Weg von der Altstadt hinaus an den See
Der erste Tag in Ohrid gehörte der Altstadt – ihren Kirchen, den engen Gassen, der Samuel-Festung und dem Ufer des Sees. Der zweite Tag gehört dem, was um sie herum liegt.
Bevor wir die Stadt Ohrid in Nordmazedonien hinter uns lassen, gibt es auf meiner Liste noch einen Punkt, den ich unbedingt abhaken möchte: den Besuch der Ohrid-Perlen-Manufaktur der Familie Filev. Das Geschäft liegt in einer Fußgängerstraße der Altstadt und ist kaum zu übersehen. Danach geht es mit dem Wohnmobil am Ufer des Ohridsees entlang in Richtung Süden. Das Tagesziel heißt Sveti Naum, unterwegs wartet noch ein Zwischenstopp an der Museumsbucht der Knochen.
Drei Ausflüge, drei völlig unterschiedliche Eindrücke. Zwei davon gehören für mich zu den Highlights rund um Ohrid. Einer bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Die Ohrid-Perle – ein Handwerk, das nur zwei Familien beherrschen
An diesem Vormittag stehe ich ohne Termin vor der Manufaktur der Familie Filev in einer Fußgängerstraße der Ohrider Altstadt. Kein Anruf im Vorfeld, keine Voranmeldung. Ich gehe einfach hinein.

Was mich empfängt, ist Ruhe. Kein Verkaufsdruck, keine aufgesetzte Freundlichkeit. Die Mitarbeiterin nimmt sich Zeit. Ihr Deutsch ist nicht perfekt, trotzdem beantwortet sie geduldig jede meiner Fragen. Als sie später erwähnt, dass dies ihr erstes Interview überhaupt war, ist das kaum zu glauben. Sie hat es hervorragend gemeistert.
Nach und nach erklärt sie mir, wie eine Ohrid-Perle entsteht.
Nicht bis ins letzte Detail, versteht sich. Das eigentliche Geheimnis liegt in der Rezeptur der Emulsion und wird bis heute innerhalb der Familie bewahrt. Seit fast 100 Jahren wird dieses Wissen nicht öffentlich gemacht. Was sie mir zeigt und erklärt, reicht jedoch völlig aus, um zu verstehen, warum die Ohrid-Perle bis heute in Europa so einzigartig ist.
Zwei Komponenten – ein Handwerk
Die Ohrid-Perle besteht aus zwei Komponenten: einem etwa zwei Millimeter starken Kern aus dem Inneren einer Muschelschale und einer beige bis grau schimmernden, flüssigen Emulsion, die aus den Schuppen des Ohrid-Fisches Plašica hergestellt wird.
Die kleine Perle sitzt dabei auf einem Holzstäbchen. Mit einem feinen Pinsel wird die Emulsion Schicht für Schicht aufgetragen. Wenn ich die Erklärung richtig verstanden habe, besteht der Pinsel aus Eichhörnchenhaar. Nach jeder Schicht muss die Perle rund 45 Minuten trocknen, bevor die nächste aufgetragen wird. Das wiederholt sich so lange, bis die gewünschte Größe erreicht ist.

Für eine Perle mit acht Millimetern Durchmesser sind acht Schichten erforderlich, für eine zwölf Millimeter große Perle entsprechend zwölf Schichten. Das Ergebnis ist eine Perle mit einer beeindruckenden Tiefenwirkung, die auf den ersten Blick kaum von einer echten Muschelperle zu unterscheiden ist.

Zertifikat der Manufaktur
Zu jedem Schmuckstück gehört ein Zertifikat. Nach Angaben der Familie Filev bestätigt es das anerkannte Herstellungsrecht für die originale Ohrid-Perle und enthält außerdem eine lebenslange Garantie sowie Hinweise zur Pflege und Reinigung.
Das Rezept – der eigentliche Schatz
Das Besondere ist nicht die Herstellung selbst. Das eigentliche Geheimnis liegt in der Rezeptur der Emulsion.
In Ohrid sind es heute nur noch zwei Familien – Talev und Filev –, die dieses Wissen bewahren. Nach ihrer Überlieferung brachte ein russischer Immigrant die Technik in den 1920er-Jahren nach Ohrid und gab sie an beide Familien weiter. Seitdem wird das Rezept ausschließlich innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitergegeben. Es ist weder veröffentlicht noch patentiert. Die Familie Filev kann ihre Tradition bis ins Jahr 1928 zurückverfolgen.

