnisch und Englisch), aber als Ausstellung hat sie mich wenig gepackt. Wer sich nicht besonders für die Geschichte der Brücke interessiert, kann sich die 20 KM aus meiner Sicht auch sparen. Interessanter waren für mich der archäologische Bereich und vor allem der Blick aus dem Turm über die Altstadt. Durch ein altes Holzfenster, hinter dicker Steinmauer und Drahtgitter, liegt einem Mostar mit Minarett und Bergen zu Füßen. Für diesen Blick hat sich der Aufstieg dann doch gelohnt.

Blick aus dem Brückenturm des Old Bridge Museum durch ein vergittertes Holzfenster über Mostar
Der Blick aus dem Brückenturm über die Altstadt von Mostar – Drahtgitter inklusive.

Anschließend geht es noch in den archäologischen Bereich. Der ist interessanter, aber ebenfalls überschaubar. Auf Gitterrosten läuft der Besucher durch die freigelegten Mauern und Grabungsflächen. Bei den Untersuchungen während des Wiederaufbaus von 2000 bis 2004 stießen Archäologen unter anderem auf Keramik, Eisenbeschläge, hölzerne Wasserleitungen, altes Kopfsteinpflaster und weitere Kleinfunde.

Besonder spannend ist, was die Grabungen über die Geschichte der Brücke verraten: Vor der steinernen Stari Most standen an genau dieser Stelle bereits zwei mittelalterliche Holzbrücken. Ich bewege mich hier also ein Stück durch die Fundamente und Spuren der Vorgängerbauten und erhalte tatsächlich einen kleinen Blick in die Tiefe der Stadtgeschichte.

Einige Tafeln erklären die Grabungen und den Wiederaufbau der Brücke, zum Abschluss läuft noch ein Film. Danach geht es wieder hinaus in die Altstadt.

Rückweg – wo der Krieg in Mostar noch sichtbar ist

Nach meiner Erkundungstour durch die Altstadt wechsle ich wieder die Seite der Neretva und mache mich langsam auf den Rückweg zum Wohnmobil. Und dabei zeigt Mostar noch einmal ein ganz anderes Gesicht.

Am Španski trg, dem Spanischen Platz, komme ich an der Gimnazija Mostar vorbei. Eine gepflegte Anlage, weiße Säulen, Menschen auf dem Weg durch den Park – eigentlich eine völlig alltägliche Szene. Nur der Blick dahinter passt nicht so recht dazu: Über den Bäumen ragt der Sniper Tower auf, die ehemalige Ljubljanska Banka. Während des Bosnienkrieges wurde das Hochhaus aufgrund seiner Lage an der damaligen Frontlinie und seiner Höhe als Scharfschützenposition genutzt.

Gimnazija Mostar mit Sniper Tower am Spanischen Platz
Alltag und Kriegsnarben dicht beieinander: Hinter der gepflegten Anlage an der Gimnazija Mostar ragt der ehemalige Sniper Tower auf.

Gerade dieser Gegensatz bleibt hängen: vorne Schule, Park und ganz normaler Alltag – dahinter eine der bekanntesten Kriegsruinen Mostars. In Mostar liegen Moderne und die Narben der Vergangenheit manchmal nur wenige Meter auseinander.

Ein Stück weiter begegnet mir noch eine andere Seite davon. An einer großen Betonwand entdecke ich ein gewaltiges Mural, inzwischen teilweise von Efeu und anderer Vegetation überwuchert. Eine riesige menschliche Figur, maskenartige Gestalten und dazwischen eine merkwürdige Konstruktion. Was genau das Bild erzählen will, erschließt sich mir beim Vorbeigehen nicht. Aber es bleibt hängen.

Großes Street-Art-Mural auf einer Betonwand in Mostar, teilweise von Efeu überwachsen
Street Art abseits der Altstadt: Das großflächige Mural ist inzwischen teilweise von Efeu überwachsen.

Erst bei der späteren Recherche stoße ich darauf, dass das Werk vom spanischen Street-Art-Künstler Miguel Pincho stammt. Seit 2012 gibt es in Mostar das Street Art Festival. Die Grundidee: vorhandene Ruinen und andere Flächen kreativ neu bespielen, das Stadtbild aufwerten – und gleichzeitig ein Gespräch über die Zukunft Mostars und das materielle Erbe des Krieges anstoßen.

Und gerade bei den Ruinen lohnt ein genauerer Blick. Nicht jedes verfallene Gebäude, das heute wie eine Kriegsruine aussieht, steht seit 1993 unverändert da. Während der Westen Mostars weitgehend wiederaufgebaut wurde, prägen Ruinen vor allem das Zentrum und den Osten. Dass viele davon bis heute nicht saniert wurden, liegt laut der Mostar-Forscherin Giulia Carabelli häufig an Eigentumsstreitigkeiten und fehlendem Geld für größere Sanierungen.