Heute führt Mihail Filev die Manufaktur gemeinsam mit seiner Familie. Zum Betrieb gehören seine beiden Töchter, sein Sohn, seine Ehefrau sowie seine Eltern – ein Familienunternehmen, in dem das Wissen bis heute innerhalb der eigenen Familie weitergegeben wird.
Dass dieses kleine Handwerk weit über Nordmazedonien hinaus Aufmerksamkeit gefunden hat, zeigt auch ein Beitrag der BBC mit dem Titel „Ohrid Pearls Are Top Secret“.
Preis und Königinnen
Was die Preise angeht, war ich ehrlich überrascht.
Ein Paar Ohrringe gibt es bereits ab etwa 10 Euro, ein Armband mit kleineren Ohrid-Perlen kostet rund 30 Euro. Am anderen Ende der Preisskala stehen exklusive Ketten für bis zu 1.500 Euro. Verglichen mit hochwertigen Muschelperlen empfand ich die Preise als überraschend moderat. Den eigentlichen Wert macht ohnehin nicht das Material aus, sondern das Handwerk und das Rezept, das nach Angaben der Familien weltweit nur Filev und Talev kennen.
An einer Wand der Manufaktur hat die Familie zahlreiche Fotos und Erinnerungen zusammengestellt. Seit 1928 dokumentieren sie bekannte Persönlichkeiten, die Ohrid-Perlen getragen oder die Werkstatt besucht haben. Zu sehen sind unter anderem Königin Juliana der Niederlande, Königin Margrethe II. von Dänemark und die serbische Königin Maria Karađorđević, die ihren Ohrid-Perlenschmuck später ihrer Enkelin vermachte.
Auch die schwedische Königsfamilie war zu Gast. Fotos erinnern an den Besuch von Königin Silvia und König Carl XVI. Gustaf, die sich die Herstellung zeigen ließen und von den damaligen Inhabern Ohrid-Perlen geschenkt bekamen. Daneben hängen Bilder weiterer bekannter Persönlichkeiten und Sängerinnen.
Zwischen den Schmuckstücken in den Vitrinen und den Fotos an der Wand wird schnell klar, dass die Ohrid-Perle weit über Nordmazedonien hinaus bekannt geworden ist.

Die stille Fragilität
Während ich die Werkstatt verlasse, geht mir noch ein Gedanke durch den Kopf. Nach allem, was mir erzählt wurde, wird das Wissen um die Rezeptur bis heute ausschließlich innerhalb der beiden Familien weitergegeben. Sollte diese Tradition eines Tages abbrechen, wäre das Wissen vermutlich verloren.
Gerade das macht den Besuch für mich so interessant. Nicht die Perlen selbst stehen im Mittelpunkt, sondern die Geschichte dahinter. Hinter jedem Schmuckstück steckt ein Handwerk, das seit Generationen innerhalb weniger Familien bewahrt wird.
Keine Muschelperle. Aber ein Schmuckstück, das Königinnen getragen haben.

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Was die Ohrid-Perle wirklich ist
Wer eine Ohrid-Perle in den Händen hält, hält keine Naturperle, sondern ein handgefertigtes Schmuckstück.
- Keine Zuchtperle – sie wächst nicht in einer Muschel oder Auster.
- Keine industrielle Kunstperle – sie wird nicht maschinell gefertigt.
- Sondern eine Kompositperle – mit einem Kern aus Perlmutt und einer Beschichtung aus einer geheimen Emulsion, deren Grundstoff die Schuppen des Ohrid-Fisches Plašica bilden.
Nach Angaben der Familien Filev und Talev kennen nur sie die genaue Zusammensetzung dieser Emulsion. Das Wissen wird seit Generationen innerhalb der Familien weitergegeben.
Das erklärt, warum die Ohrid-Perle einer echten Perle optisch sehr nahekommt, preislich aber oft deutlich darunter liegt. Zu jedem Schmuckstück gehören außerdem ein Zertifikat sowie eine lebenslange Garantie.
Manufaktur Filev (Werkstatt und Hauptgeschäft)
Car Samoil 10 · 6000 Ohrid · filevi.com
Die Museumsbucht der Knochen – Pfahlbausiedlung über dem Wasser
Weiter geht es mit dem Wohnmobil am Südufer des Ohridsees entlang. Nach rund zwanzig Kilometern öffnet sich eine kleine Bucht mit glasklarem Wasser. Darin stehen auf hölzernen Pfählen rekonstruierte Häuser, die den Eindruck einer Siedlung mitten auf dem See vermitteln. Dabei handelt es sich um die Museumsbucht der Knochen (Bay of Bones Museum on Water), eines der bekanntesten archäologischen Freilichtmuseen Nordmazedoniens.

Was heute über dem Wasser zu sehen ist, ist ein archäologischer Wiederaufbau. Das Original lag jahrhundertelang auf dem Grund des Ohridsees. 1997 entdeckte der Taucher Milutin „Mičo“ Sekuloski in der Bucht eine außergewöhnliche Menge Tierknochen sowie Holzpfähle und Keramikscherben. Der Fundplatz erhielt den Namen Ploča Mičov Grad – wörtlich „Die Steinplatte von Mičos Ort“ – und trägt bis heute den Spitznamen seines Entdeckers.
Zwischen 1997 und 2005 legte ein Archäologenteam unter der Leitung von Pasko Kuzman die komplette Struktur der Siedlung frei. Zum Vorschein kam eine prähistorische Pfahlbausiedlung aus der Zeit zwischen 1200 und 700 vor Christus, also aus der späten Bronzezeit und dem Übergang zur Eisenzeit. Neben Keramik fanden die Archäologen auch Steinwerkzeuge, Reibsteine zum Mahlen von Getreide sowie aus Tierknochen gefertigte Alltagsgegenstände. Einige Keramikscheiben mit kleinen Öffnungen wurden vermutlich als Gewichte für Fischernetze verwendet.
Mehr als 6.000 Holzpfähle wurden dokumentiert, teilweise bis zu 40 Zentimeter stark und in bis zu fünf Metern Wassertiefe verankert. Die ursprüngliche Siedlung erstreckte sich über rund 8.500 Quadratmeter und bestand vermutlich aus etwa 60 Häusern. Die heutige Rekonstruktion zeigt mit 24 Gebäuden also nur einen Teil der einstigen Anlage.

Zwischen 2007 und 2008 entstand auf Grundlage der Ausgrabungen die heutige Rekonstruktion. Holzstege verbinden die Häuser miteinander. Wer darüber läuft, bewegt sich wie durch ein Dorf aus längst vergangener Zeit. Der Boden gibt leicht nach, die Holzwände riechen nach Rauch und in einigen Häusern vermitteln rekonstruierte Feuerstellen einen Eindruck davon, wie hier vor rund 3.000 Jahren gelebt wurde.

Ein archäologisches Küchenprotokoll
Und was hat es mit dem Namen „Museumsbucht der Knochen“ auf sich? Der klingt zunächst dramatisch. Tatsächlich steckt dahinter etwas viel Alltäglicheres: Unter dem Sediment fanden die Archäologen ausschließlich Tierknochen – von Rindern, Schafen, Ziegen, Wildtieren und Fischen. Es handelt sich um Speisereste einer Siedlung, die über viele Generationen hinweg bewohnt war. Manche Knochen wurden später zu Werkzeugen weiterverarbeitet – etwa zu Angelhaken, Nadeln, Griffen oder aus Hirschgeweihen gefertigten Geräten. Kein Massengrab, kein Schlachtfeld – sondern ein archäologisches Küchenprotokoll.
Leben, das gerade wieder beginnt
Erstaunlich ist, wie ruhig die Anlage trotz der Besucher wirkt. Die Stege und Häuser sind großzügig angelegt, sodass jeder seinen eigenen Moment findet. In einer der Hütten entdecke ich im Halbdunkel frisch geborene Hundewelpen. Wenige Meter weiter hat eine Schwalbe ihr Nest unter dem Dach gebaut. Als ich die Hütte betrete, umkreist mich die Mutter lautstark und wartet ungeduldig darauf, dass ich wieder verschwinde.