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Street Art gegen die Teilung von Mostar

Hinter dem Street Art Festival Mostar steckt mehr als die Idee, ein paar graue Wände bunt anzumalen. Initiatorin Marina Djapić wollte mit Kunst und Kultur Räume schaffen, die nicht wieder von den ethnischen und politischen Trennlinien Mostars bestimmt werden. Nach dem Krieg entstanden in der Stadt zahlreiche Denkmäler und Tafeln für teilweise umstrittene Kriegshelden. Das Festival versucht, andere Geschichten darzustellen: Inklusion, Gleichheit, Frieden, Versöhnung, Einheit und Solidarität.

Das Festival findet seit 2012 jährlich statt. Über die Jahre sind rund 200 Murals in Mostar entstanden. Was im Zentrum begann, hat sich längst nach Osten und Westen ausgebreitet. Die Mostar-Forscherin Giulia Carabelli beschreibt diese neuen Wege durch die Stadt als etwas, das zumindest visuell zur Wiedervereinigung der geteilten Stadt beiträgt.

Dass die Idee bis heute lebt, zeigen auch jüngere Aktionen: 2025 entstanden unter anderem vier Arbeiten von Jan Vormann aus Lego-Steinen, die von Kindern und Eltern aus Mostar gespendet worden waren. Nachts wurde sogar die Stari Most mit digitalen Projektionen bespielt.

Die aktuellen Termine und das jeweilige Festivalprogramm findest du direkt beim Street Art Festival Mostar.

Die Neretva – mein Begleiter durch Mostar

Jetzt noch einmal zurück zum Fluss, der mich schon den ganzen Tag und auch auf dem Weg zurück zum Wohnmobil begleitet. Die Neretva gilt als einer der kältesten Flüsse überhaupt – manche nennen sie sogar den kältesten der Welt. Der Grund: Sie wird aus dem Karst und den Schmelzwassern der Dinarischen Alpen gespeist, das Wasser tritt fast mit Höhlentemperatur aus. Selbst im Hochsommer bleibt sie meist nur um die 7 Grad (je nach Abschnitt etwa 7–11 °C im August). Zum Vergleich: Die Adria keine 45 Kilometer weiter hat dann 25–28 Grad.

Luftaufnahme von Mostar mit der Neretva und den umliegenden Bergen
Die Neretva zieht sich mitten durch Mostar – eingebettet zwischen den Bergen der Herzegowina.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, findet in und um Mostar verschiedene Stellen, an denen du direkt ans Wasser kommst. Auch mein Neretva Camping hatte einen eigenen Zugang zum Fluss. Ob ich bei sieben Grad unbedingt länger darin hätte liegen wollen, ist allerdings eine andere Frage.

Fazit – mein Besuch in Mostar

Mein Camper stand am Ende unbeschädigt auf dem Parkplatz am Universitätscampus. Für mich ging die Reise von hier weiter zur Blagaj Tekija und zur Buna-Quelle, nur wenige Kilometer südlich von Mostar. Aber was bleibt von diesem Tag?

Natürlich zuerst die Stari Most. Sie ist beeindruckend, keine Frage. Aber am Ende ist es gar nicht die Brücke allein, die Mostar für mich ausmacht. Es sind die Gegensätze, die einem auf wenigen Kilometern begegnen: volle Basargassen und stille Natursteinhäuser, Minarette über der Altstadt und das türkise, eiskalte Wasser der Neretva. Menschen, die von einer jahrhundertealten Brücke springen – und ein paar Straßen weiter eine Schule, hinter der noch immer der Sniper Tower aufragt. Dazwischen Street Art, die versucht, aus einer bis heute geteilten Stadt wieder ein Stück gemeinsame Stadt zu machen.

Nicht alles hat mich begeistert. Die Ausstellung im Brückenturm hätte ich mir sparen können, der Blick von dort oben und der archäologische Bereich dagegen nicht. Beim Mittagessen war die Forelle gut, der Service weniger – und ausgerechnet dort hörte ich schließlich den Brückensprung, auf den ich vorher eine Stunde lang vergeblich mit der Kamera gewartet hatte. Auch das war Mostar.

Nur wegen Mostar würde ich wahrscheinlich keine Reise nach Bosnien und Herzegowina unternehmen. Aber wer ohnehin durch die Herzegowina fährt, sollte die Stadt für mich unbedingt einplanen. Und vor allem nicht nur zur Stari Most laufen, ein Foto machen und wieder verschwinden. Mostar wird interessanter, wenn du weitergehst. Hinter der berühmten Brücke beginnt eine Stadt, die ihre Geschichte nicht verstecken kann – und offenbar auch gar nicht überall verstecken will.

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