Vor rund 3.000 Jahren lebten hier Menschen über dem Wasser. Heute nisten Schwalben unter den Dächern und Hundewelpen schlafen in einer der rekonstruierten Hütten. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht so ganz ungewollt eine kleine Verbindung.
Zum Abschluss werfe ich noch einen Blick in das kleine Museum am Eingang der Anlage. Dort sind zahlreiche Originalfunde aus den Ausgrabungen ausgestellt – darunter Keramikgefäße, Werkzeuge und weitere Alltagsgegenstände, die einen Eindruck vom Leben der ehemaligen Bewohner vermitteln.

Das römische Kastrum
Oberhalb der Museumsbucht liegt ein restauriertes römisches Kastrum aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, das über einen kurzen Fußweg erreichbar ist. Der Eintrittspreis von 150 Denar gilt für beide Anlagen. Ich selbst habe das Kastrum beim Besuch übersehen – gut zu wissen, dass es im Ticket bereits enthalten ist.

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Museumsbucht der Knochen – Zwei Details, die kaum jemand kennt
1. Die Fundstätte trägt den Spitznamen ihres Entdeckers. Der Name Ploča Mičov Grad – „Die Steinplatte von Mičos Ort“ – erinnert bis heute an den Taucher Milutin „Mičo“ Sekuloski, der die versunkene Siedlung 1997 entdeckte. Die anschließenden Ausgrabungen machten die heutige Rekonstruktion überhaupt erst möglich.
2. Kein einziger Menschenknochen wurde gefunden. Die „Bucht der Knochen“ verdankt ihren Namen ausschließlich den zahlreichen Tierknochen, die als Speisereste im Sediment erhalten blieben. Menschliche Überreste wurden nicht entdeckt. Nach heutiger Kenntnis verbrannten die damaligen Bewohner ihre Toten.
Eintritt: 150 Denar, inklusive römischem Kastrum (Stand Juli 2026).
Wichtiger Hinweis: Die Museumsbucht ist dienstags bis sonntags von 9:00 bis 16:30 Uhr geöffnet. Montags bleibt die Anlage geschlossen. Der letzte Einlass ist bereits um 15:30 Uhr.
Aktuelle Informationen zu Eintritt, Öffnungszeiten und Veranstaltungen bietet die offizielle Website des Museums.
Ohrid-See – Kleine Buchten mit karibischem Flair
Während ich die Drohne über den Buchten steigen lasse, fällt mir immer wieder auf, dass Ausflugsboote entlang des Ufers anhalten. Sie kommen aus Ohrid und steuern kleine Badebuchten an, die vom Land aus teilweise nur schwer oder gar nicht erreichbar sind. Viele Touren verbinden die Museumsbucht der Knochen mit Sveti Naum und legen unterwegs Badestopps ein.

Von oben wird schnell klar, warum diese Plätze so beliebt sind. Das Wasser schimmert in verschiedenen Türkis- und Grüntönen, die kleinen Kiesbuchten liegen geschützt zwischen Felsen und dichtem Wald. Palmen gibt es hier zwar keine, dennoch erinnern das glasklare Wasser und die abgeschiedenen Buchten stellenweise an die Karibik.

Wer den Ohridsee einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchte, für den ist eine Bootstour deshalb mehr als nur eine bequeme Anreise nach Sveti Naum. Die schönsten Eindrücke liegen oft zwischen den bekannten Sehenswürdigkeiten.
Sveti Naum – zwischen Spiritualität und Massentourismus
Weitere zehn Kilometer südlich, direkt an der Grenze zu Albanien, liegt das Kloster Sveti Naum. Auf jeder Ohridsee-Karte markiert, auf jeder Reiseblog-Liste ganz oben, in vielen Gruppentouren fixer Zielpunkt. Meine Erwartungen waren dementsprechend hoch.
Und wurden nicht ganz eingelöst.

Ankunft zwischen Reisegruppen und Badegästen
Hinter dem Eingang beginnt sofort der touristische Betrieb. Entlang der Allee sind bereits zahlreiche Besucher unterwegs, viele von ihnen gerade erst aus den Reisebussen ausgestiegen. Links reihen sich Souvenirstände, Restaurants und kleine Imbisse aneinander. Rechts, außerhalb des Bildausschnitts, breiten sich Liegewiesen und der Badebereich aus, wo sich an diesem heißen Sommertag zahlreiche Besucher in Badebekleidung aufhalten. Vom kontemplativen Klosterort ist nur wenig zu spüren. Sveti Naum ist heute vor allem ein beliebtes Ausflugsziel.

Es geht vorbei an mehreren Restaurants, die mit ihren Terrassen zum Verweilen einladen. Nach der kleinen Brücke über das Quellgebiet liegen die Ruderboote bereits am Ufer. Mehrere Anbieter bieten von hier aus Rundfahrten durch die Quellen an. Als Einzelreisender wurden mir dafür 20 Euro berechnet. Das war mir für eine etwa halbstündige Tour zu teuer, sodass ich darauf verzichtet habe.

Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Preise. In Reisebewertungen werden für die Bootstour meist 3 bis 10 Euro pro Person genannt – abhängig von Saison und Gruppengröße. Wer allein unterwegs ist, muss in der Hochsaison häufig einen höheren Preis zahlen, wenn sich keine weitere Gruppe zum Teilen des Bootes findet.
Wer auf die Bootsfahrt verzichten möchte, hat eine kostenlose Alternative. Rund um das Quellgebiet führt ein etwa zwei Kilometer langer Rundweg bis zur kleinen Kirche Sveti Atanas. Für die Strecke solltest du rund 30 Minuten einplanen. So lässt sich das Quellsystem auch zu Fuß gut erkunden.

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Nationalpark Galičica – Wandern und Mountainbiken
Direkt am Kloster beginnt der Nationalpark Galičica. Die große Übersichtstafel zeigt markierte Wander- und Mountainbike-Routen – von kurzen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Höhenrouten auf den Gebirgskämmen zwischen Ohrid- und Prespasee.
Die Strecken sind mit Länge und Höhenmetern ausgeschildert. Die kürzesten Rundwege bei Sveti Naum sind etwa 1 bis 2 Kilometer lang. Wer eine echte Bergtour sucht, findet Routen mit über 10 Kilometern Länge und bis zu 1.900 Höhenmetern.
Wichtig: Auf den markierten Wegen bleiben. Das Quellwasser ist laut Nationalparkverwaltung nicht als Trinkwasser freigegeben. Für längere Touren wird ein zertifizierter Guide empfohlen.
Weitere Informationen sowie die offizielle App findest du unter galicica.org.mk.
Klosterkirche Sveti Naum
Die Kirche selbst ist das eigentliche Highlight der Anlage. Der heilige Naum war weit mehr als nur ein Schüler der Slawenapostel Kyrill und Method. Gemeinsam mit Kliment von Ohrid gehörte er zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Ohrider Literaturschule, die als eines der wichtigsten Zentren der slawischen Schrift- und Bildungsgeschichte gilt. Hier wurde die slawische Liturgie gefördert und die kyrillische Schrift verbreitet. Naum gründete das Kloster im Jahr 905 und wurde nach seinem Tod im Jahr 910 auch hier begraben.

Die heutige Kirche entspricht allerdings nicht mehr dem ursprünglichen Bau. Nach Zerstörungen entstand sie im 16. Jahrhundert weitgehend neu und erhielt ihre heutige byzantinisch-orthodoxe Form. Fresken aus verschiedenen Jahrhunderten prägen bis heute den Innenraum.
Als ich die Kirche betrete, wird es schlagartig ruhiger. Für kurze Zeit sind nur wenige Besucher im Inneren. Gedämpftes Licht fällt durch die kleinen Fenster auf die farbenprächtigen Fresken und die reich verzierte Ikonostase. Es riecht nach Weihrauch, Kerzen flackern vor den Ikonen. Trotz des touristischen Trubels draußen wirkt der Innenraum überraschend ruhig und fast zeitlos.

Im vorderen Kirchenbereich wird die Atmosphäre noch stiller. Viele Besucher verweilen hier für einen Moment, entzünden Kerzen oder sprechen leise ein Gebet. Fotografieren ist in diesem Bereich nur eingeschränkt beziehungsweise gar nicht erwünscht – ein Umstand, den die meisten Besucher respektieren.

Naums Grab befindet sich in einer Seitenkapelle. Mit ihm verbindet sich eine der bekanntesten Legenden Nordmazedoniens: Wer sein Ohr auf den Sarkophag legt und den Herzschlag des Heiligen hört, dem soll sich ein Herzenswunsch erfüllen. Ob die Legende stimmt oder nicht – bis heute legen Pilger und Besucher ihr Ohr an den Steinsarkophag, warten einen Moment und lauschen.
Rational erklären lässt sich dieser Brauch natürlich. Dennoch zeigt er eindrucksvoll, welche Bedeutung Sveti Naum bis heute für viele Menschen auf dem Balkan besitzt. Während draußen Reisegruppen, Restaurants und Badegäste den Ton angeben, bleibt die Kirche selbst ein Ort, an dem Spiritualität und jahrhundertealte Tradition noch immer spürbar sind.
Im Klosterhof begegnen Besuchern fast überall Pfauen. Sie sind erstaunlich zutraulich und gehören längst zum Erscheinungsbild von Sveti Naum. Tatsächlich haben sie hier auch eine symbolische Bedeutung: In der christlichen Tradition stehen Pfauen für Unsterblichkeit und Auferstehung. Dass sie ausgerechnet an einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Nordmazedoniens leben, ist daher weit mehr als nur eine touristische Attraktion.

Ein hydrologisches Wunder, das kaum jemand kennt
Und dann noch etwas, das kaum ein deutschsprachiger Reisebericht erwähnt: Am Fuß des Klosterberges liegt ein hydrologisches Phänomen, das den eigentlichen Substanz-Punkt dieses Ortes ausmacht.
Auf einem Schild direkt am Quellteich stehen viele Zahlen:
- 15 oberirdische Quellen
- 30 Unterwasserquellen
- 6,5 bis 10 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, je nach Jahreszeit
- Wassertemperatur konstant 10 bis 12 Grad Celsius
- Quellteich: 700 Meter lang, 250 Meter breit, bis 3,5 Meter tief
- Nationalpark Galičica

Wer diese Zahlen liest und dann ins Wasser schaut, versteht die Dimension. 6,5 Kubikmeter pro Sekunde – das ist ein kleiner Fluss, der hier aus dem Boden tritt.
Und ein Teil davon hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Etwa die Hälfte des Wassers stammt aus dem Prespasee. Der liegt rund 15 Kilometer südöstlich und etwa 200 Meter höher. Er besitzt keinen sichtbaren Abfluss. Sein Wasser fließt durch das Karstgestein der Galičica-Berge unterirdisch nach Sveti Naum und tritt hier, am Fuß des Klosterberges, wieder ans Licht. Zwei Seen, ein System, verbunden durch einen unterirdischen Wasserlauf, der unsichtbar bleibt.
Quelle des Schwarzen Drin
Vom Quellteich fließt das Wasser weiter in den Ohridsee. Und irgendwann verlässt es diesen wieder – über den Schwarzen Drin (Crn Drim), der bei Struga rund 29 Kilometer nördlich aus dem Ohridsee austritt und über Albanien in die Adria fließt. Die Sveti-Naum-Quellen werden oft als „Quelle des Schwarzen Drin“ bezeichnet. Streng genommen sind sie es nicht – aber sie sind sein wichtigster Zufluss. Ein Wassertropfen, der hier aus dem Karst tritt, kann Wochen später in der Adria landen.
Wer am Uferrand steht und ins klare Wasser sieht, blickt auf Wasser, das vor Tagen oder Wochen noch im Prespasee war – und einige Zeit später im Meer ankommen wird.

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Informationen zum Besuch des Kloster Sveti Naum
- Eintritt Kloster: kostenlos.
- Parken (Stand Juli 2026): Pkw 100 Denar, Kombi/Van 200 Denar.
- Anreise: Sveti Naum kann sowohl mit dem Auto als auch im Rahmen einer Bootstour ab Ohrid erreicht werden.
- Badezeug einpacken: Rund um das Kloster und das Quellgebiet gibt es mehrere Möglichkeiten zum Baden.
- Hauptsaison: Vor allem tagsüber ist mit vielen Besuchern und Reisegruppen zu rechnen. Wer das Kloster möglichst in Ruhe erleben möchte, sollte dies bei seiner Tagesplanung berücksichtigen.
Bootstouren und Aktivitäten am Ohridsee
Wer Sveti Naum nicht mit dem Auto anfahren möchte, kann den Ausflug auch im Rahmen einer Bootstour ab Ohrid unternehmen. Die meisten Anbieter am Hafen kombinieren das Kloster mit der Museumsbucht der Knochen. Die Ganztagestouren starten in der Regel am Vormittag und kehren am späten Nachmittag zurück. Je nach Anbieter liegen die Preise meist bei rund 30 Euro pro Person.
Wer lieber selbst aktiv wird, findet rund um den Ohridsee zahlreiche Möglichkeiten. Stand-up-Paddling, Tretboote und Angelangebote gehören an vielen Uferabschnitten zum Standardprogramm, besonders entlang der Promenade von Ohrid und im Bereich von Sveti Naum.
Ein echter Blickfang im Hafen von Ohrid ist das rote Semi-Submarine. Das Halbtauchboot fährt an der Wasseroberfläche, besitzt im unteren Bereich jedoch große Fenster, durch die sich die Unterwasserwelt des Ohridsees beobachten lässt. Die etwa 30-minütige Fahrt richtet sich vor allem an Familien mit Kindern.
Auch Taucher kommen auf ihre Kosten. Der Ohridsee erreicht Sichtweiten von bis zu 20 Metern. Mehrere Tauchschulen bieten Schnuppertauchgänge für Anfänger und geführte Tauchgänge für erfahrene Taucher an. Besonders außergewöhnlich ist ein Tauchgang über die rund 3.000 Jahre alte Pfahlbausiedlung an der Museumsbucht der Knochen, der unter anderem über GetYourGuide gebucht werden kann.

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Der Ohridsee – das macht ihn so besonders
Wer den Ohridsee besucht, sollte diese Besonderheiten kennen:
- Einer der ältesten Seen Europas – rund 1,4 Millionen Jahre alt (Studie der Universität Bern, 2019, veröffentlicht in Nature)
- Bis zu 288 Meter tief
- Mehr als 200 endemische Tier- und Pflanzenarten, die ausschließlich hier vorkommen – darunter die Ohrid-Forelle (Salmo letnica), eine der ältesten Salmoniden-Arten der Welt
- UNESCO-Welterbe: Die Altstadt von Ohrid gehört seit 1979 zum UNESCO-Kulturerbe, der See wurde 1980 als Naturerbe ergänzt. Damit zählt die Region zu den wenigen UNESCO-Doppelwelterbestätten weltweit.
- Grenzsee: Etwa zwei Drittel des Sees liegen in Nordmazedonien, rund ein Drittel in Albanien.
Ohrid-Umgebung – die Eckdaten für die Reiseplanung
Ohrid-Perle Manufaktur Filev
Werkstatt und Geschäft in der Fußgängerzone der Ohrider Altstadt. Mehrsprachige Beratung. Ohrringe ab etwa 10 Euro, Armbänder ab rund 30 Euro, exklusive Ketten bis etwa 1.500 Euro. Zu jedem Schmuckstück gehören ein Zertifikat sowie eine lebenslange Garantie der Manufaktur.
Museumsbucht der Knochen
Etwa 20 Kilometer südlich von Ohrid. Eintritt 150 Denar, inklusive Zugang zum römischen Kastrum. Die Anlage schließt bereits am Nachmittag – die aktuellen Öffnungszeiten solltest du vor deinem Besuch prüfen.
Kloster Sveti Naum
Rund 30 Kilometer südlich von Ohrid, direkt an der Grenze zu Albanien. Der Eintritt in das Kloster ist kostenlos. Kostenpflichtige Ruderboot-Fahrten durch das Quellgebiet werden direkt vor Ort angeboten.
Geführte Bootstour ab Ohrid
Viele Anbieter kombinieren die Museumsbucht der Knochen und Sveti Naum in einer Ganztagestour. Die Preise beginnen bei etwa 30 Euro pro Person.
Semi-Submarine
Halbtauchboot mit Glasboden ab dem Hafen von Ohrid. Rund 30 Minuten Fahrzeit, besonders für Familien mit Kindern interessant.
Tauchen im Ohridsee
Mehrere Tauchschulen bieten Schnuppertauchgänge und geführte Touren an. Die Sichtweite unter Wasser beträgt je nach Bedingungen bis zu 20 Meter.
Weitere Aktivitäten
Stand-up-Paddling, Tretboote und Angelangebote finden sich an mehreren Stellen entlang des Ohridsees, insbesondere an der Uferpromenade von Ohrid und im Bereich von Sveti Naum.
Anreise nach Sveti Naum
Die Straße von Ohrid nach Sveti Naum führt auf rund 30 Kilometern direkt am Seeufer entlang und zählt zu den landschaftlich schönsten Strecken Nordmazedoniens.
Fazit – Warum ich nach Ohrid zurückkehren werde
Nach zwei Tagen in Ohrid steht für mich eines ganz klar fest: Ich komme wieder. Nicht für einen weiteren straff geplanten Kurztrip, sondern mit deutlich mehr Zeit. Eine Woche, vielleicht sogar zwei. Einfach, um die Region in Ruhe zu erleben – ohne jeden Tag von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu fahren.
Genau das ist für mich die größte Erkenntnis dieser Reise. Ohrid ist kein Ort, der sich nach zwei Tagen abhaken lässt. Je intensiver ich mich mit der Region beschäftigt habe, desto deutlicher wurde, wie viel es hier noch zu entdecken gibt. Viele Ziele habe ich diesmal nur angerissen. Wanderungen im Nationalpark Galičica, kleine Dörfer rund um den See, abgelegene Buchten, Bootstouren und viele weitere Orte warten noch auf meinen nächsten Besuch.
Besonders in Erinnerung bleiben mir die Ohrid-Perle mit ihrer außergewöhnlichen Geschichte, die Museumsbucht der Knochen mit ihrer einzigartigen Lage am See und die Quellen des Schwarzen Drin bei Sveti Naum. Aber auch die Altstadt, die Uferpromenade und die vielen kleinen Eindrücke zwischendurch machen den besonderen Reiz dieser Region aus.
Der Ohridsee selbst ist dabei weit mehr als nur eine schöne Kulisse. Er zählt zu den ältesten Seen Europas, beherbergt zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die ausschließlich hier vorkommen, und verbindet Natur, Geschichte und Kultur auf eine Weise, die ich so bisher nur selten erlebt habe.
Für mich gehört Ohrid zu den schönsten Regionen, die ich auf dem Balkan bisher besucht habe. Und obwohl Ohrid als UNESCO-Welterbe längst kein unbekannter Ort mehr ist, habe ich den Eindruck, dass die Region – zumindest für viele deutschsprachige Individualreisende und Wohnmobilisten – noch immer unterschätzt wird.
Mein persönliches Fazit: Wer zwei oder drei Tage Zeit hat, wird bereits viele Highlights erleben. Wer eine Woche oder länger bleibt, wird wahrscheinlich verstehen, warum ich nach meinem ersten Besuch schon den nächsten plane. Für mich ist Ohrid deshalb nicht nur ein Reiseziel, sondern eine Region, in die ich ganz sicher noch einmal zurückkehren werde.

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